Gravierende Mängel
Polizei zieht Schulbusse auf dem Verkehr

Ein Beispiel der festgestellten Mängel: Diese Gurte waren nur an den Sitzen festgeknotet und könnten im Ernstfall keine Sicherheit garantieren.
  • Ein Beispiel der festgestellten Mängel: Diese Gurte waren nur an den Sitzen festgeknotet und könnten im Ernstfall keine Sicherheit garantieren.
  • Foto: Polizei Mülheim
  • hochgeladen von Sibylle Brockschmidt

Die lange geplante Fahrt der Grundschule an der Barbarastraße in Dümpten fiel am 2. Oktober beinahe ins Wasser. Vorsorglich hatte die Schulleitung bereits im Vorfeld die Essener Polizei gebeten, den angemieteten Bus polizeilich in Augenschein zu nehmen. Umringt von der aufgeregten Schülerschar zweier vierter Klassen, die kurz darauf zu einem Ponyhof an den Niederrhein aufbrechen wollten, nahmen die Fachleute des Verkehrsdienstes den Reisebus in Augenschein.

Das Fahrzeug, früher augenscheinlich im städtischen Linienverkehr eingesetzt, zeigte sofort gravierende Mängel. "Der Bus war verdreckt, verrostet und schon auf den ersten Blick nicht verkehrstüchtig", berichtet Klassen- und Schulpflegschaftsvorsitzende Mady Derißen-Kreutzer. Bereits im Fahrzeuginneren entdeckten die Beamten abenteuerliche Sicherheitsgurte. Lediglich an den Sitzen verknotet, konnten die unsachgemäß angebrachten Gurte nicht die Sicherheit der Insassen garantieren.

Enttäuscht warteten die Kinder etwa drei Stunden, bis das Busunternehmen aus Duisburg einen Ersatzbus nach Mülheim organisiert hatte. Umso größer war das Erstaunen der noch vor Ort verbliebenen Polizeibeamten, als sie den Ersatzbus einer Prüfung unterzogen. Auch an diesem Fahrzeug fanden sich etliche schwerwiegende Mängel, worauf ein KFZ-Sachverständiger zur Begutachtung hinzugezogen wurde. Defekte am Stoßdämpfer und der Lenkhilfe, sowie die Durchrostung des tragenden Fahrzeugrahmens an mehreren Stellen. Im hinteren Teil des Busses befand sich ein ungeschütztes Auffangbecken mit entzündlicher Flüssigkeit, welches bei einem Funken leicht hätte explodieren können. "Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was hätte geschehen können, wenn wir in diesem Bus gefahren wären", berichtet auch Mary Derißen-Kreutzer.

An Ort und Stelle untersagten die Polizisten den Busfahrern die Weiterfahrt. Die Kinder, die es sich bereits im Bus gemütlich gemacht hatten, mussten erneut enttäuscht werden. Doch offenbar geübt in Krisensituationen, organisierten die Lehrer die Reiseplanung um. Nunmehr in kleinere Fahrzeuge der Eltern umgestiegen, in denen mit Müh und Not alle Koffer verstaut werden konnten, machte sich die Schar auf zum Niederrhein.

"Aus Versicherungsgründen musste dafür erst einmal Rücksprache mit dem Schulrat gehalten werden, es gab viel zu organisieren. Unsere Schulleitung wie auch Lehrer haben sich sehr dafür eingesetzt, dass die Fahrt dann doch noch stattfinden konnte", so die Schulpflegschaftsvorsitzende. Statt um 9 kamen die Schüler so erst gegen 15 Uhr auf dem Reiterhof an - wodurch sich ihre nur dreitägige Fahrt leider stark verkürzte.

Die beiden Busfahrern und den Fahrzeughalter erwarten nun Anzeigen der Polizei und möglicherweise auch Regressansprüche der Reisenden. Die betroffenen Eltern fordern möglicherweise Fahrtersatz, auch eine Sammelklage ist im Gespräch. Denn besonders für die Kinder war dies eine aufwühlende Erfahrung. Selbst die stärksten von ihnen seien die ganze Autofahrt über besorgt und niedergeschlagen gewesen. Einige trauten sich zu Beginn gar nicht mehr, in ein Fahrzeug zu steigen, so Mary Derißen-Kreutzer. In den nächsten Tagen werden Polizeibeamte auch an weiteren Stellen in Essen und Mülheim Kontrollen an Schul- und Linienbussen durchführen.

Antrag stellen

Wenn Eltern oder Lehrer einen Kontrolltermin mit der Polizei vereinbaren möchten, können sie das spätestens vier Wochen vor der Fahrt per E-Mail an DirV.essen@polizei.nrw.de beantragen.

Autor:

Sibylle Brockschmidt aus Mülheim an der Ruhr

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