Junge Frau soll von fünf Minderjährigen in einem Mülheimer Waldstück sexuell missbraucht worden sein
Entsetzen über Gruppentat

Mülheims Sozialdezernent Marc Buchholz nahm heute Vormittag auch Stellung zu dem Fall der vermuteten Vergewaltigung einer jungen Frau durch fünf Minderjährige.
  • Mülheims Sozialdezernent Marc Buchholz nahm heute Vormittag auch Stellung zu dem Fall der vermuteten Vergewaltigung einer jungen Frau durch fünf Minderjährige.
  • Foto: PR-Foto Köhring
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Zu einem schweren sexuellen Übergriff kam es am Freitagabend, 5. Juli, gegen 22.15 Uhr an der Straße Eppinghofer Bruch. Aufmerksame Anwohner bemerkten die Unruhe ihres Hundes und schauten in ihrem Garten nach dem Rechten. Im Grünbereich hinter ihrem Garten bemerkten sie eine junge Frau, liegend in hilfloser Position, und zwei männliche Personen. Vermutlich aufgeschreckt von den Anwohnern, flüchteten die beiden über den parallel verlaufenden Radweg.

Von Regina Tempel und Daniel Henschke

Sofort setzten die Anwohner einen Notruf ab, so dass die Polizei innerhalb kurzer Zeit vor Ort war, darunter mehrere Streifenwagen sowie Beamte in Zivil und polizeiliche Hundeführer, und nach den beschriebenen Personen suchte.

An der Heißener Straße 86 entdeckten Beamte der Mülheimer Inspektion eine Gruppe Jugendlicher und Kinder, von denen bei einem die vorliegende Beschreibung passte. Nachdem sie die Gruppe gestellt hatten, verdichtete sich der Verdacht. Die drei männlichen vierzehnjährigen Jugendlichen und die zwei zwölfjährigen Kinder sind bulgarischer Nationalität und in Mülheim gemeldet.

Opfer wird von Polizei betreut 

Während die Polizei suchte, wurde die junge Frau, deren genaues Alter die Polizei aus Gründen des Opferschutzes nicht nennen oder bestätigen will, zunächst von den Anwohnern, dann von den Rettungskräften versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Inzwischen wurde sie entlassen und konnte erste Angaben machen. Die junge Frau wird auch weiterhin von der Polizei unterstützt und betreut.

Während die Eltern der Zwölfjährigen informiert wurden und ihre strafunmündigen Kinder von der Wache abholen konnten, wurde die drei Vierzehnjährigen zur Essener Polizeiwache gebracht, wo sie die Nacht in Zellen verbrachten und am nächsten Tag von Beamten der Kriminalpolizei verhört wurden. Alle fünf Jungen stammen aus Bulgarien. "Die Familien leben offenbar erst seit wenigen Jahren hier, sprechen untereinander aber türkisch", erklärt Polizeisprecher Peter Elke. Ob sie nicht nur bekannt, sondern auch verwandt sind, muss noch geklärt werden.

Spurenauswertung kann dauern

Eines kann Elke aber sagen: "Nach den Aussagen des Opfers und der Täter stehen die Jungen alle unter dringendem Tatverdacht. Differenzen zwischen den Aussagen müssen nun geklärt werden. Weil die Beamten so schnell vor Ort waren, konnten wir zahlreiche Spuren und Beweise sichern. Diese auszuwerten wird aber Tage, wenn nicht gar Wochen dauern. Dabei arbeiten wir eng mit der Stadt Mülheim und der Staatsanwaltschaft Duisburg, die nun ermittelt, zusammen."

Am Montagvormittag äußerten sich auch Oberbürgermeister Ulrich Scholten und der zuständige Sozialdezernent Marc Buchholz zu dem Fall. „Wenn man Parallelen ziehen möchte, könnte man sie ziehen zum Fall in Velbert, als ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigt wurde. Das soll keine Vorverurteilung sein. Aber es macht uns in Gänze betroffen, dass wir in Mülheim so etwas diskutieren müssen. Das ist jetzt auch eine große Aufgabe für meine Mitarbeiter. Da es zu meinem Aufgabenfeld dazugehört, stelle ich mich als Dezernent den Fragen und lasse mich da nicht etwa vertreten. Wir werden uns nicht an Spekulationen beteiligen. Wir machen das seriös. Bewiesen ist noch nichts", betont Buchholz.

Kontakte zu allen Familien

Man habe mit Polizei und Bezirksregierung gesprochen und sei nun dabei, den jetzt bekannten Namen die jeweiligen Schulen zuzuordnen. Das gebe die Datenbank nämlich nicht her. „Von den fünf möglichen Tätern sind meines Wissens vier aus Mülheim. Bei zwei Familien war das Jugendamt schon früher aktiv.“ Inwieweit Gleiches für die junge Frau gelte? „Wir untersuchen zurzeit, ob wir auch schon in der Familie des Opfers tätig waren. Wir wünschen der jungen Frau alles erdenklich Gute. Mein letzter Kenntnisstand ist, dass sie stationär aufgenommen wurde. Das macht mich persönlich sehr betroffen. Man mag sich das gar nicht vorstellen, wie das sein muss für die junge Frau und ihre Familie.“

Wichtig sei es, zeitnah mit der Polizei Rücksprache zu halten. Daher werde man sich am Dienstag treffen mit Polizei und Vertretern des Jugendamtes, um diesen Fall im Ablauf nachvollziehen zu können. Auch der Oberbürgermeister werde dazu stoßen. Ulrich Scholten stellt klar: „Vier der Tatverdächtigen sind in Mülheim gemeldet, beim fünften ist die Meldelage noch nicht klar, er stammt aber definitiv nicht aus Mülheim.“

Marc Buchholz betont: „Wir werden jetzt mit höchster Priorität alle notwendigen Informationen zusammentragen und die Situation klären.“ Er habe seine Leute gebeten, mit den Familien der fünf Tatverdächtigen Kontakt aufzunehmen, dasselbe gelte für die Familie der Geschädigten. Natürlich biete die Stadt da ihre Hilfe an: „Auch die Familien der möglichen Peiniger benötigen Hilfe, um damit umzugehen.“

Schulpflicht ausetzen

Es sei nicht der einzige Fall, der in den letzten Tagen Schlagzeilen gemacht habe: „Ich denke da auch an den Vorfall im Hotel auf Mallorca. Man muss sich fragen, welches Rollenbild junge Männer von Frauen haben.“ Zum konkreten Fall präzisiert er in seiner Funktion als Bildungsdezernent: „Wir würden empfehlen, dass für diese Woche die Schulpflicht ausgesetzt wird, um Druck aus der Situation zu nehmen.“ Da werde die Bezirksregierung seines Wissens auch zustimmen. Dann werde man die Ferien nutzen, um das Geschehene aufzuarbeiten: „Ich möchte, dass wir mit der Schulverwaltung Hilfe leisten in den Klassen.“

Udate um 20 Uhr:

Einer der drei 14-jährigen ist verhaftet worden. Mehr dazu lesen Sie hier.

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