VHS in der MüGa
Barrierefreie VHS-Bildung

Am Freitag, den 21.02 2020, habe ich nachmittags die derzeitige VHS an der Aktienstraße besucht, um mir endlich mal ein eigenes Bild von der Örtlichkeit zu machen. Das Problem des knappen Parkraumes stellte sich für mich nicht, da ich als Rollstuhlfahrer einen von drei reservierten Parkplätzen in der Nähe des Eingangs nutzen konnte. Eine Rampe an der Gebäudeseite habe ich nach kurzer Suche mit Hilfe meiner Frau gefunden. Nach dem Betätigen einer Ruftaste wurde mir schnell von einem freundlichen Mitarbeiter der Bewachungsfirma die Seitentür geöffnet, um so in das Gebäude zu gelangen. Während ich mit meinem Rollstuhl in einem sehr schmalen Fahrstuhl in die erste Etage gelangte, zog es meine Frau vor, die Treppe zu benutzen. Da mein Rolli "elektrifiziert" ist, kann ich mich in der Regel auch ohne Hilfe damit fortbewegen.
Eigentlich wollten wir noch den neuen Anbau aufsuchen, aber ein paar Treppenstufen hinderten mich daran. Einen Treppenlift konnte ich mangels Schlüssel nicht benutzen. Also ging es weiter in dem zuerst in Betrieb genommenen Teil der Ersatz-VHS. Der lange schmale Gang verdeutlichte sofort, welche Aufgabe das Gebäude früher einmal hatte. Auf der einen Seite waren Fenster zum Erweiterungsbau. Gegenüber waren Türen zu den Kursräumen. Zwischen den Türen waren an den Wänden schöne Bilder angebracht. Überhaupt wirkte alles sehr sauber und ordentlich, nur mit dem Rollstul war's eben eng! Wenden konnte ich im Rolli nur an wenigen Stellen mit länglichen Nischen auf der Fensterseite, schließlich war ich bemüht, nix zu beschädigen! Einen weiteren Übergang zum Erweiterungsbau konnte ich abermals nicht benutzen. Wieder waren ein paar Treppenstufen "im Weg". Es gab hier keinen Lift, und nur einen Handlauf an einer der beiden Seite. Meine bereits wiedererlangte Fähigkeit einige Meter mit Gehilfe zu laufen konnte ich somit nicht nutzen, da meine linke Hand noch nicht wieder verlässlich funktioniert.
So langsam begann ich zu überlegen, wie denn wohl im Notfall eine Flucht aus dem Gebäude ablaufen könnte. Mir wurde schnell klar, dass nicht nur ich mit meinem Rolli Schwierigkeiten haben würde. Für alle anderen Besucher wäre ich wegen der Enge in den langen Gängen ein erhebliches Hindernis! Und das alles soll so wie es ist genehmigt worden sein?! Ich kann das einfach nicht verstehen......
Da wird die VHS in der MüGa von jetzt auf gleich dicht gemacht, weil Rauch durch nicht verschlossene Schachtöffnungen dringen könnte. Aber dort gab es wenigstens mehrere schnellstens zu erreichende Fluchtwege!
Ein beklemmendes Gefühl kam in mir hoch, ich wollte nach draußen. Achja, etwas Positives gibt es zu vermerken. Vor dem Verlassen der Ersatz-VHS habe ich noch das WC für Rollstuhlfahrer aufgesucht. Es ist wirklich perfekt geworden! Bewegungsfreiheit und Ausstattung sind optimal. Allerdings handelt es sich um das einzige behindertengerechte WC im gesamten Gebäude. Im langgestreckten Anbau mit viel zu langen Fluren gibt es keine, so dass man bei einem Aufenthalt in diesem Gebäudeteil jedesmal diesen unglaublich langen Flur entlang und mit dem Treppenlift zum Behinderten-WC im Hauptgebäude fahren müsste. Eine Zumutung!
Beim Verlassen des Parkplatzes wurde es drängelich. Offensichtlich stand ein Kursbeginn bevor, und aus beiden Richtungen der Aktienstraße wollte Fahrzeuge auf den Parkplatz. Der übrige starke Fahrzeugverkehr wurde nicht unerheblich beeinträchtigt! Dagegen waren die Verhältnisse an der Bergstraße geradezu paradiesisch!
Wieder Zuhause habe ich abends dann im Gespräch mit meiner Frau das Erlebte verarbeitet.
Bis dato basierte mein Wissen lediglich auf Zeitungsartikel und Gehörtes. Die "alte" VHS in der MüGa hat vor allem meine Frau in einer Vielzahl von beruflichen Fortbildungsveranstaltungen und Hobbykursen kennen gelernt. Ich selbst habe vor einigen Jahren mit einem Kollegen aus Ratingen an einem Computer-Kurs teilgenommen. Wir haben uns dort wohlgefühlt. Das Lernen und Vertiefen der Kenntnisse hat Spaß gemacht! In dem aufwendig umgebauten Gewerbegebäude werden weder der Aufenthalt noch das Lernen Freude machen - wie es der Slogan auf dem Titelblatt der VHS-Programm vorgaukelt!
Und nun wollen ein paar städtische Besserwisser (oder wer auch immer) uns erzählen, das alles sei auch in der Lernfabrik auf der Aktienstraße möglich? Da kann ich nur erwidern, wir besuchen lieber eine VHS, deren Brandschutz vorschriftsgemäß wiederhergestellt wurde und die zunächst ohne Renovierungsarbeiten auskommen kann. Es geht nicht nur um das schlichte Lernen. Das Drumherum und die Möglichkeiten zum Gedankenaustausch in einer ansprechenden Umgebung (die "gemütlichen" Aufenthaltsräume auf der Aktienstraße sind ein Witz!) sind Voraussetzungen für eine VHS in der das Lernen Spaß machen soll!
Jetzt, wo ich in diesem Gebäude auf der Aktienstraße war, wird mir erst wirklich bewusst, wie sehr man seitens der Stadtverwaltung versucht, uns Mülheimer zu täuschen!

Autor:

Heinz-Werner Moog aus Mülheim an der Ruhr

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