„Alleinsein heißt nicht einsam sein“
Mülheimer Lotsen- und Besuchsdienste informierten sich zum Thema Einsamkeit

Die beiden Schüler Justin Janik und Zine Eddine Saidi (Foto, von links) besuchen regelmäßig Heike Hempel, die im Rollstuhl sitzt.
  • Die beiden Schüler Justin Janik und Zine Eddine Saidi (Foto, von links) besuchen regelmäßig Heike Hempel, die im Rollstuhl sitzt.
  • Foto: Kathrin Zimmermann
  • hochgeladen von Sibylle Brockschmidt

Am 1. April trafen sich zum wiederholten Mal die ehrenamtlich engagierten Mülheimer Lotsen- und Besuchsdienste auf Einladung der Senioren- und Wohnberatung des Sozialamtes sowie der Projektleitung des Bundesprogrammes „Selbstbestimmt im Alter – Vorsorgeunterstützung im Team“ (SiA-ViT) - zu einem Informationstreffen zum Thema „Einsamkeit im Alter“.

Von Jörg Marx

Die Projektleiterin der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros, Agnes Bößner, koordiniert die 15 Modellstandorte, die sich über ganz Deutschland verteilen. Mülheim ist einer davon. Bößner sprach über die Ursachen und Auswirkungen von Einsamkeit und gab den 20 Teilnehmenden wertvolle Hinweise und Anregungen für ihre ehrenamtliche Arbeit mit älteren Menschen.
Das Sozialamt beteiligt sich an der Entwicklung von Hilfemöglichkeiten und arbeitet hierfür mit dem Besuchsdienst der Malteser und mit allen anderen Besuchs- und Begleitdiensten zusammen.

Die Mitarbeiter der Senioren- und Wohnberatung und des kommunalen Pflegestützpunktes, des Malteser Besuchsdienstes und des Saarner Schülerbesuchsdienstes, sowie die interessierten Ehrenamtlichen der Mülheimer Lotsen verbindet eine Idee. Sie möchten nach und nach in Mülheim ein Hilfenetzwerk aufbauen, das es möglich macht, Menschen zu begleiten, die sich mehr und mehr zurückziehen, weil sie nur wenige soziale Kontakte haben.
Ziel ist es, dass diese Bürgerinnen und Bürger möglichst lange und selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Im Einzelfall kann durch die Begleitung der Ehrenamtlichen sogar der Übergang in eine gesetzliche Betreuung vermieden werden.

Die Anwesenden tauschten sich im Anschluss an den Vortrag sehr angeregt darüber aus, wie es gelingen kann, den Zugang zu diesen zumeist älteren Menschen zu erleichtern.
Pflegebedürftigkeit trifft aber nicht nur ältere Menschen. Heike Hempel hatte mit Anfang 50 einen Schlaganfall erlitten und ist seitdem auf die Hilfe ihres Mannes und anderer Menschen angewiesen. Sie sitzt im Rollstuhl. Wie segensreich der Besuch von netten Menschen ist, erfährt sie selbst bereits seit einigen Jahren. Die beiden Schüler Justin Janik und Zine Eddine Saidi besuchen Heike Hempel regelmäßig einmal in der Woche. Dann wird gelacht und gespielt, erzählt und zugehört. Sie möchte die beiden nicht mehr missen. Justin und Zine sind im Schülerbesuchsdienst der Gesamtschule Saarn hoch engagiert.

Heike Hempel lebt nicht alleine. Sie ist verheiratet und hat Familie und Freunde, zum Haushalt gehört ein liebenswerter Hund namens Shiva. Dagegen macht die Anzahl alleinlebender Personen in Mülheim nachdenklich.
44,6 Prozent aller Einwohner Mülheims leben allein. Die Zahl der Älteren Alleinlebenden wächst. Am Stichtag 31.12.2018 lebten nach Zahlen des Referates für Stadtforschung und Statistik 13.562 Menschen, die 65 Jahre und älter sind, in Einpersonenhaushalten. Heißen (40 Prozent), Menden-Holthausen (41 Prozent) und Saarn (42 Prozent) sind die Stadtteile mit dem höchsten Anteil alleinlebender Älterer.

Wieviele von diesen Menschen nicht nur alleine sondern auch von Einsamkeit betroffen sind, ist eine Frage, die kaum beantwortet werden kann.
Der Austausch darüber, wie es mithilfe lebendiger Nachbarschaften gelingt, Isolation und Rückzug zu vermeiden oder wenigstens abzumildern, beschäftigte alle Teilnehmenden der Runde.

Die SiA-ViT-Informationstreffen werden fortgesetzt. Das nächste findet am Montag, 13. Mai, ab 15.30 Uhr wieder in der dritten Etage im Medienhaus statt. Wer sich für eine Mitarbeit und eine erste Teilnahme oder für die Arbeit der Lotsen- und Besuchsdienste interessiert, ist herzlich willkommen und sollte sich bei Jörg Marx unter Tel. 0208/455-5012 oder unter joerg.marx@muelheim-ruhr.de melden.

Autor:

Sibylle Brockschmidt aus Mülheim an der Ruhr

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