Europa mangelt es an einer verbindenden Ideologie
Braucht Europa eine friedliche Kulturrevolution?

Flagge eines geeinten Europas

Europa wächst mit jedem neuen Mitglied aber es wächst nicht zusammen. Die wiederstrebenden Interessen verhindern ein gemeinsames Vorgehen. Die Konkurrenz in den USA und Asien weiß das zu nutzen.

Ein Blick nach China, das sein 70-jähriges Bestehen als Volksrepublik feiert, muss uns zu denken geben. Ein Land, das bei seiner Gründung 1949 durch den damaligen Parteichef Mao Zedong, strukturell und wirtschaftlich am Boden lag, ist heute eine wirtschaftliche und technologische Großmacht.

Ein Blick nach Europa, wo im Jahr 1957 die Europäische-Wirtschaftafts-Gemeinschaft gegründet wurde, die einen Nachkriegsaufschwung erster Güte erlebte und heute als Europäische Union mit 28 Mitgliedstaaten in einer Krise ersten Ranges steckt, löst in Sachen Zukunftschancen ernste Bedenken aus.

Betrachten wir die chinesische Situation, ist sie von Fortschritt, Wachstum und Aufschwung geprägt. Im Jahr der Proklamation gab es in der Volksrepublik 580 Mio. Bürger. Deren Zahl hat sich über die siebzig Jahre auf 1.4 Mrd. erhöht. Keine leichte Aufgabe, ein Volk dieser Größenordnung in einem Land solchen Ausmaßes und so zahlreichen Volksgruppen beisammen zu halten, geschweige denn auf Erfolgskurs zu bringen. Es hat jedoch funktioniert, und zwar in erster Linie ideologisch und unter Einbeziehung der chinesischen Tugenden, wie Fleiß, Disziplin, Gehorsam und Linientreue.
Die Kehrseite der Medaille ist ein diktatorisches Regime, das ohne Rücksicht auf die Belange Einzelner und unter Missachtung der Menschenrechte, wenn nötig auch mit Gewalt, alle strikt auf ideologischem Kurs hält. Solange das Volk mehrheitlich auf Kurs bleibt, ist der Erfolg offenbar nicht gefährdet.

Betrachten wir Europa, respektive die Europäische-Union (EU), waren bei der Gründung der Europäischen-Wirtschafts-Gemeinschaft (EWG), die 1957 durch die römischen Verträge erfolgte, 6 Staaten dabei. Inzwischen sind es achtundzwanzig und die Ausdehnung Richtung Osten, die nach Auflösung der UdSSR möglich wurde, ist dabei erheblich. Nur gibt es in der EU dadurch auch 28 Staatslenker*innen, die alle ihre nationalen Interessen verfolgen oder sogar auf Grundlage ihrer Verfassung verfolgen müssen. In föderalistischen Staaten, wie der Bundesrepublik Deutschland, gibt es dann noch 16 Landesfürsten, die in erster Linie die Interessen ihrer Länder im Auge haben.

Der EU mangelt es an einer verbindenden Ideologie und einer gemeinsamen Vision. Es gibt keine autonome Führung mit ausreichend Kompetenzen um zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Es fehlt die gemeinsame Sprache. Die Vorzüge der Individualität sind auch gleichzeitig der Hemmschuh kollektiven Denkens und Handelns. Alle Vorhaben und Prozesse dauern lange und bedürfen freiwilliger Mehrheiten, die in einer solchen Gemeinschaft schwer zu finden sind. Solange die Separatisten dieses System nicht völlig destabilisieren, scheint noch nicht alles verloren.

Braucht die EU eine friedliche Kulturrevolution, um die Grundlagen für eine ideologische und visionäre Gemeinschaft zu schaffen, die ihre Konkurrenzfähigkeit und damit ihr Überleben sichern kann?

Oder ist die EU ein Irrweg? Ist eine unverbindliche Wertegemeinschaft aus separaten Staaten die logische Konsequenz der aktuellen Belange und Entwicklungen in den Mitgliedsstaaten?

Betrachtet man die aktuelle Situation in Brüssel, ist Skepsis angebracht.

Autor:

Friedhelm Tillmanns aus Mülheim an der Ruhr

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