Drei syrische Tänzer tanzen ihre neue Freiheit und erzählen über Flucht, Angst und Liebe
Mein Geist ist beweglich, mein Körper nicht

Moufak Aldoabl tanzt Schmerz und Ankommen mit Intensität.
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  • Moufak Aldoabl tanzt Schmerz und Ankommen mit Intensität.
  • Foto: H.M.Westhofen
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Der Tänzer und Choreograph Nir de Volff zeigte am Freitag, 9. November, im Ringlokschuppen seine Berliner Produktion „Come as you are #2017“ mit drei syrischen Tänzern.

Die drei Tänzer Medhat Aldaabal (1993), Moufak Aldoabl (1994) und Amr Karkout (1985) kommen alle aus Syrien und sie vereint, dass sie als Show-Tänzer in Damaskus gearbeitet haben, dort geboren wurden. Alle drei Tänzer erreichten Berlin  auf unterschiedlichen Fluchtwegen und  zu unterschiedlichen Zeiten. Sie leben seit 2015 und 2017 (Amr Karkout) in Deutschland.

Konzept aus Monologen und Tanz

„Wir zeigen heute zu 95 Prozent improvisierten Tanz, zu 5 Prozent gibt es ein Konzept“, erklärt Amr Karkout vor Beginn. Das Konzept der Performance teilte sich auf in Monologe, die jeder einzelne Tänzer sprach und ihren Tanz, der entweder solistisch oder zu dritt stattfand.
Eindringlich erzählten die Tänzer von der strengen Tanzszene in Damaskus, in der ihre Körper es nicht lernten, sich frei zu bewegen. Was sie gelernt haben, ist das Gegenteil der freien Bewegung im Ausdruckstanz.

„Ballett, Ballett, Ballett“

, deklamieren sie satirisch ins Mikrofon.
Mit beeindruckender Leidenschaft erzählten und zeigten sie tanzend dem Publikum, wie hart der Kampf in der Berliner Tanzszene im Projekt „Come as you are #2017“ gegen den eigenen, erstarrten Tanzkörper ist und war. Als Tänzer in Deutschland (oder Europa) haben sie nur eine Chance auf Beschäftigung, wenn sie sich den Erfordernissen in der europäischen Tanzszene anpassen.

„Zeit, Zeit, Zeit – ich brauche Zeit“,

sagte Medhat Aldaabal immer wieder.

Langsam in die Freiheit tanzen

Ihr Körpergedächtnis stellte sich ihnen immer wieder in den Weg, denn was der Kopf versteht und umsetzen möchte, das muss sich jeder einzelne Muskel ganz neu erarbeiten und der verweigert sich oft. Es ist ein persönlicher Kampf gegen den eigenen Körper.
Es war berührend, mit welcher Intensität, Geschmeidigkeit und Kraft alle drei in ihren Erzählungen und im Tanz darstellten, wie sie nicht nur eine neue Kultur kennenlernen, eine neue Sprache aufnehmen und in einer ganz neuen, „berührungsfreundlichen“ Welt leben, die viele andere Regeln mit sich bringt.

Von welchen Fluchtängsten und realen Lebensängsten sie verfolgt werden,  wie sie sich langsam in die Freiheit getanzt haben.
„Seht uns als Menschen, nicht als Flüchtlinge. Wir sind Menschen und bereit, alles mit Euch zu teilen“. Es war eine Performance, die auf viele Arten besonders, berührend und gleichermaßen menschlich und tänzerisch beeindruckend war.

Moufak Aldoabl tanzt Schmerz und Ankommen mit Intensität.
Berührend und authentisch nahmen die drei Tänzer das Publikum mit auf die Reise von Syrien nach Berlin.

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