21. Februar 1970: Umzug des Städtischen Museums in die Leineweberstraße 1
Kunst brauchte eine Heimat

Das städtische Museum mit seiner Kunstsammlung in den Räumen an der Leineweberstraße 1. Später war dort das Kino „Rio“ bis zum Umzug ins Medienhaus am Synagogenplatz 2009.
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  • Das städtische Museum mit seiner Kunstsammlung in den Räumen an der Leineweberstraße 1. Später war dort das Kino „Rio“ bis zum Umzug ins Medienhaus am Synagogenplatz 2009.
  • Foto: Quelle: Stadtarchiv Mülheim
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Als am 21. Februar 1970 der damalige Oberbürgermeister Heinz Hager das Städtische Museum in der Leineweberstraße 1 eröffnete, machte er in seiner Begrüßungsrede deutlich, dass die Kunst im Gesamtverständnis unseres Lebens unverzichtbar geworden sei und die Wiedereröffnung „nicht nur ein das kulturelle Leben bewegendes und belebendes, sondern auch ein dem Bedürfnis der Bürger entsprechendes Ereignis“ sei.

Von Annett Fercho, Stadtarchiv

Das 1909 eröffnete städtische Museum bestand aus der von Robert Rheinen zusammengetragenen heimatkundlichen Sammlung von Alltagsgegenständen wie Truhen, Lampen, Hausrat. Der an Geschichte Interessierte Rheinen war auch der Ideengeber und Initiator für das städtische Museum. Das zu dieser Zeit bei den Bürgern gestiegene Geschichtsbewusstsein war für die Einrichtung eines städtischen Museums eine wichtige Überlegung. Die allgegenwärtigen tiefgreifenden Veränderungen durch die Industrialisierung und der damit verbundenen Zuwanderung vertiefte die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“.

Robert Rheinen war aber auch ein Kunstliebhaber und so sammelte er beispielsweise Werke zeitgenössischer Düsseldorfer Künstler.

War das Museum zunächst in der Schollenstraße untergebracht, wechselte es später in die Vorstersche Villa. Das Museum war konzeptionell ein Heimat- und ein Kunstmuseum.
Das blieb auch unter seinem Nachfolger Dr. Werner Kruse so. 1922 übernahm er die geschichtlich/heimatkundliche und künstlerische Sammlung. Sie war inzwischen im Gebäude des ehemaligen Landratsamtes in der Teinerstraße beheimatet. Kruse erweiterte beide Sammlungen. Zum einen kamen vor- und frühgeschichtliche Funde hinzu, zum anderen künstlerische Arbeiten junger Mülheimer Maler und Bildhauer, die er auch förderte, so Otto Pankok, Werner Gilles, Heinrich Prüßmann oder Hermann Lickfeld.

Beim schwersten Bombenangriff auf Mülheim im Juni 1943 wurden 80 Prozent des Museumsbestandes zerstört und Opfer der Flammen. Dr. Werner Kruse versuchte zu retten, was zu retten war und konnte schließlich den übriggebliebenen Teil der Sammlung in der Stadtbücherei unterbringen. Nach dem Krieg setzte er sich bis zu seinem Ruhestand 1952 dafür ein, das ehemalige Wohnhaus Gerhard Tersteegens in der Altstadt wieder aufzubauen und als Museumsstandort zu nutzen. Allerdings reichten dort die räumlichen Kapazitäten nicht für die Präsentation der geschichtlich/heimatkundlichen und der Kunstsammlung aus.

So kam es zur räumlichen Trennung beider Museumsbereiche. Die heimatkundliche Sammlung zog in das Tersteegenhaus, die Kunstsammlung blieb zunächst in der Stadtbücherei. Dort gab es aber nur ein kleines Kunstkabinett. Deshalb bemühte sich auch Kruses Nachfolger, Dr. Werner Möhring, weiter um einen geeigneten Museumsstandort, wo ausreichend Platz vorhanden war, die Werke der Mülheimer Künstler, aber auch der inzwischen gewachsenen Sammlung deutscher Expressionisten, in Ausstellungen zeigen zu können. Ab 1960 konnte er dann fünf Räume für ständige Wechselausstellungen im Schloss Styrum nutzen. Obwohl er Büchereifachmann war und auch noch die VHS leitete, waren 80 Ausstellungen in neun Jahren, darunter mindestens zwei von überörtlicher Bedeutung, seine stolze Bilanz, trotz geringer Mittel. Er war es auch, der die Anregung zur Gründung eines Kunstvereins gab.

Ihm folgte 1962 Dr. Christel Denecke als Museumsleiterin. Auch sie baute die Sammlung weiter aus. Das Museum verfügte bei seinem Umzug in die Leineweberstraße 1 am 21. Februar 1970 über bedeutende Grafiken von Picasso, Chagall, Max Ernst und vielen anderen. Zu den Aufgaben der Museumleiterin gehörte aber auch noch immer die Betreuung der geschichtlich/heimatkundlichen Sammlung im Tersteegenhaus.

Inzwischen sind die verschiedenen Sammlungsbereiche nicht nur räumlich, sondern seit 2008 auch institutionell voneinander getrennt. Das Kunstmuseum mit eigenem künstlerischem Konzept ist seit 1994 im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Hauptpost untergebracht.
Die geschichtliche Sammlung erfuhr insbesondere durch die Ausgrabungen auf Schloss Broich in den 1960er Jahren eine Erweiterung. Diese und viele andere Ausstellungsstücke, die sich auf die Geschichte des Schlosses Broich beziehen, werden im Hochschloss präsentiert.

Der andere Teil der kulturgeschichtlichen Sammlung der Stadt Mülheim verblieb im Tersteegenhaus. Beide Museen sind inzwischen organisatorisch dem Stadtarchiv zugeordnet und werden vom Geschichtsverein Mülheim betreut.

Einen Überblick über alle Zeitzeichen mit weiterführenden Links findet man auch im Internet auf der Seite des Stadtarchivs: www.stadtarchiv-muelheim.de

Das städtische Museum mit seiner Kunstsammlung in den Räumen an der Leineweberstraße 1. Später war dort das Kino „Rio“ bis zum Umzug ins Medienhaus am Synagogenplatz 2009.
Autor:

Andrea Rosenthal aus Mülheim an der Ruhr

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