Zu Fuß zur Schule
Hölterschule kämpft für einen sicheren Schulweg

Die Schülerinnen und Schüler der Hölterschule pflastern den Schulweg mit ihren Fußabdrücken.
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Jeden Morgen dasselbe Chaos: Mit dem Auto versuchen zahlreiche Eltern, ihre Kinder fast bis in die Schule zu bringen. Hupkonzerte und gefährliche Wendemanöver sind an der Tagesordnung. Mit einem Aktionsmonat setzten sich Schüler, Lehrer und Eltern an der Hölterschule nun mit diesem Problem auseinander.

Das Stück Stichstraße der Tilsiter Straße ist eigentlich seit Jahren eine Privatstraße. Dennoch knubbeln sich dort morgens vor dem Schulbeginn die Autos. „Unsere 400 Schülerinnen und Schüler werden durch die Situation gefährdet“, betont der kommissarische Schulleiter Günter Gallandi. Vor jedem Schuljahr macht er in einem Elternbrief nachdrücklich auf die Schwierigkeit aufmerksam, doch die Appelle laufen ins Leere. „Es regnet, wir sind spät dran, mein Kind hat heute besonders viele Sachen dabei…“. Ausreden gebe es genug.

Engagierte Eltern aus dem Förderverein und der Schulpflegschaft den Aktionsmonat „zu Fuß zur Schule“ ins Leben. Die Ergebnisse wurden am Dienstag, dem internationalen „Walk-to-school-Day“ vorgestellt. „Alleine als Kollegium hätten wir so etwas nicht stemmen können“, ist Gallandi dankbar über die Unterstützung.

Schülerpolizisten regeln den Verkehr

Zu diesem Zweck wurden morgens an der Zufahrt zur Stichstraße sowie am unteren Schulhofeingang jeweils fünf „Schülerpolizistinnen und -polizisten“ aus der dritten und vierten Klasse postiert, die in leuchtenden von der Verkehrswacht zur Verfügung gestellten Warnwesten selbstgemachte Strafzettel verteilten. Die Idee dahinter: Kinder werden selbst im morgendlichen Stress nicht unfreundlich angegangen, wie es bei Lehrerinnen und Lehrern gerne einmal der Fall ist.

„Da sind drei Autos extra weitergefahren, als sie uns gesehen haben“, berichtete einer der Schülerpolizisten schon am zweiten Tag. Auch die Initiatoren haben durch die Aktion tatsächlich eine gewisse Entspannung festgestellt. „Die Aktion geht seit dem 30. August und seitdem ist hier unten deutlich weniger los“, berichtet Anke Hötzel, Vorsitzende des Fördervereins. Lisa Riedel, die ebenfalls im Aktionsteam mitwirkte, zählt sogar nur noch ein Viertel der Autos.

Verantwortliche machen sich keine Illusionen

Illusionen macht man sich rund um die Hölterschule aber nicht. Die Haltepunkte der Autos haben sich zwangsläufig verlagert. Daher setzt sich der Förderverein für eine feste Elterntaxihaltestelle ein. Diese Idee werde bald sogar in den Planungsausschuss gehen, so Hötzel. Mit Pollern vor der Zufahrt an der Tilsiter Straße sei aber eine erste konkrete Verbesserung erreicht worden. „Ich fürchte nur, dass es mit der Zeit allmählich wieder in Vergessenheit geraten wird“, sagt Schulleiter Günter Gallandi.

Aus diesem Grund wurde das Thema darüber hinaus mit Hilfe von fünf verschiedenen Projekten in sämtliche Klassen getragen. Ein Ortspolizist ging mit den Schülerinnen und Schülern aus der ersten und zweiten Klasse ihren Schulweg ab. Als „Schulweg-Detektive“ zählten die Kinder die Schritte von ihrer Haustür bis zum Klassenraum und lernten die Bedeutung der Verkehrsschilder, die sie auf dem Weg entdeckten.

Selbstgebastelte Schilder in den umliegenden Straßen

Mit selbstgebastelten Schildern machten sie in der Umgebung der Schule auf sich aufmerksam. „Dadurch sollen visualisiert werden: wir laufen hier jeden Tag her“, erklärt Lisa Riedel. Andere Kinder zeichneten ihre Wohnorte in eine Karte ein, um sich anschließend mit anderen Schülerinnen und Schülern aus der Nachbarschaft zu einem sogenannten „Laufbus“ zu verabreden. Wie bei einer Busfahrt nimmt der Nachwuchs dabei eine fest Strecke und trifft sich an verabredeten „Haltestellen“.

Beim „Schulwegdart“ wurde auf die Karte eine Dartscheibe gelegt, mit der Schule als Mittelpunkt. Je weiter der Weg zur Schule war, desto mehr Punkte sammelten die Schülerinnen und Schüler für ihren Klassenverband. „Das führte dazu, dass die Kinder von den Eltern nicht mehr bis vor die Tür gebracht werden wollten“, berichtet Anke Hötzel.

Auch die Umwelt spielt eine Rolle

Selbst gebastelte Fußspuren sollten nicht nur daran erinnern, die Füße zu benutzen, sondern auch den Umweltaspekt betonen. „Die Sicherheit steht im Vordergrund, aber es gibt ja auch genug andere Gründe, zu Fuß zu kommen“, weiß Lisa Riedel. Schließlich ist die Hölterschule auch als bewegungsfreudige Schule zertifiziert.

Gunter Zimmermeyer hat als Präsidiumsmitglied der deutschen Verkehrswacht schon viele Schulprojekte miterlebt. „Aber was hier gelaufen ist, ist in der Gesamtheit einmalig“, ist der Vorsitzende der Mülheimer Verkehrswacht begeistert.

Nach den Herbstferien sollen die Schülerpolizisten eventuell noch einmal zum Einsatz kommen. Auch das gesamte Projekt ist nicht als einmalige Sache angedacht. „Wir werden es der neuen Schulleitung auf jeden Fall vorstellen.“

Die Schülerinnen und Schüler der Hölterschule pflastern den Schulweg mit ihren Fußabdrücken.
Autor:

Marcel Dronia aus Mülheim an der Ruhr

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