Eine Diskussion über Mülheims Kunstwerke auf Plätzen und Grünflächen
Was hat denn der Hajek Brunnen mit mir zu tun?

Angeregt diskutierten sie die vielfältigen Probleme der öffentlichen Kunst in der Stadt (v.l): Daniela Grobe, Kunstpatin und Sprecherin der Grünen, Ralf Raßloff, Fotokünstler, der alle öffentlichen Kunstwerke fotografierte, Georg Elben, Museumsdirektor Marl, Steffen Tost, Moderator, Beate Reese, Direktorin des Kunstmuseums Alte Post.
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  • Angeregt diskutierten sie die vielfältigen Probleme der öffentlichen Kunst in der Stadt (v.l): Daniela Grobe, Kunstpatin und Sprecherin der Grünen, Ralf Raßloff, Fotokünstler, der alle öffentlichen Kunstwerke fotografierte, Georg Elben, Museumsdirektor Marl, Steffen Tost, Moderator, Beate Reese, Direktorin des Kunstmuseums Alte Post.
  • Foto: H.M.Westhofen
  • hochgeladen von Heike Marie Westhofen

Herausfordernd eröffnete Steffen Tost, Moderator und Redakteur der NRZ, die Podiumsdiskussion zur öffentlichen Kunst im Museum Temporär auf der Schlossstraße: "Es gibt drei Begriffe, die den Zustand der öffentlich zugänglichen Kunstwerke in der Stadt schildern. Sie heißen 'versteckt, vernachlässigt, verfremdet'. Die Mülheimer scheinen kein Liebesverhältnis mit ihrer Kunst zu haben. Woran liegt das?"

Reichlich Diskussionsstoff bot sich also am 7. Februar, denn an diesem Abend wurde über den Zustand der Brunnen, Skulpturen, Kunst an Fassaden und in Schulen diskutiert. Eingeladen hatte dazu Beate Reese, Kunstmuseumsdirektorin. Sie holte sich kompetente Gesprächspartner an die Seite und schaute über die Grenzen Mülheims hinaus bis nach Marl: So saßen Georg Elben, Direktor des Skulpturenmuseums Glaskasten in MarlFelix Blasch, Leiter des Stadtplanungsamtes, Daniela Grobe, Kulturpolitische Sprecherin der Grünen und Ralf Raßloff, Fotokünstler, mit im Diskutantenkreis.
An die 40 kunstinteressierten Bürger waren gekommen, um teilzunehmen.


Viele Probleme - wenig Lösungen


Vielfältige Probleme wurden angesprochen, auf die es keine schnellen Antworten gab: Es fehlt -  wie immer - vor allem an

  • Geld im maroden städtischen Haushalt.
  • Die Stadt und ihre Räume verändern sich durch Großprojekte und Bautätigkeit.
  • Brunnen und Skulpturen, die vor Jahrzehnten sinnvoll plaziert wurden, verlieren durch baulich veränderte Plätze ihre Wirkung.
  • Skulpturen verwittern unbeachtet, wuchern zu, werden mutwillig zerstört und müssen restauriert werden.
  • Kunst ist erklärungsbedürftig, denn man sieht nur, was man weiß.

All das sind Probleme, die Beate Reese mit gerade mal 20.000 Euro Jahresetat bewältigen soll. Das ist eine stetige, unlösbare Herausforderung für sie. Doch das größte Problem scheint zu sein, dass es keine starke Lobby für die Mülheimer Kunst gibt. Es reicht nicht, wenn sich eine Handvoll Kulturschaffender bemüht zu retten, was zu retten ist: Mangelverwaltung nennt man das.

Innovative Ideen kommen aus Marl

Spannendes hat Georg Elben von den Marlern und ihrem Verhältnis zur öffentlichen Kunst zu erzählen. Die Marler sind stolz auf ihre 50 Skulpturen, die von ihnen geliebt werden. Sein Rezept klingt so einfach, wie es tatsächlich manchmal sein kann:

" Es liegt nicht nur am fehlenden Etat! Für Kunst in der Stadt kann sich auch die Politik entscheiden".
Georg Elben

Kunst kann einer Stadt ein unverwechselbares Gesicht geben. Eine Identität. Sie kann ein lästiger Budgetposten im städtischen Haushalt sein - doch Kunstwerke können auch stolz machen, wenn sie die öffentliche Wertschätzung der Politiker in Reden und Taten bekommen. Eine positivere Haltung der Stadtspitze könnte die Bürger wacher machen, interessieren und Kunst erst mal in das Bewusstsein holen.

Öffentliche Kunst muss inszeniert werden

"Kunstwerke müssen inszeniert werden", meint Beate Reese, "damit sie wahrgenommen werden". Zuerst gilt es, die Bürger sensibler zu machen, von welchen Kulturschätzen sie umgeben sind und was diese mit ihrem Leben, mit ihnen zu tun hat.
"Es ist nicht allein das fehlende Geld, sondern die fehlende mutige Entscheidung zur Kunst der verantwortlicher Personen der Stadt", meint Elben.

Kunst braucht Werbung und ein klares "Ja" der Bevölkerung

Marl macht es vor, wie es gehen kann: Eine klares "Ja" der Politik und der Bürger zur Kunst, viel Werbung für und Erläuterungen zu den Kunstwerken über lange Zeit. Das Stiefkind "Skulptur" wuchs in Marl über viele Jahre mit einem schlüssigen Konzept zu einem unverwechselbaren Stadtgesicht heran, dass Kunstinteressierte aus weitem Umkreis anzieht und Mäzene dazu bringt, sich finanziell für die Marler Kunst zu engagieren. Denn auch Marl hat einen sehr kleinen Etat für die Kulturschaffenden, der auf diese Art entlastet wird.

Augen auf und wahrnehmen

Wie kann das gelingen, die Kunst auf den Mülheimer Plätzen und Grünflächen in die Köpfe der Bürger und Politiker zu rücken? Nur mit vereinten Bemühungen des Kunstmuseums, in dem immer wieder mit interessanten Veranstaltungen, mit Stadtkunstführungen, mit Informationen für die Kunst geworben wird. Die örtliche Presse ist gefragt, öffentliche Kunst darzustellen und zum Thema zu machen. Kunstpaten können geworben werden, die sich um ein Kunstwerk mit Aufmerksamkeit oder Finanzen bemühen. Das Kunstmuseum, die Politik und die Medien müssten zusammenarbeiten, um die Wahrnehmung für die Kunstschätze in der Stadt zu schärfen und die Bürger mit ihrem Kunstraum innerlich zu verbinden. Und so endete diese interessante und lebhafte Diskussion mit etlichen Impulsen, wie es gehen könnte. Eine davon ist, ein Kunstwerk mit einem Event für alle Bürger angemessen zu feiern und zu würdigen. Das wäre doch ein guter Anfang!

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