Menschliche Skelettteile lagen im öffentlichen Bereich des Styrumer Friedhofes
Ein unwürdiger Anblick

Der Erdhügel, an dem die menschlichen Überreste lagen.
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  • Der Erdhügel, an dem die menschlichen Überreste lagen.
  • Foto: PR-Foto Köhring/AK
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Es ist dunkel und es ist nass am Mittwoch, 8. Januar, um 18 Uhr auf dem Styrumer Friedhof. Die Wege zwischen den Grabstellen sind nur mit einer Taschenlampe zu erkennen und auf den Gräbern flackern vereinzelt rote ewige Lichter.

Hier soll sich ein Erdhügel befinden, der umgeben sein soll von menschlichen Skeletteilen, die dort für jeden Besucher sichtbar herumliegen.
Ein Anwohner des Friedhofes in Styrum hatte die Redaktion telefonisch benachrichtigt, dass er sich seit einigen Monaten aufrege, immer wieder mit dem unfreiwilligen Anblick menschlicher Überreste beim Gang über das Gelände konfrontiert zu werden. Er schilderte, dass dort verschiedene Knochen und Schädelteile seit dem Aushub zum Bau der neuen Urnenstelen im Sommer 2019 lägen.
Bei einer sofortigen Begehung der Redaktion am Mittwochabend lagen im öffentlich zugänglichen Teil des Friedhofes um einen Erdhügel zwei Teile von Schädeldecken, einige Röhrenknochen, Teile eines Beckens und Wirbelknochen. Ein erschreckender Anblick.

Ein Anwohner regt sich auf

Der Anrufer schilderte, dass im vergangenen Sommer Grabfelder, deren Liegezeit abgelaufen sind, ausgehoben wurden. Das geschah, um Platz für den Bau neuer Urnen-Stelenwände zu schaffen und ist ein durchaus übliches Vorgehen.
Dass sich in dieser Erde auch Skelettteile befinden können, sei ebenfalls normal. Dass der Erdaushub mit den menschlichen Überresten dann monatelang Wind, Regen und Wetter ausgesetzt wird und im öffentlichen Teil eines Friedhofs für jeden Besucher offen sichtbar ist, findet er sehr ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher sei es,

"dass sich niemand verantwortlich für die monatelang herumliegenden Überreste zeigt, das regt mich richtig auf!"

so der Bürger. Sein Anliegen ist es, dass die sterblichen Überreste würdevoll beigesetzt werden und der Erdhaufen, der vermutlich noch etliche menschliche Überreste in sich birgt, entsprechend pietätvoll beseitigt wird.

Schnelle Reaktion der Stadt

Volker Wiebels, Stadtsprecher, versicherte auf Nachfrage der Redaktion, dass die Friedhofsmitarbeiter bei solchen Arbeiten

"... äußerst sorgsam vorgehen und intensiv beobachten, ob menschliche Überreste zum Vorschein kommen",

 so Wiebels. Das geschehe auch beim Abtragen des Erdhügels, der seit Aushub im Sommer bereits um die Hälfte reduziert wäre. Dies sei im vergangenen Jahr auf dem Friedhof Styrum beim Neubau der Stelenwand-Anlage auch geschehen. Da vor dem Aushub festgestellt wurde, dass sich auch noch Knochenreste in dem Erdreich befanden, wurden dies sorgsam untersucht und weitestgehend davon befreit und wie üblich bestattet. Aufgrund dieser Vorgehensweise und intensiven Beobachtung solcher Ablagerungen durch die Friedhof-Mitarbeitenden sei es in der Vergangenheit noch nie zu kritischen Vorfällen gekommen. Eine Nachfrage bei der Pressestelle Duisburg ergab, dass dort Erdaushub alter Grabstellen mit einem Sichtschutz versehen werden.

Erklärung der Verwaltung

Nachdem die Stadt Kenntnis von dem Zustand hatte, fand am Donnerstag gleich früh morgens ein Ortstermin mit der Leiterin des Amt für Grünflächenmanagement und Friedhofswesen, Sylvia Waage, sowie einem Mitarbeiter-Team des Friedhofs statt. Bei diesem Termin wurden die Knochenteile eingesammelt. Wiebels hat eine Erklärung für den Vorfall, "die kaum zu glauben, aber wahr ist".
Er macht Erddiebe dafür verantwortlich, die auf dem Friedhof für den heimischen Garten Erde stehlen. Solche Diebstähle seien der Friedhofsverwaltung seit langem bekannt. Dabei müssen dann die Knochenteile zum Vorschein gekommen sein. Denn dass dort schon seit Monaten Skeletteile sichtbar liegen, bezweifelt die Stadtverwaltung. Zuletzt hätten Friedhofsmitarbeiter im Oktober 2019 am Hügel gearbeitet, bei Arbeiten in der jüngsten Vergangenheit sei nichts aufgefallen; Sylvia Waage sei Anfang November vor Ort gewesen und habe nichts bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt seien dort keine Knochen sichtbar gewesen.

„Ich möchte deutlich machen, dass die Friedhofsverwaltung nicht bemüht ist, eventuelle Fehler zu kaschieren“,

betont Wiebels. Wenn man die Knochen auf den Fotos betrachtet, sehe man, dass sie sich farblich kaum vom Erdreich unterscheiden und dadurch schlecht erkennbar seien. Bei Hinweisen auf solche Zustände würde die Stadt unverzüglich reagieren, so Wiebels. Die seien aber bislang ausgeblieben.

(H.M.Westhofen)

Autor:

Heike Marie Westhofen aus Mülheim an der Ruhr

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