Bericht über die weihnachtliche Veranstaltung vom 07.12.2018 im Medienhaus
"Zauber der Weihnacht-eine weihnachtliche Lesung, verbunden mit klassischer Musik und einem fabelhaften Zauberkünstler"

Dagmar Schenda
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Weihnachtslesebühne „Zauber der Weihnacht-eine weihnachtliche Lesung, verbunden mit klassischer Musik und einem fabelhaften Zauberer“ am 07.12.18

Dieser von Manfred Wrobel und Dr. Martin Freund ins Leben gerufene vorweihnachtliche Abend, der in Kooperation mit der Stadtbibliothek im Medienhaus veranstaltet wurde, passte von den äußeren Bedingungen her wunderbar in die Jahreszeit. Es war schon gegen 16:30 Uhr stockdüster und der Regen prasselte ununterbrochen. Wie schön, sich in den gastlichen Räumen des Medienhauses, die mit hervorragender Bühnenausstattung aufwarteten, im Trockenen körperlich und auch geistig aufwärmen zu können. Das Thema „Zauber der Weihnacht“ wurde an diesem Abend sehr vielfältig gestreift.
Den Beginn übernahm Manfred Wrobel selbst, der die zahlreichen Gäste begrüßte und zwei Gedichte sowie eine bewegende Weihnachtsgeschichte aus seinem dienstlichen Erleben bei der Polizei mit Obdachlosen in Düsseldorf mit dem Titel „Heiligabend 1981“ vortrug. Für die leider abwesende Evelyn Goßmann las Manfred eine Kurzgeschichte vor, in der betont wurde, dass die Ankunft des Christkindes so etwas wie Himmelsmedizin ist.

Im fliegenden Wechsel übernahm Peter Roßkothen reibungslos die weitere Moderation dieser vorweihnachtlichen Freitagabendveranstaltung; wie immer locker, gekonnt und flexibel.

Seit 31 Jahren tritt der Gedankenleser und internationale Zauberer mit dem klangvollen Namen „Dr. Martin Freund“ bereits auf und besuchte an diesem Abend die Lesebühne nicht zum ersten und hoffentlich auch nicht zum letzten Mal. Seine spannenden Experimente mit einer wahllos aus dem Publikum gewählten Assistentin (Vorname Petra) gelangen alle auf Anhieb und so überzeugend, dass man sich, wie immer bei Live-auftretenden Zauberkünstler fragt, „wie sie das denn machen ? “, zumal man Taschenspielertricks und doppelten Boden ausschließen konnte.

Es folgte, für mich eines der Highlights dieser Veranstaltung, nämlich das anerkanntermaßen beste Nachwuchs-Gitarrenquartett aus NRW, das sich den Namen „Rheinsaiten“ gibt: Nicola Yasmin Stock, Luke Pan, Niklas Halm und Daniel März. Ein sehr junges, bereits hochdekoriertes Quartett, das schon international unterwegs ist und Ambitionen hat. Das Quartett startete mit einer Interpretation von Buck Wolters „Friday Morning Budapest“ (1997). Dieses Stück ist dem Budapester Gitarren Orchester (BIG) gewidmet, wobei sich der Titel der Komposition auf den wöchentlichen Probentermin des Orchesters am Freitagmorgen um 10.00 Uhr bezieht. Die vielschichtige Kultur und Historie Budapests findet sich in dem Werk wieder, was sowohl harmonische und gefällige, als auch kontrastreiche, an Dissonanzen erinnernde Jazzelemente enthält. Dieses Stück ist ein Geheimtipp für Musikinteressierte.
Auch der anschließende Beitrag, ein Tango (Comme un tango) von Patrick Roux, wies hohe Schwierigkeitsgrade auf, weil das Stück den klassischen Tangopfad nur selten betritt und eher improvisierend agiert.

Eigentlich für Streichquartett geschrieben ist der Titel „Introduktion und Fandango“ von Luigi Boccherini. Auch diese Interpretation des Quartetts kann als durchaus gelungen bezeichnet werden und war m. E. das handwerklich wohl beste Stück des Abends.

