Modellprojekt in Mülheim
Eigentum verpflichtet - Integrationsprojekt für Reiche

Barbara Schmidt will als Integrationsbeauftragte für Vermögende der Spaltung der Stadtgesellschaft von einer neuen Seite entgegentreten.
  • Barbara Schmidt will als Integrationsbeauftragte für Vermögende der Spaltung der Stadtgesellschaft von einer neuen Seite entgegentreten.
  • Foto: Eigentum verpflichtet e.V.
  • hochgeladen von Andrea Rosenthal

Ein Integrationsprojekt für Menschen mit Vermögenshintergrund? Diese Beschreibung lässt zunächst stutzen, richten sich Integrationsbemühungen doch sonst eher an Menschen, die aufgrund von Sprachbarrieren, körperlichen Handicaps oder eigenen kulturellen Blasen außerhalb der Gesellschaft zu stehen scheinen. Tun Reiche dies? 

Von Andrea Rosenthal

Der Berliner Verein Eigentum verpflichtet, scheint den Bedarf zu sehen und hat Mülheim als Modellprojekt mit eigener Integrationsbeauftragter gestartet. In der vergangenen Woche hat Barbara Schmidt die Arbeit aufgenommen.

Dazu erklärt Eigentum verpflichtet: "Mit diesem zeitlich befristeten Projekt will der Verein erstmals in Deutschland Inklusions- und Integrationsmaßnahmen für wohlhabende Gesellschaftsschichten
umsetzen. Denn erst Integration und gesellschaftliche Teilhabe aller macht Städte lebenswert und zukunftssicher."

Schon im  Grundgesetz steht in Artikel 14, Absatz 2, ein wichtiger Satz, der in der gesellschaftlichen Realität oftmals aus dem Blick gerückt scheint. Für die Arbeit von Barbara Schmidt hingegen soll alles um den Grundsatz gehen: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Der Verein sucht nach Lösungen für eine nachhaltig solidarische Integrationspolitik auf der vermögenden Seite des gesellschaftlichen Spektrums. Eigentum verpflichte entwickelt  Handlungsempfehlungen für die Politik zur besseren Geltendmachung der Sozialbindung des Eigentums, wie sie im Grundgesetz verankert ist.  So heißt es: "Auch in vermögenden Gesellschaftsschichten muss Integration nicht nur gefördert, sondern konsequent eingefordert werden. Nur der Schulterschluss einer mutigen Politik mit einer engagierten Zivilgesellschaft kann der tiefgreifenden sozialen Spaltung entgegenwirken."

Gesellschaftliche Grenzen überwinden

Wenn das Mülheimer Modellprojekt erfolgreich ist, sollen bundesweit Kommunen dem Vorbild folgen. Die Integrationsbeauftragte für Menschen mit Vermögenshintergrund Barbara Schmidt sagt
dazu: „Aus meiner bisherigen Arbeit an Mülheimer Schulen weiß ich, dass Integration keine Einbahnstraße ist. Sie betrifft alle Schichten der Gesellschaft. Auch bei Kindern und Jugendlichen
kann sie nur funktionieren, wenn auch bei der Elterngeneration Integrationsmaßnahmen umgesetzt
werden. Deshalb freue ich mich schon sehr auf meine neue Aufgabe hier in Mülheim an der
Ruhr. Es geht mir darum, für Menschen mit Vermögenshintergrund erweiterte Zukunftsperspektiven
der gesellschaftlichen Teilhabe zu schaffen, die über die Netzwerke der eigenen Gesellschaftsschicht
hinausgehen. Nur so kann das Eigentum zum Wohle der Allgemeinheit eingesetzt werden.“

Zur Modellregion Mülheim heißt es, dass die Stadt eine besonders große soziale Spaltung aufweist: "In keiner anderen Stadt steigt die Kinderarmut so rasant wie in Mülheim an der Ruhr. Mittlerweile lebt bereits jedes vierte Kind in Armut und jedes dritte ist davon bedroht. Gleichzeitig ist seit 2010 die Anzahl der Einkommensmillionäre um fast 50 Prozent gestiegen. Hinzu kommt die immer größer werdende räumliche Segregation, die in zunehmendem Maße die Ruhr zu einem Grenzfluss zwischen Arm und Reich macht. Dieser Spaltung entgegenzuwirken hat sich Eigentum verpflichtet  zur Aufgabe gemacht."

Autor:

Andrea Rosenthal aus Mülheim an der Ruhr

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