GGS Dichterviertel gehört zu den sieben Preisträgern des bundesweiten Wettbewerbes
Jubel über den Deutschen Schulpreis Spezial

Da war die Freude groß: Schulleiterin Nicola Küppers freut sich gemeinsam mit Drittklässlerin Naoual über den Preis. Die Schülerin sitzt auf der Freundschaftsbank, auch eine feste Institution in der Schule; wenn auf dieser Bank ein Kind sitzt, darf keiner vorbeigehen, ohne es anzusprechen. Auch die Freundschaftsbank wurde ins digitale Konzept übernommen.
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  • Da war die Freude groß: Schulleiterin Nicola Küppers freut sich gemeinsam mit Drittklässlerin Naoual über den Preis. Die Schülerin sitzt auf der Freundschaftsbank, auch eine feste Institution in der Schule; wenn auf dieser Bank ein Kind sitzt, darf keiner vorbeigehen, ohne es anzusprechen. Auch die Freundschaftsbank wurde ins digitale Konzept übernommen.
  • hochgeladen von Regina Tempel

Sieben Schulen aus Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen erhalten den mit jeweils 10.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2021 Spezial. Zu den Gewinnern gehört auch die städtische Gemeinschafts-Grundschule im Dichterviertel aus Mülheim.

Der Jubel war, groß, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Schirmherrschaft über den Deutschen Schulpreis Spezial übernommen hat, den Preisträger der Kategorie "Bildungsgerechtigkeit fördern" am Montagmittag im Livestream verkündete: Er geht an die Grundschule Dichterviertel an der Bruchstraße. Aus der Schule zugeschaltet war Schulleiterin Nicola Küppers mit der Drittklässlerin Naoual. Die Konfettikanone der 9-Jährigen versagte zwar zunächst ihren Dienst, das konnte aber die Freude der Schulleiterin, die begeistert die Arme hochriss, nicht schmälern.

Alle Schüler und Lehrer der GGS Dichterviertel hatten an diesem ersten Tag des Präsenzunterrichtes freibekommen, um die Feier digital zu verfolgen. Dazu erhielt jede Schülerin und jeder Schüler eine Wundertüte nach Hause, gefüllt mit Tröten, Ballons, Luftschlangen Schokolade, Lutschern, Fahne - alles, was man eben so beim Feiern unter Corona-Bedingungen vor dem Fernseher braucht.
Leer war die Schule dennoch nicht: Neben dem Kamerateam waren einige Ehrengäste eingeladen, darunter OB Marc Buchholz, Schulamtsdirektorin Freitag, Vertreter von Bildungsbüro und Diakonie, aber auch Erik Müller, der schon manche Projekte in der Schule geleitet und unter anderem die die Freundschaftsbank hergestellt hat. Natürlich, vergisst Küppers nicht zu betonen, waren alle vorher getestet.

Bei der Preisverleihung betonte der Bundespräsident: „Deutschland ist nicht da, wo es sein sollte. Die Pandemie entblößt unsere Schwächen im Bildungssystem. Das muss anders werden! Ich weiß aber auch, dass die Pandemie kreative Stärken hervorgebracht hat: An vielen Schulen haben Schulleiterinnen und Lehrer nicht geklagt, sondern in kürzester Zeit umgedacht und beherzt gehandelt. Viele wachsen in dieser schwierigen Zeit über sich hinaus, um für ihre Schülerinnen und Schüler da zu sein.“

Von der Problem- zur Vorzeigeschule

Die Grundschule am Dichterviertel ist dafür das beste Beispiel. Nicola Küppers übernahm vor acht Jahren eine Schule in einem problematischen Umfeld, mit schlechtem Ruf und wenigen Neuanmeldungen, die kurz vor der Schließung stand. Inzwischen ist die Grundschule sehr beliebt, 194 Kinder werden von 20 Lehrerinnen und Lehrer unterrichtet.

Die Schule ist so bunt wie ihre Schülerschaft. Der Schulleiterin ist es wichtig, dass mit Wertschätzung gelernt wird. "Wir wollen die Stärken stärken, an dem was wir nicht können wachsen, und den Fehler als Chance begreifen", erklärt Nicole Küppers. An der Schule wird die Vielfalt und Unterschiedlichkeit geschätzt, die es sowohl unter den Kindern als auch den Lehrern gibt.

Steinmeier zeigte sich beeindruckt, wie das Motto "Wenn die Kinder nicht in die Welt können, holen wir die Welt in die Schule" umgesetzt wird. So erzählt Naoual von digitalen Führungen durch Zoo und Planetarium, von digitalen Pyjama-Partys, wenn Lehrer den Schülern in verschiedenen digitalen Räumen Bücher vorlesen.

