Mülheim stellt sich quer gegen die AfD.Die Polizei zeigte Präsenz
Ein starker Strom gegen Rechts

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Tausende sammelten sich auf dem Kurt-Schumacher-Platz gegen 17 Uhr. "Mülheim stellt sich quer" ist die Reaktion auf den Bürgerdialog, der zur Zeit in der Stadthalle abgehalten wird. Die Aufrufe zur Demonstration gegen Rechts füllten seit zwei Wochen die lokalen Medien. Heute erhielt Mülheim Unterstützung von "Essen stellt sich quer", deren Teilnehmer mit der U-Bahn angereist kamen.


Es war ein beeindruckender Anblick auf dem Kurt-Schumacher-Platz: Junge, Alte, Kinder, Babys, ganze Familien, Nachbarn aus Mehrfamilienhäusern, Parteimitglieder der SPD, CDU, Die Grünen, Die Linke. Nicht weniger als 33 Institutionen und Parteien hatten sich im Vorfeld zur Demonstration bereit gezeigt. Und die Polizei zeigte starke Präsenz mit circa 100 Einsatzkräften. Die Demonstranten trommelten, klapperten mit Kochlöffeln gegen Deckel, bliesen schrill in Trillerpfeifen und mit Samba Rhythmen kam Musik in die Demonstration.

Ein unablässiger Strom von Menschen setzte sich kurz vor halb sechs über die Leineweberstraße in Bewegung. Es werden zwischen 2.500 und 3.000 Demonstrierende gewesen sein, die Haltung gegen Rechts zeigten. Ihr Ziel: Die Stadthalle, in der zur Zeit die AfD einen "Bürgerdialog" abhält. Dafür hat die blaue Partei eine ihrer Spitzen anfahren lassen: Alice Weidel. Außerdem sollen Martin Vincentz (Landtagsabgeordneter), Markus Wagner (Landtagsfraktionsvorsitzender und Gabriele Walgner-Demolsky (Stellvertreterin von Wagner) den Bürgerdialog an Weidels Seite begleiten.

Stadthalle abgeriegelt von Polizisten

Die Stadthalle wurde komplett abgeriegelt durch die Polizei. Sperrgitter und dahinterstehende Polizisten verhinderten den Zugang zum Platz, um den AfD Anhängern eine Möglichkeit zur Teilnahme zu geben. Die Menge formierte sich gedrängt um die abgeriegelte Zone. Friedlich, aber mit viel Lärm. Ab und an skandierten Gruppen "Es gibt kein Recht auf Nazi Propaganda", oder "AfD raus".

Dieter Spliethoff (SPD), fand: "Es ist ermutigend, so viele Menschen hier zu sehen. Das ist ein gutes Gefühl! Das macht Mut."  Silvia Walkenbach-Mast (Künstlerin) hatte einen guten Grund, mit dabei zu sein: "Ich habe mich gefragt, was ich in fünf Jahren vielleicht sage, wenn jemand mich fragt "Und? Was hast Du gemacht, als die AfD immer stärker wurde?". Soll ich dann sagen, dass ich auf dem Sofa gesessen habe zu Hause?", fragt sie. Und darum ist sie heute dabei.
In der Menge ist immer wieder zu hören: "Wie schön, dass wir so viele sind!" "Ich bin stolz auf meine Stadt, die mobil wird gegen Rechts."  Ein Gemeinschaftsgefühl, das dringend notwendig ist in dieser politisch unruhigen Zeit, macht sich breit. 

Wer in die Halle wollte, musste die Polizei fragen

Für vereinzelte AfD Anhänger, die am Bürgerdialog teilnehmen wollten, war es nicht einfach, in die Halle zu gelangen. Sie mussten die Polizei ansprechen. Kurz vor 19 Uhr, teilte Personal aus der Halle etwa 20 wartenden Personen über ein Metallgitter abseits der Menge mit, dass es keinen Einlass mehr gibt - wegen Überfüllung. Das löste Unmut bei einer Handvoll AfD Anhängern aus, die zum Teil weit angereist waren. Aber das Personal war unerbittlich. Niemand kam mehr hinein.

Bis circa 19.30 Uhr verhielten sich die Demonstranten friedlich. Mittlerweile hatten sich bereits Hunderte auf den Heimweg gemacht. Der WDR meldet derweil, dass Demonstranten versucht hätten, die Halle zu stürmen und von der Polizei daran gehindert wurden. Das allerdings fand abseits der großen Demonstration statt und drang nicht zur großen Gruppe vor.

Aus dem abschließenden Polizeibericht

In der Innenstadt kam es rund um die Stadthalle zu größeren Verkehrsstörungen. Polizisten begleiteten und sicherten den friedlichen Demonstrationszug bis zum Eintreffen an der Stadthalle. 
Dort musste die Bergstraße in Fahrtrichtung Hafen für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden.

Während mehrere tausend Menschen friedlich ihr Recht auf Demonstration und freie Meinungsäußerung wahrnahmen, musste die Polizei nur bei einigen wenigen Vorkommnissen eingreifen: Störungen fanden durch einige Personen statt, die versuchten,. den Eingang der Stadthalle zu stürmen. Sie wurden vom Platz verwiesen. Zwei Flaschen wurden in Richtung Stadthalle geworfen. Eine weitere Anzeige war fällig, weil ein Autofahrer von mehreren Personen daran gehindert wurde,  auf den Parkplatz zu fahren. Dabei kam es zu einer Auseinandersetzung, in dem der Fahrer aus dem Auto gezogen und sein Fahrzeug beschädigt worden sein soll.  Zufällig anwesende Pressevertreter verhinderten weitere körperliche Angriffe. Die Polizei stellte die Personalien der tatverdächtigen Personen fest. Nach Rücksprache mit der Polizeiführung wurde das Ende der Demonstration eine halbe Stunde nach hinten verschoben, sodass die Versammlung gegen 20.30 Uhr beendet wurde.

Eine erweiterte Berichterstattung und Stimmen zur Veranstaltung lesen Sie hier.

Autor:

Heike Marie Westhofen aus Mülheim an der Ruhr

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