Nicht was alle denken
Geschirrspüler-Mord

Mir geht es nur wirklich gut, wenn ich mir Gedanken über etwas machen kann, über das sich sonst niemand Gedanken macht. Das wird man gemerkt haben, ist mir aber egal. Manchmal war ich während der Seuche drauf und dran, mir auch Gedanken zu machen über das, worüber sich alle anderen Gedanken machten, sie sozusagen nachzuäffen. Das ist aber nicht mein Ding. Das wird man gemerkt haben, ist mir aber egal.
Wenn ich allerdings entdecke, dass es noch andere gibt, die sich auch Gedanken über etwas machen, über das sich sonst keiner Gedanken macht, bin ich nicht etwa sauer. Nein, dann bedaure ich zutiefst, dass ich es nicht schon früher gemerkt habe. Es entlastet mich. Wie jetzt wieder die Sache mit dem Geschirrspüler, die Gerhard Meister schon 2016 geschrieben hat, und die ich nur deshalb verpasst habe, weil ich da noch keine Schweizer Zeitungen gelesen habe.
Meister bedauert da auch etwas, nämlich, dass es bisher viel zu wenig Gedichte zum Thema Geschirrspüler gibt, wo er sich doch wunderbar auf Schmetterlingsfühler reimt. Geradezu enttäuscht ist er von John Cage, der große Musikexperimentator, der uns keine Komposition für 22 Geschirrspüler hinterließ, in der präzise vorgegeben ist, was und mit welchem Programm jeder einzelne zu spülen hat.
Besonders bedauert er allerdings ausführlich die Tatsache, dass es keinen Krimi gebe, in dem der Täter sein Opfer mit einem Geschirrspüler umbringt. Er hat da sogar genauere Vorstellungen, wie es geschehen könnte. Seine erste verwirft er allerdings gleich wieder wegen mangelnder Plausibilität, weil kein Mörder den Geschirrspüler aus der Einbauküche ausbauen würde, um ihn aus dem Fenster des 5. Stockes auf das unten vorbeigehende Opfer zu werfen. Dann schon eher die Version mit der Bananenschale und dem offenen Geschirrkörbchen, aus dem ein großes Messer mit der Klinge nach oben hervorragt. Schon ein leises Hüsteln in seinem Rücken würde das Opfer auf die Bananenschale treiben und sich kopfüber auf das angebotene Messer stürzen lassen.
Nun bin ich seither ebenfalls auf der Suche nach Möglichkeiten, dem Geschirrspüler, der ja aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, ja, geradezu ein Teil davon ist, in Literatur und Kunst mehr Gewicht zu verleihen d.h. vollinhaltlich zu integrieren. Wenn es einer verdient hat, dann …

Autor:

Franz B. Firla aus Mülheim an der Ruhr

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