Volle Kraft in die Digitalisierung gesteckt

Als die Schulen im März 2020 in den digitalen Lockdown gingen, war der Schulleiterin eines klar: "Wir drucken keine Arbeitsblätter aus. Wir können das Lernen nicht in die Elternhäuser verlagern, das ist bildungsungerecht. Es gibt vormittags digitalen Unterricht und das organisiert die Schule". So wurde für jede Klasse ein individueller Sendeplan erstellt, bereits vorhandene Rituale wie der Morgenkreis in den Klassen auch digital übernommen. Eine 15-minütige Englisch-Time, Erklärvideos und Lernangeboten in allen Fächern leitete die Schüler durch ihren Tag. Digitale Mitwirkungsangebote führten zu einer breiteren Beteiligung der Eltern. Ihr Konzept passte die Schule zudem auf Basis von Umfragen und Feedback an. Ziel ist es, die Medienkompetenz des Kollegiums und der Schülerschaft kontinuierlich zu erhöhen.

Der Anfang war nicht leicht, erinnert sich Nicola Küppers. Es gab Kinder, die als Endgerät zunächst nur ein Handy hatte. Die Schule verteilte W-Lan-Guthaben, wenn es daran haperte. Auch die Eltern mussten mitgenommen werden, manche benötigten Schulungen, die die Lehrer durchführten. Im Januar schließlich war jedes Kind mit einem digitalen Endgerät zum Arbeiten wie Tablet ausgestattet. Und während Kinder aus anderen Schulen lange schliefen oder draußen spielten, saßen die Schüler der Grundschule Dichterviertel im digitalen Unterricht.

Schüler wünschen sich Lernwaben

10.000 Euro erhält die Schule nun als Preisgeld. Die Verwendung steht schon fest. Das Schülerparlament - auch das gibt es an dieser Grundschule - wünscht sich sogenannte Lernwaben. Aus Holz gebaute, wabenähnliche kleine Rückzugsorte für die Kinder, die auf den Fluren aufgestellt werden können.

Die neuen digitalen Möglichkeiten werden auch weiter genutzt, ist sich Nicola Küppers sicher. "Damit werden den Kindern Lernwelten eröffnet, die auch bei Vollpräsenz eine tolle Ergänzung des Unterrichts sind."  Seit 2006 wird der Deutsche Schulpreis verliehen. Unter dem Motto „Für mehr gute Schulen!“ haben es sich die beiden Stiftungen zum Ziel gesetzt, die Qualität von Schule und Unterricht in Deutschland nachhaltig zu verbessern.

Mit der Sonderausgabe des renommierten Wettbewerbs zeichnen die Robert Bosch Stiftung GmbH und die Heidehof Stiftung GmbH in Zusammenarbeit mit der ARD und der ZEIT Verlagsgruppe die besten während der Corona-Pandemie entstandenen Schulkonzepte aus. Alle nominierten Schulen haben die Möglichkeit, am zweijährigen Schulentwicklungsprogramm des Deutschen Schulpreises teilzunehmen.

Hintergrund

>>Die Deutsche Schulakademie, eine Tochter der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung, bereitet die Konzepte der ausgezeichneten Schulen auf und organisiert auf dieser Grundlage Fortbildungsmaßnahmen und Schulentwicklungsangebote, um mit dem Wissen aus den Preisträgerschulen anderen Schulen Impulse zu geben, die eigene Schulentwicklung in die Hand zu nehmen.
>>Das Deutsche Schulportal stellt als Onlineplattform die erfolgreichen Konzepte der Preisträgerschulen einer breiten Öffentlichkeit vor. Neben den Konzepten bietet das Schulportal aktuelle Informationen und Beiträge zu den Themen Schulpraxis, Bildungspolitik und Wissenschaft. >>Das Deutsche Schulportal ist eine Initiative der Robert Bosch Stiftung, der Deutschen Schulakademie und der Heidehof Stiftung in Kooperation mit der ZEIT Verlagsgruppe.

Da war die Freude groß: Schulleiterin Nicola Küppers freut sich gemeinsam mit Drittklässlerin Naoual über den Preis. Die Schülerin sitzt auf der Freundschaftsbank, auch eine feste Institution in der Schule; wenn auf dieser Bank ein Kind sitzt, darf keiner vorbeigehen, ohne es anzusprechen. Auch die Freundschaftsbank wurde ins digitale Konzept übernommen.
Schüler der Grundschule beim Unterricht.
Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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