Was denkt ein St. Martin Pferd? Ein Interview klärt auf.
Paddy, das St. Martinspferd: Ich bin ein Naturtalent!

Paddy, der erfahrene Martinszug-Läufer, ist ein Tinker Pferd mit einem robusten Körperbau, ausgeglichen und sie binden sich gerne an Menschen.
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  • Paddy, der erfahrene Martinszug-Läufer, ist ein Tinker Pferd mit einem robusten Körperbau, ausgeglichen und sie binden sich gerne an Menschen.
  • Foto: Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen
  • hochgeladen von Heike Marie Westhofen

In dieser Woche erreichte uns Post aus dem Bistum Essen. Aus der Abteilung Kommunikaton erhielten wir ein nettes Interview mit Paddy, einem Tinker Wallach, der schon lange im St. Martinszug mitläuft. In der gedruckten Ausgabe der MW haben wir dafür keinen Platz. Aber wir wollten das Pferd "nicht unter den Tisch fallen" lassen. Darum darf Paddy jetzt an dieser Stelle aufgaloppieren:


Tinker-Wallach Paddy mag Malzbier nach dem Martinszug

Ein Interview mit einem erfahrenen Mülheimer Martinspferd offenbart ungewohnte Einblicke ins Leben der wahren Stars beim Laternenzug.
Paddy ist 19 Jahre alt und vielleicht einer der größten Martins-Fans in Mülheim. Ganz sicher weiß man das nicht, aber so ruhig und gut gelaunt, wie der Tinker-Wallach jedes Mal mit seiner Martina die Laternenzüge anführt, ist Besitzerin Milana Stovermann überzeugt: „Paddy mag Martin!“ Im Interview offenbart Paddy – mit Milanas Übersetzungshilfe – ungewohnte Einblicke ins Leben eines Martinspferds.
Na Paddy, schon nervös vor dem Start der neuen Martins-Saison?
Ach, wieso das denn – ich mache das jetzt schon seit neun Jahren. Da kriegt man Routine.
Wird das denn nicht langweilig: jedes Jahr wieder „Laterne, Laterne“ und „rabimmel, rabammel, rabumm“?
Die Musik ist mir egal, mitsingen kann ich ja eh nicht. Viel wichtiger ist, dass St. Martin jedes Jahr mächtig Abwechslung in mein Leben bringt. Endlich komme ich mal wieder raus. Außerdem bin ich hier im Stall Storb das einzige Martinspferd – was meinen Sie, was die Kollegen da gucken, wenn ich erst mal wieder vorbereitet werde.
Vorbereitet? Wir dachten, der Darsteller des Martin – oder bei Ihnen eben „Martina“ – müssten sich vorbereiten und verkleiden.
Ach, verglichen mit mir ist das bei den Reitern doch Kleinkrams: Helm, Mantel, Schwert – fertig. Mir spendieren meine Leute vor dem ersten Martinszug dagegen immer ein richtiges Wellness-Programm: Waschen, Schäumen, Trocknen sozusagen. Mit unserem dicken Schweif und unserem üppigen Behang an den Fesseln legen wir Tinker-Pferde ja ohnehin mehr Wert aufs Äußere als mancher Artgenosse …
Ach so ist das bei Ihnen. Na, da geht es Ihnen heute sicher besser als dem Pferd, das der römische Offizier Martin seinerzeit geritten hat.
Vielleicht. Aber euch Menschen geht’s ja heute auch besser als euren Kollegen im vierten Jahrhundert. Ich glaube aber, dass sich Martin sehr gut um sein Pferd gekümmert hat. Wer seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilt, dem liegt doch auch sein Pferd am Herzen.
Schauen wir noch einmal auf Ihre Martins-Aktivitäten. Haben Sie als Martins-Pferd eigentlich eine besondere Ausbildung bekommen?
Wieso das denn? Ich bin ein Naturtalent! Gemütlich im Schritt durch die Gegend laufen und ein freundliches Gesicht machen, das konnte ich schon immer.
Aber es heißt doch, die vielen Menschen mit ihren Fackeln und Laternen und die Martinsfeuer, die machten die Pferde nervös.
Von Feuer halte ich mich fern. Ihr Menschen könnt ja einfach die Augen zumachen, wenn die Funken fliegen – so einfach zwinkern können wir Pferde nicht. Und außerdem: Wenn sich nach einem schönen Martinszug alle noch einmal versammeln, um das Feuer anzuschauen – und mich, das Martinspferd, na was meinen Sie, wer da der wahre Star ist.
So ein schönes großes Feuer ist eine tolle Sache!
Schon, aber das kann man nicht streicheln. Wenn ich nach dem Martinszug zwischen den Leuten stehe, sind alle Augen auf mich gerichtet – und dann beginnt das große Knuddeln. Paddy hier, Paddy da, überall werde ich gestreichelt. Und das ist ehrlich gesagt ziemlich wundervoll. Das ist mein persönliches Martinszug-Highlight!
Auf wie vielen Zügen sind Sie eigentlich unterwegs?
In diesem Jahr sind es drei. Das ist schön gemächlich: Der Zug in Mülheim-Saarn, ein kleiner Zug bei der Kita „Wurzelzwerge“ – und ein richtig großer Zug an der Ripshorster Straße in Oberhausen.
Und da lotst Sie überall Ihr Martin, pardon: Ihre Martina durch?
Wie man’s nimmt – vor allem trage ich die Martina sicher durch die Menge! Aber hinter mir passt Milana auf, dass mir keines der Kinder zu nahe kommt. Das mag ich nämlich gar nicht, ich hab schließlich keinen Rückspiegel wie ihr bei euren Autos. Manche Pferde sind beim Martinszug auch nervös, aber ich in da eher der chillige Zeitgenosse.
Gut, das haben wir ja schon mitbekommen. Gibt’s denn nach dem Martinszug neben der ganzen Streichelei auch noch eine handfeste Belohnung? Mit Brezel oder Glühwein braucht man Ihnen ja wohl nicht zu kommen …
Nee, das gibt nur Bauchschmerzen. Beim Martinszug der Kita bringen die Erzieherinnen extra einen Bund Möhren mit. Das ist toll. Ansonsten wissen aber meine Leute, womit man mich nach einem anstrengenden Martinszug wieder so richtig munter macht: Malzbier in einer schönen großen Schüssel – das gönn‘ ich mir nach so einem Auftritt!
Na dann mal Prost! Vielen Dank für das Gespräch – und eine kuschelige Martinszug-Saison. (thomas rünker)

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