Bestatter suchen Sargträger am schwarzen Brett der Unis
Sterben die Sargträger aus?

Eine würdevolle  und ehrenwerte Arbeit leisten die Sargträger für den verstorbenen - aber auch für die Hinterbliebenen.
  • Eine würdevolle und ehrenwerte Arbeit leisten die Sargträger für den verstorbenen - aber auch für die Hinterbliebenen.
  • Foto: Fohrmann
  • hochgeladen von Heike Marie Westhofen

Bestatter beklagen, dass es immer weniger Sargträger gibt Einige Mülheimer Bestattungsunternehmen haben Mühe, für ihre Erdbestattungen noch Sargträger zu finden. Diese Tätigkeit scheint niemand zu interessieren und die Frage ist, warum?

Im Idealfall hat ein Bestatter genügend Sargträger zur Verfügung. Wenn einer einmal ausfällt, springt ein Kollege ein. Doch genau das wird immer schwieriger. Denn es finden sich immer weniger Menschen, die bereit sind, diese wichtige und würdige Aufgabe zu erfüllen.
Mancherorts ist der Notstand so groß, dass Bestatter ihre Sargträger nicht mehr unter rüstigen Rentnern finden, sondern über die schwarzen Bretter der Universitäten und Hochschulen nach Studenten suchen, die bereit sind diese Aufgabe zu übernehmen. Und auch weibliche Sargträgerinnen sind heutzutage nicht mehr ungewöhnlich.

Sarg tragen: Eine alte Tradition

Die alte Tradition, dass ein Verstorbener von Angehörigen oder Freunden und Nachbarn zu Grabe getragen wird, wurde schon vor Jahrzehnten aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen von "professionellen" Sargträgern abgelöst.
Diese gesellschaftlichen Veränderungen entstanden auch im Zuge der Industrialisierung und immer größer und anonymer werdenden Städten. Dazu wurden auch die Familien selber immer kleiner und so manch einer verstarb ohne engagierten großen Familien- oder Freundeskreis und musste dennoch würdevoll zu Grabe getragen werden. Und an dieser Stelle entstand der Beruf des Sargträgers.
In der Regel handelte es sich um rüstige Rentner und Frührentner, die zum einen durch das Sarg-Tragen einen netten kleinen Zusatzverdienst hatten, um die Rente aufzustocken und zum anderen auch um "raus" zu kommen, Kontakte zu pflegen und eine Aufgabe zu haben. In den meisten Sargträger-Kolonnen bildeten sich langjährige Freundschaften und viele schieden meist erst mit großem Bedauern aus, wenn sie deutlich in den 80ern waren und auch das Tragen von Urnen dann zu beschwerlich wurde.
In einer Gesellschaft, in der es in erster Linie um Jugend, Schönheit und Gesundheit geht, macht sich das Thema Tod meist nicht wirklich gut. Das war früher anders. Früher ging man auf jede Beerdigung. Auch auf die von Menschen, die man kaum gekannt hat. Das gehörte sich so. Das war so üblich. Und so hatte man von klein auf Übung und wusste um die Abläufe. Doch die fortschreitende anonyme Gesellschaft und Nachbarschaften, in denen kaum einer den anderen kennt, haben das grundlegend verändert.

Fast ein Ehrenamt

Deshalb ist vielen wohl heute auch der Beruf des Sargträgers nicht wirklich geläufig und es ist nicht bekannt, welche Aufgaben dieser auf dem Friedhof hat. Aufgrund dieses Unwissens wird dessen Tätigkeitsbereich wohl sehr oft gedanklich mit dem des Bestatters vermischt, was tatsächlich nicht richtig ist. Denn ein Sargträger hat in der Regel keinen direkten Kontakt mit einem Verstorbenen.
Die Arbeit eines Sargträgers ist in der Regel eine Aushilfstätigkeit und findet von montags bis freitags am Vormittag bis mittags statt. Ganz selten sind Sargträger am Wochenende im Einsatz. Es kann durchaus vorkommen, dass es Tage gibt, an denen ein Sargträger bei zwei oder drei Beerdigungen im Einsatz ist. Aber ebenso kommt es vor, dass er in einer Woche nur einmal oder zweimal gebraucht wird. Eine gewisse zeitliche Flexibilität ist von Vorteil.

Interessenten gesucht

Wer Interesse hat, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen und sich darüber zu informieren, wie der genaue Ablauf dieser Tätigkeit aussieht, der kann sich an Mirjam Helmus-Fohrmann, Telefon 99 28 60, wenden. Eine ehrenhafte Aufgabe ist es, Verstorbene würdig auf dem letzten Weg zu begleiten. Foto: Fohrmann

Autor:

Heike Marie Westhofen aus Mülheim an der Ruhr

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