Kirche und Schule
Schüler nehmen den Bischof in die Mangel

Bischo Franz-Josef-Overbeck beantwortet im Karl-Ziegler-Gymnasium die Fragen der Schüler - und stellt auch selbst welche.
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  • Bischo Franz-Josef-Overbeck beantwortet im Karl-Ziegler-Gymnasium die Fragen der Schüler - und stellt auch selbst welche.
  • Foto: Oliver Müller | Bistum Essen
  • hochgeladen von Marcel Dronia

Warum dürfen Frauen kein Priesteramt ausführen? Wie geht die Kirche mit den Missbrauchsfällen um und wie gedenkt sie, wieder mehr Jugendliche für sich zu gewinnen? Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck besuchte die Karl-Ziegler-Schule und wurde von den Gymnasiasten ganz schön in die Mangel genommen.

"Weißt du, ob der Papst schon da ist?", fragte ein Schüler beim Gang über den Schulhof seinen Kumpel. Nein, das Oberhaupt der katholischen Kirche war es nicht, der am Montagmorgen die Mülheimer Karl-Ziegler-Schule, er schickte seinen Ruhrgebietsvertreter, den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Der hatte einige Mülheimer Schüler schon bei mehreren Veranstaltungen in Essen und Gelsenkirchen getroffen und trat nun den Gegenbesuch an. "Ich führe seit Jahren den Dialog mit der Jugend und Schulen sind dabei ein wichtiger Ort", sagt Overbeck. Die Auswirkung solcher Veranstaltungen schätzt er realistisch ein: "Man darf keine Wunder von jetzt auf gleich erwarten", sagt der Bischof. An der Karl-Ziegler-schule initiierte Religionslehrer Christoph Mengede die Aktion. Er erklärt: "Wir versuchen Schüler mit Kirche und Gemeinde zusammenzubringen."

Bei einigen seiner Schützlinge hat das offenbar schon gut funktioniert. Johanna Eisenkopf zum Beispiel ist mittlerweile Messdienerleiterin und hat schon ihre eigene Kommuniongruppe. "Man lernt dabei, wie man mit anderen Menschen umgeht und wie man Verantwortung übernimmt", lobt der Bischof. Er akzeptiert aber auch die Haltung anderer Schüler, die gestanden, dass sie höchstens an Ostern und Weihnachten in die Kirche gehen. "Das heißt ja nicht, dass ich weniger glaube", erklärt Emilia Dally.

Overbeck setzt auch auf eine gewisse Eigenständigkeit der Jugendlichen, wenn es darum geht, sie mehr für die Kirche zu begeistern. "Wir können nicht 1000 Angebote schaffen, Jugendliche müssen sich auch selbst entscheiden", sagt er - und fügt etwas flapsig hinzu: "Wenn ihr alle kommen würdet, bräuchten wir keine Kirchen zu schließen." Das Bistum sieht er im Internet gut aufgestellt, außerdem versuche man immer wieder mit Leuten in Kontakt zu kommen, "die sonst keinen Kontakt mit uns hätten."

Besonders spannend finden die Schüler und vor allem Schülerinnen aber die Frage, weshalb Frauen noch immer kein Priesteramt ausführen dürfen. "Muss sich die Kirche nicht auch weiterentwickeln", fragt jemand. Overbeck begründet das mit der 2000 Jahre alten Geschichte der Kirche. "Die evangelische Kirche hat sich eben anders entschieden", sagt er. Auch käönne er verstehen, dass es für junge Menschen zum Teil unlogisch wirkt. "Ich frage mich auch, ob die Begründung auf Dauer stimmt."

"Ehe als Partnerschaft zwischen Mann und Frau"

Als Bischof muss er aber freilich auch die Meinung der Kirche vertreten - und die ist bekanntermaßen bisweilen konservativ. "Wir glauben an die Ehe als Partnerschaft zwischen Mann und Frau", sagt Overbeck, auf seine Meinung zur gleichgeschlechtlichen Ehe angesprochen. Auch das Zöllibat hält er nach wie vor für eine "sinnvolle Lebensart". Der Argumentation, dass ein Zöllibat auch den Missbrauch fördern würde, kann er nicht folgen. "Die Leute waren sexuell unreif, außerdem haben sie ihre Machtstellung ausgenutzt", sagt der Bischof. In allen Fällen habe das Bistum mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet. "Es ist auch niemand wieder in den normalen Dienst gekommen", berichtet er.

Jens Schuhknecht, Mitglied der erweiterten Schulleitung, beendete den Vormittag: "Es waren tolle Fragen dabei und eine Aufmerksamkeit, die ich mir manchmal im Unterricht wünschen würde."

Autor:

Marcel Dronia aus Mülheim an der Ruhr

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