Künstlerin Ursula Hirsch und Musikerin Liana Leßmann mit dem Ruhrpreis geehrt
Zwei starke Frauen

Die Ruhrpreisträgerinnen Ursula Hirsch und Liana Leßmann mit Oberbürgermeister Ulrich Scholten und Sparkassen-Vorstand Martin Weck. 
Foto: Walter Schernstein
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Beim Ruhrpreis der Stadt Mülheim für Kunst und Wissenschaft wurden die Künstlerin Ursula Hirsch mit dem Hauptpreis und die Musikerin Liana Leßmann mit dem Förderpreis geehrt.

Sparkassen-Vorstand Martin Weck gehört der Jury an und lud ein zur feierlichen Verleihung in die große Kundenhalle am Berliner Platz. Musikalisch eröffneten die Gitarristen Jochen Jasper und Bernhard Fuchs die Feierstunde. Sie hatten Stücke aus der Kindheit der 90-jährigen Künstlerin Ursula Hirsch im Gepäck. Songs von Cole Porter und Irving Berlin, dessen „Puttin’ on the Ritz“ im Jahr 1929 veröffentlicht wurde. Oberbürgermeister Ulrich Scholten begrüßte Gäste aus Kunst, Musik, Politik und Stadtgesellschaft: „Der Ruhrpreis ist einer der renommiertesten Preise unser Stadt und gilt auch außerhalb Mülheims. Der Ruhrpreis würdigt verdiente Leistungen und ermuntert aufblitzende Talente. Die Jury zeigt hier ein sicheres Gespür.“ Scholten lobte die Hauptpreisträgerin für ihr Schaffen: „Bei Ursula Hirsch gilt es ein Werk auszuzeichnen, das über 60 Jahre umfasst. Mit vielen Facetten wie den intensiv leuchtenden Farben ihrer Glasfenster und ihren Gemälden, Zeichnungen, Reliefs, Collagen und Grafiken.“ Nun wandte sich das Stadtoberhaupt direkt an die betagte Künstlerin: „Sie beweisen, dass Alter ein eigener Entwicklungsplan ist. Mit Chancen und Möglichkeiten.“

Eine Farblichtmalerin

In ihrer Laudatio verwies die Direktorin des Kunstmuseums Beate Reese auf die Anfänge: „Ursula Hirsch wurde hineingeboren in eine krisenhafte Zeit, war auf der Schulbank ungeschützt der Ideologie der NS-Zeit ausgesetzt. Nach ihren Lehrjahren bei einem Glasmaler in Bonn wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Und das in den 1950er Jahren.“ Farblichtmalerei. Keine Form der Malerei verfügt über so große Leuchtkraft. Mit ihrer Glasmalerei behauptete diese junge Frau sich in einer Männerdomäne: Marc Chagall, Henri Matisse, Joan Miro und Gerhard Richter. Als freischaffende Künstlerin ohne Netz und doppelten Boden schuf sie mit Disziplin, geistiger Beweglichkeit und ihrem eigenen Sinn für Humor Glasfenster und rund 2.000 freie Arbeiten, Beate Reese nannte exquisite Beispiele: „Herausragend das Fenster der Katharinenschule in Speldorf. Der vollkommene Kreis als Symbol für die Einheit einer Gemeinschaft.“ Die Kreuzwegstationen in der Klosterkirche Saarn sind ein Bruch mit gängigen Darstellungsgewohnheiten: „Die Figuren wirken schemenhaft, der qualvolle Weg zur Kreuzigung scheint fast unmerklich zu geschehen.“ Ursula Hirsch sei eine Frau, der Freiheit sehr viel bedeute: „Trotz zahlreicher Widerstände ist ihr ein Leben in Selbstbestimmtheit gelungen.“ Ursula Hirsch ist auch beteiligt an der 78. Jahresausstellung Mülheimer Künstler im provisorisch eingerichteten Museum Temporär unter dem Motto „Das Kleine“. Die über 80 Exponate durften maximal die Größe DIN A4 haben und können noch bis zum 29. Januar in der Schloßstraße 30 bewundert werden.

Eine große Begabung

Die Trägerin des Förderpreises Liana Leßmann spielte bereits unter Dirigenten wie Sir Simon Rattle und Zubin Mehta. Sie begann ihre musikalische Karriere im Alter von sechs Jahren. Da sie schon früh in einem Orchester mitspielen wollte, wechselte sie von der Blockflöte zum Orchesterinstrument Klarinette, weiß Ulrich Scholten: „Bereits bei der jungen Schülerin an der Mülheimer Musikschule war zu erkennen, dass sie mit einer außerordentlichen Tonvorstellung und großem Gestaltungswillen gesegnet ist. Mit 16 Jahren wurde sie Jungstudentin an der Folkwang Universität der Künste.“ Als Stipendiatin der Karajan-Akademie darf die 25-Jährige in Konzerten der Berliner Philharmoniker mitwirken. Laudator Patrick Hagen ist Lehrer an der Musikschule und unterstrich die Bedeutung der Ehrung: „Der Förderpreis ist ein Zeichen. Mach weiter so! Oben sein ist gut. Oben bleiben ist das Gebot.“ Er lobte ihre Art, Stücke zu gestalten und die Fähigkeit zum Zusammenspiel: „Aber dieses Format zu halten, ist so eine Sache. Üben ist streng. Bei fünf Stunden Üben täglich hast du jetzt schon so 18.000 Stunden auf dem Tacho. Da werden noch ein paar dazukommen.“ Musikerleben pendeln halt zwischen dem Glanz der Aufführung und dem Elend des Übens: „Die musikalische Vielfalt muss durch permanenten Willen unterstützt werden.“

Dankesworte

Nachdem über sie gesprochen wurde, betrat Liana Leßmann die Bühne und ließ ihr Instrument sprechen. Von Emi Munakata am Piano begleitet, zauberte die Musikerin das einen Monat vor Mozarts Tod entstandene Klarinettenkonzert herbei. Der zweite Satz ist wundervoll, doch seit dem kitschigen Kinomelodram „Jenseits von Afrika“ ein wenig desavouiert. Aber Liana Leßmann spielte einfühlsam, aber ohne jegliches Talmi, hauchzart und doch präzise. Eine große Könnerin am Werk. Anrührend die sich anschließende Szene, als Ursula Hirsch spontan aufsprang und die so viel jüngeren Musikerinnen herzte. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt erzählte Ursula Hirsch, wie sie 1970 mit ihrem Mann Werner Graeff aus Essen gekommen sei: „Wir wurden liebevoll aufgenommen. Ich freue mich sehr, hier in Mülheim sein zu dürfen.“ Liana Leßmann gab zu: „Als der Anruf kam, habe ich mich so unheimlich gefreut. Ich bin unendlich dankbar für diese überraschende Ehrung. Ich hoffe, meine Musik kann ein wenig zurückgeben.“

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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