Alte, ewig junge Liebe...

Die kleine, zierliche, alte Dame die so voller Fröhlichkeit das Putzen der Toiletten in diesem Hotel bei großen Festlichkeiten übernahm, als liege ihr persönlich am Herzen jedem einzelnen Besucher das Gefühl zu geben dass sie nur für ihn allein da sei, hat mich immer ganz eigenartig berührt.

Jeder liebte diese kleine 'Klo-Oma' wie sie liebevoll genannt wurde. Sie kannte jeden aus der Truppe die zu bestimmten Zeiten im Jahr hier aufzutreten pflegte. Man fühlte sich stets angenommen, denn sie hatte immer ein offenes Ohr für alle größeren und kleineren Kümmernisse und Sorgen. Ging es jemand nicht gut, hatte sie mit Sicherheit einen guten Rat, oder auch ein entsprechendes kleines Hilfsmittelchen parat.

Ich sehe sie deutlich vor mir so quicklebendig und flink wie sie war, dem zahnlosen nie still stehenden Mund, den lustig blitzenden blauen Augen, in denen auch im hohen Alter noch der Schalk lebendig war. Sie stand keine Sekunde still, ständig war sie in Bewegung, und was ich besonders rührend fand, ständig mit den Augen auf der Suche nach ihrem Mann der bei diesen Veranstaltungen auch immer noch einen Job im Haus erledigte. Er schaute überall nach dem Rechten, war ebenso aufgeschlossen war wie seine kleine quirlige Frau, aber doch eine Art Ruhepol.

Ein tolles Gespann waren diese beiden ohne die man sich keine Veranstaltung denken konnte. Wenn sie beieinander standen schaute sie mit ihren lebendigen, leuchtendblauen Augen hoch zu ihrem geliebten Otto, und man sah und spürte förmlich die große, innige, hingebungsvolle Liebe und Zärtlichkeit die zwischen beiden schwang. Sie waren eine harmonische Einheit, das spürte jeder in ihrer Nähe. Immer waren sie besorgt umeinander, suchten ihre gegenseitige Nähe und konnten nie lange ohne einander sein.
Sie trennten sich niemals ohne eine kleine Zärtlichkeit, einem Blick, oder einer flüchtigen Berührung, auch wenn es nur für ganz kurze Zeit war. Zufrieden und glücklich in dem Wissen dass es dem Partner gut ging setzten sie ihre Arbeit mit Freude und Stolz fort und einer Selbstverständlichkeit die jedem das Herz aufgehen ließ.

Über dem adretten schwarzen Kleid blitzte immer ein frisches, weißes Schürzchen das die kleine Oma eher wie ein blitzsauberes Zimmermädchen aus einer königlichen Suite aussehen ließ denn wie eine Toilettenfrau. So war sie auch für jeden der Besucher eine besondere Persönlichkeit, da sie ihre Arbeit mit großer Würde, entwaffnender Freundlichkeit und ungeheurer Ausstrahlung und Herzenswärme versah.

Es war Sylvester, die Stunde nahte da das alte Jahr verabschiedet werden und das neue begrüßt werden sollte. Unsere kleine Omi stand inmitten der jungen Mädchenschar, natürlich mit ihrem geliebten Otto an der Seite. Wie üblich wurden die letzten 10 Sekunden gezählt, ehe alle Menschen im Festsaal gemeinsam die Sektgläser erhoben, sich zuprosteten und das neue Jahr willkommen hießen.

Die festlich gekleideten Menschen im Saal, die in allerbester Stimmung und Feierlaune waren umarmten sich wo immer sie sich gerade in diesem Moment befanden. Sie tauschten Küsse, wünschten sich alles Gute für das beginnende Jahr, machten die Tanzfläche unsicher und genossen die Unbeschwertheit und Fröhlichkeit dieser Nacht in vollen Zügen.

Nichts aber hat mich mehr fasziniert und beeindruckt als zu erleben, wie diese beiden alten Menschen sich mit ihren faltigen, zittrigen, von der Arbeit des Lebens gekrümmten Händen umarmten, diese große uneingeschränkte, hingebungsvolle Liebe und Zärtlichkeit in den Augen wahrzunehmen die fast greifbar schien, und die Selbstverständlichkeit ihres innigen Kusses inmitten all der jungen Menschen. Jedes Fältchen ihrer Gesichter schien ihre große Harmonie zu spiegeln, die wunderbare Geschichte einer großen Lebensliebe zu erzählen. Die zahnlose, temperamentvolle Oma mit ihrem Otto war Liebe pur und zeigte sie offen aller Welt.

In diesem Moment habe ich mir gewünscht auch solch eine Liebe zu erleben, die sich bis ins Alter diese Tiefe und Zärtlichkeit bewahren würde, dass sie anstecken und spürbar würde für jeden im Umfeld.

Heute ist das eher selten,
aber es gibt sie diese unsterbliche Liebe -
auch heute noch!

Autor:

Evelyn Gossmann aus Mülheim an der Ruhr

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