SPD-Mitglieder informierten sich im Saarner Flüchtlingsdorf
Bewohnerzahl im Flüchtlingsdorf sinkt - mit Video

Die Besuchergruppe wurde von Stefanie Dietz vom Malteserwerk (rechts) durch das Dorf geführt.
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  • Die Besuchergruppe wurde von Stefanie Dietz vom Malteserwerk (rechts) durch das Dorf geführt.
  • Foto: PR-Foto Köhring/TW
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Es ist ruhig geworden im Flüchtlingsdorf Saarn. Dort, wo 2015 Platz für rund 600 Menschen geschaffen wurde, hat sich das Leben im Laufe der letzten Jahre verändert. Aus der reinen Unterkunft mit Catering wurde ab Sommer 2017 eine Unterkunft mit Selbstversorgung. Der Standort wurde bereits im Herbst 2016 zur kommunalen Erstaufnahme ausgebaut.

Die SPD Mülheim lud im Rahmen ihrer Sommertour ihre Mitglieder dazu ein, sich vor Ort über die Situation zu informieren. Denn seit dem 1. Januar hat das Flüchtlingsdorf einen neuen Betreiber: Den Zuschlag bekam das Malteserwerk, das DRK verlor den Auftrag. Einige DRK-Mitarbeiter, die sich beworben haben, wurden von den Maltesern übernommen.

Seitdem die Flüchtlingswelle abebbte, nahm auch die Bewohnerzahl ab. Heute gibt es zwei Häuser weniger, ein weiteres wurde einem Verein als Lagerhaus zur Verfügung gestellt. Nachdem das Dorf auf Eigenversorgung umgestellt wurde, hatte es nur noch eine Kapazität für circa 450 Bewohner. Inzwischen ist hier noch Platz für 180 Menschen, im Juli dieses Jahres lebten noch 91 Bewohner in den sieben Wohnhäusern.

"Als kommunale Erstaufnahme haben wir hier eine ständige Fluktuation", erklärt Stefanie Dietz vom Migrationsbüro NRW der Malteser, die die Besucher über das Gelände führte. Die Verweildauer beträgt im Schnitt drei bis vier Monate. Alle Flüchtlinge, die nach Mülheim kommen, werden hier aufgenommen. Nach der Bearbeitung durch das Sozialamt werden sie in anderen Unterkünften oder Wohnungen des Sozialamtes untergebracht oder finden womöglich selber eine Wohnung. Die Nationen sind bunt gemischt. Im Juli kam die höchste Zahl mit 14 Menschen aus Nigeria, gefolgt von zwölf Irakern, neun Iranern und sieben Menschen aus Guinea. Je nach Belegung sind die Nationalitäten sehr unterschiedlich. "Wir hatten auch mal eine große Familie aus China, viele Flüchtlinge kommen auch aus der Türkei. Ungefähr ein Drittel ist weiblich, zwei Drittel männlich", erläutert Dietz.

Kleine Wohneinheiten

Im Dorf leben die Menschen in kleinen Wohneinheiten. Sie kochen selber in insgesamt 16 Küchenparzellen, die sich bis zu sechs Personen teilen müssen. Ihre Zimmer können sie selber verschönern und werden dabei auch von Mitarbeitern des Malteserwerkes unterstützt. Allerdings wirkt das Dorf eher kahl und nüchtern. Sie haben, so räumt Dietz ein, nur einen Mitarbeiter in der Sozialbetreuung. Weitere Fachkräfte seien schwer zu finden, da die Verträge nur auf ein Jahr begrenzt sind. Deshalb suche man die Zusammenarbeit mit dem CBE, um mit Ehrenamtlichen kleine Projekte wie den Bau von Blumenkübeln auf den Weg zu bringen.

Die meisten Kinder halten sich auch tagsüber im Dorf auf. "Auch wenn für ankommende Kinder sofort ein Kindergartenplatz gesucht wird, klappt das selten, da die Plätze rar sind. Bei der Beschulung geht das etwas besser, da hier mehr Plätze zur Verfügung stehen", erklärt die Sozialarbeiterin. Eine Spielstube soll da Ablenkung schaffen, auch einige Ehrenamtliche kümmern sich um den Nachwuchs. Ein Theaterprojekt mit Grundschulen soll soziale Kontakte stärken.
Alleinreisende Frauen mit Kindern sind im vorderen Bereich des Dorfes untergebracht, wo es auch abends eine zusätzliche Beleuchtung gibt.

Wenig Zwischenfälle

Zwischenfälle gibt es wenige. Disziplinarische Maßnahmen sind eher wegen der Reinlichkeit nötig. Fällt jemand auf, weil zum Beispiel die Küche nicht sauber hinterlassen wird, wird er angesprochen. Helfen Ermahnungen nicht, schaltet sich das Sozialamt mit Nachdruck ein. Hilft das auch nichts, bekommt derjenige Hausverbot für zehn Tage und muss in die Obdachlosenunterkunft. "Das ist nicht schön, das spricht sich rum und ist eine unbeliebte Maßnahme, aber sie hilft", weiß Dietz.
Was sie bedauert: Solange ein Verfahren noch läuft, gibt es kein Anrecht auf einen Deutschkurs. In Zukunft soll deshalb einmal die Woche im Dorf selber Unterricht stattfinden.

Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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