Eine städtische Fehlplanung - Aufzug am RS1 entwickelt sich zum Dauerärgernis

Mit Flatterband abgesperrt, ein fest angebrachtes Schild weist eine Umleitung aus - ein Aufzug im Dauerstillstand. Fotos (2): PR-Foto Köhring
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  • Mit Flatterband abgesperrt, ein fest angebrachtes Schild weist eine Umleitung aus - ein Aufzug im Dauerstillstand. Fotos (2): PR-Foto Köhring
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Ein Unikat ist dieser Aufzug am Radschnellweg RS1. Extra für diesen Ort am Radschnellweg im Bereich Hoch-/Ruhrpromenade konzipiert. Eine Krone der Planungs- und Ingenieurskunst stellt der Glasbau nicht dar. Er ist ständig defekt, auch aktuell.

Die Fraktion der Grünen hat die Geduld verloren. Sie bringen für die September-Sitzung des Planungsausschusses alternativ den Bau einer Fahrrad-Rampe ins Spiel. „Technik kann begeistern, wenn sie denn dauerhaft funktioniert“, stellt Fraktionsmitglied Carsten Voß fest. Deren Versagen - auch durch Vandalismus ausgelöst - führten seit Eröffnung des ursprünglich rund 275.000 Euro teuren Aufzuges immer wieder zu Ausfällen. Auch wenn es manchem schwerfalle, müsse man das Scheitern der Aufzugsidee einräumen. Alternativen seien gefragt. Dieses Scheitern soll der Ausschuss nun feststellen und die Verwaltung mit der Erarbeitung von Handlungsmöglichkeiten wie dem Bau einer Rampe oder Spindel beauftragen.

Beton hätte die Aufheizung gemindert

Glas heizt sich bei Sonneneinstrahlung bekanntlich stark auf. Das hätte auch dem städtischen Planungsausschuss bekannt sein dürfen. