Das aktuelle Halbjahres-Programm des Mülheimer Kunstvereins ist ein Wegweiser raus der Corona-Lethargie
Neuer Kunstpreis setzt Zeichen

Der Mülheimer Kunstverein setzt Zeichen und Akzente. Voller Tatendrang und Vorfreude blicken Tania Terium, Edda Sloma, Sabine Falkenbach, Anja Bauer-Kersken und Gesine Schloßmacher (v.l.) in die Zukunft.
Foto: Reiner Terhorst
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„Eine lange Zeit der kulturellen Einschränkungen liegt hinter uns“, sagt Tania Terium, Vorsitzende des Mülheimer Kunstvereins, bei der Vorstellung des neuen Halbjahresprogramm. Jetzt blickt der Verein voller Tatendrang in die Zukunft. Neben den aktuellen Erlebnis-Angeboten soll ein neuer Kunstpreis den Künstlerinnen und Künstlern in unserer Stadt erhöhte Aufmerksamkeit bescheren und zusätzliche Perspektiven eröffnen.

Das Programm steht, zum Kunstpreis gibt es noch einige Detailfragen zu klären. Er wird den Namen des Anfang des Jahres verstorbenen langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstvereins, Hans-Jürgen Bolz, tragen und genau auf den Weg bringen, was ihm immer am Herzen lag, die Förderung junger Kunst in „seinem“ Mülheim. Alle zwei Jahre wird der Preis verliehen, die „Premieren-Ausschreibung“ im nächsten Jahr erfolgen.

Gestiftet wird der Preis von Tania Terium und ihrem Mann Peter, dem ehemaligen Inogy-Manager. Junge Kunst, so verrät sie, heißt, dass man Kunstschaffende unterstützen will, die jung an Jahren sind, aber altersunabhängig auch die, die am Anfang ihres künstlerischen Schaffens sind.

Ordentliche und
großzügige Summe

Auf Nachfrage der Mülheimer Woche meint Tania Terium, dass es sich „um eine ordentliche, großzügige Summe handelt, die da ausgelobt wird.“ Die finanzielle Förderung junger Kunst in Mülheim sei aber nur ein Aspekt des Hans-Jürgen-Bolz-Kunstpreises. Den jeweiligen Preisträgern wird auch eine eigene Ausstellung im Kunstmuseum der Stadt ermöglicht.

Der Vorstand des Kunstvereins wertet die Initiative seiner Vorsitzenden als Signal und Weckruf in einer Zeit, in der aufgrund der Corona-Einschränkungen vieles eingeschlafen ist. Als einen Weckruf und einen Wegweiser raus aus der Corona-Lethargie bezeichnet Sabine Falkenbach auch das aktuelle Halbjahres-Programm, das jetzt an der Start geht.

Stippvisiten und
Atelierbesuche

Die engagierte Kunstexpertin und Museumspädagogin bedauert zwar, dass es auch jetzt noch keine großen Busreisen zu auswärtigen Museen, Ausstellungen und Kultur-Zielen geben kann, hat aber den „gordischen Knoten der Einschränkungen“ zerschlagen, indem sie auf individuelle Anreiisen oder Zugfahrten setzt. Manche Angebote finden zudem fast vor der Haustüre statt. Die Mitglieder des Kunstvereins und weitere Interessierte können zwischen Stippvisiten, Atelierbesuchen, Künstlergesprächen und Ausstellungsfahrten wählen.

Der Startschuss erfolgt am Mittwoch, 13. Oktober. Dann geht es mit der Bahn nach Düsseldorf, wo im Kunstpalast die Ausstellung „Barock Modern“ besucht wird. Diese widmet sich mit rund 120 Gemälden, Skulpturen, Papierarbeiten und Glasobjekten der spannenden Frage nach dem Epochen übergreifenden Einfluss von Kunststilen. Sabine Falkenbach: „So wie die Gotik den Expressionismus beeinflusst hat, so hat auch der Barock Spuren in der Moderne hinterlassen. Also ist die Fahrt auch eine richtige Spurensuche.“

Beuys ist
allgegenwärtig

Nur wenige Tage später lockt die erste Stippvisite. Am Samstag, 16. Oktober, treffen sich die Teilnehmer am Duisburger Lehmbruck-Museum, um die Arbeiten des Mannes zu bestaunen, der wie kaum ein anderer in der Geschichte der Kunst für so einen nachhaltigen Umbruch gesorgt hat. Gemeint ist Joseph Beuys, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Nach Feiern ist dem Lehmbruck-Museum wohl dauerhaft zumute, denn Beuys hat einmal gesagt, dass iihn die Begegnung mit Lehmbrucks Werk überhaupt erst zur Kunst gebracht hat.

Ebenfalls noch im Oktober steht der erste Atelierbesuch auf dem Programm. An der Geberstraße gibt es am Mittwoch, 27. Oktober, einen Einblick in das Schaffen von Matthias Meyer, der mit seinen Werken in der Ausstellung „Farbe-Raum-Objekt“ zum 65-Jährigen Bestehen des Mülheimer Kunstvereins vertreten war. Am Donnerstag, 4. November, findet die viel beachtete Ausstellung, die von Mai bis Juli auf begeisterten Zuspruch im Museum Temporär und in der Galerie D'Hamé stieß, einen erneuten Nachhall. Dann steht der Atelierbesuch zu den Gemälden von Eberhard Ross auf dem Programm.

Viel Herzblut und
leuchtende Augen

Ausstellungsfahrten und Stippvisiten führen im November und Dezember noch zum ARP Museums Rolandseck und ins Duisburger MKM, dem Museum Küppersmühle für moderne Kunst. Sabine Falkenbachs Augen leuchten, wenn sie darüber berichtet. Überhaupt ist ihr wieder anzumerken, mit wieviel Herzblut sie auch in dieser anspruchsvollen Zeit an die Gestaltung des Programms gegangen ist.

Mentale und fachliche Unterstützung bekam und bekommt sie auch stets vom Mülheimer Kunstmuseum. „Und das immer gerne“, betont Anja Bauer-Kersken, die stellvertretende Leiterin des Kunstmuseums. Sie ist auch fest in das Programm des Kunstvereins eingebunden wird begleitend zur Jahresausstellung der Mülheimer Künstlerinnen und Künstler, die am 10. Oktober im Museum Temproär eröffnet wird, entsprechende „Künstler-Nachgespräche“ führen. Auch bei weiteren Führungen durch die Ausstellung und den „StadtKunstTouren“ ist sie an Bord.

INFORMATIONEN

Anmeldungen und weitere Infos zu Terminen, Uhrzeiten, weitere Inhalte, Treffpunkte und Kostenbeteiligungen erteilt Sabine Falkenbach unter Tel. 0173 / 9274987 oder per Mail an info@muelheimer-kunstverein.de. Das komplette Programm für das zweite Halbjahr dieses Jahres bis in den Januar gibt es auch unter www.muelheimer-kunstverein.de.

Der Mülheimer Kunstverein hat derzeit über 300 Mitglieder, würde sich aber über Zuwachs freuen, um den Stellenwert der Kunst in unserer Stadt zu stärken. Der jährliche Mitgliedsbeitrag liegt bei 35 Euro. 50 Euro zahlen Ehepaare, Schüler, Studierende und Auszubildende fünf Euro. Künstler sind mit zehn Euro dabei.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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