Der zweite Block der Rheinsaiten hatte die Carmen Suite von George Bizet zum Thema und kam beim Publikum besonders gut an. Einerseits weil alles nahezu perfekt vorgetragen wurde und andererseits, weil die sicherlich vielen bekannten Melodien zum Mitmachen (rhythmische Bewegungen usw.) verlockten.

Wie immer, trug Christiane Rühmann sehr temperamentvoll und lebendig vor. In die Lesung mehrerer ihrer gereimten Gedichte bettete sie eine Story über unnütze Weihnachtsgeschenke und eine wirklich rührende Geschichte über Lexi (Alexandra) ein. Bei der Tochter aus einfachen Verhältnissen wird eine seltene Stoffwechselerkrankung festgestellt, die unbehandelt zum Tod führt. Nur in den USA gibt es eine Behandlungsmöglichkeit, deren Kosten von genau 50.000 € aber keine Krankenkasse trägt. Die Zeit der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung findet zu Weihnachten jedoch ein gutes Ende, da exakt 46.855 € über Spenden zusammenkommen und der Rest (3.155 €) vom mitfühlenden Chefarzt aufgebracht wird.

Der Mülheimer Autor und Künstler Rolf Blessing las an diesem Abend aus seiner Lyrik und darüber hinaus zwei Kurzgeschichten. Eine Geschichte stellte die Sicht eines Hundes dar, der mit seinen Lieben den Heiligen Abend verbringt. Der Autor verstand es sehr realistisch und lebhaft, unter Berücksichtigung menschlicher und auch tierlicher Empfindung, dies dem Auditorium interessant zu vermitteln.
In seiner weiteren Kurzgeschichte „Die Tannenbaumtruhe“ wurde es auch geschichtlich. Rolf Blessing beschrieb den Weg, der 280 Jahre alten Truhe, die 10 Generationen und 280 Weihnachtsfeste überlebt hat.
Zwei Weltkriege, die Kaiserzeit, den Franzosenkrieg 1870/1871, die deutsche Revolution 1848, die Regierungszeit von Bonaparte und die Französische Revolution hat diese Truhe überstanden.
Nach vielen weiteren Wegen wird sie nun als Weihnachtsbaumtruhe verwendet. Ein bis in die Höhe der Decke reichender Weihnachtsbaum, das Licht seiner Kerzen geben der Truhe heute den nötigen Respekt.
© Manfred Wrobel

Was machen Vampire so am Heiligabend? Dieser Frage ist die als „Vampirexpertin“ bereits vielen bekannte Dagmar Schenda aus Mülheim an der Ruhr mit ihrer sprachlich sehr gekonnten Lesung nachgegangen. Die wiederum ganz in „Schwarz“ gekleidete Künstlerin begeisterte das Publikum mit einem Auszug aus „Warten aufs Festmahl“ in bewährter Manier. Die Geschichte dreht sich um ein Tete á Tete zwischen Vampiren am für sie eher trostlosen Heiligabend. Die aufkommende Erotik, bei der sich das Paar zunächst mit etwas „Kühlschrankblut“ begnügen muss, erscheint sehr vielversprechend, wird jedoch leider unterbrochen, da sich dann doch noch ein Frischblut-Opfer ankündigt.

Gabriele Pluskota, ebenfalls keine Unbekannte bei Veranstaltungen der Lesebühne, hatte eine chaotische, absurde Weihnachtsgeschichte mit einem vom Dach gefallenen toten Nikolausweihnachtsmann zu bieten. Während sich die weibliche Hauptperson anfangs noch über das Blink-Blink-Fieber ihres Nachbarn amüsiert, nehmen die Ereignisse mit einem gewissen Beschleunigungsfaktor ihren Lauf. Die dynamische aber unübersichtliche Handlung nimmt immer mehr Fahrt auf und gipfelt schließlich in einem winterlichen Riesenfest im Vorgarten. Ob dies alles nur ein Traum war, bleibt offen.

Fazit: fast alle Gäste wären gerne, nicht nur wegen des draußen herrschenden schrecklichen Wetters, noch länger geblieben.

Rolf Blessing 10.12.2018

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