Experiment
Leben in der Stadt - Fluch oder Segen?

Lebensraum Stadt

Immer mehr Menschen leben in großen Städten. Die Städte die so viel bieten, Arbeit, Vergnügen, ein breites Warenangebot sowie eine gute allgemeine Versorgung. Nur, brauchen wir das so geballt und tut es uns gut? Für die vermeintlichen Vorzüge muss der Mensch auch bereit sein einiges in Kauf zu nehmen. Lärm, schlechte Luft, Hektik und Enge sind nur einige Beispiele. Anonymität, Aggressivität und Kriminalität nehmen zu. Die physischen und psychischen Belastungen steigen und damit die daraus resultierenden Erkrankungen. Insgesamt wächst das Stresspotential und damit einhergehend Unausgeglichenheit sowie Unzufriedenheit.

Ist die Stadt für uns der ideale Lebensraum? Ist sie Fluch oder Segen? Fehlt in der Großstadt soziale Kontrolle und ist die Anonymität ein Nährboden für Entgleisungen und Übergriffe? Sind die positiven Faktoren ein akzeptabler Ausgleich für die negativen Begleiterscheinungen?

Der amerikanische Ethologe John B. Calhoun suchte Antworten auf diese Fragen und experimentierte mit Mäusen und Ratten. Er simulierte mit ihnen die Auswirkungen und das Verhalten bei der Zunahme räumlicher Enge. Er behauptete, die Auswirkungen der Überbevölkerung auf Nagetiere sei geeignet, die Zukunft des menschlichen Zusammenlebens zu prognostizieren.
Er schuf eine perfekte Umgebung mit großzügig ausgestatteten Wohnzellen, einer Begegnungsstätte und klimatisierte das Ganze noch. Dann quartierte er zunächst acht Probanden ein. Das bekam den Tieren allerdings gar nicht gut. In der optimalen Umgebung, so berichtete Calhoun, hatten sie sich nach wenigen Generationen zu "Untieren" entwickelt. Innerhalb von nur zwei Jahren gab es 2200 Tiere und unter dem Druck der Bevölkerungsexplosion zerbrachen alle sozialen Strukturen, sonst übliche Verhaltensweisen wurden aufgegeben. Dann wurde kein Nachwuchs mehr geboren. Die Zahl der Bewohner ging auf 1600 zurück, denn in der verbliebenen Population waren die jüngsten der noch lebenden Weibchen schon in den Wechseljahren, also nicht mehr in der Lage Nachwuchs zu produzieren. Das war unter anderem ein Ergebnis zunehmender Aggressivität und dem Verlust der sozialen Strukturen. Die Gruppe war zum Aussterben verurteilt.

Ob den Menschen in den Städten ein gleiches oder ähnliches Schicksal droht ist wohl daraus nicht unbedingt abzuleiten. Tendenzen sind allerdings erkennbar. Eine parallel stattfindende Landflucht gestresster und desillusionierter Menschen scheint das zu belegen.

Autor:

Friedhelm Tillmanns aus Mülheim an der Ruhr

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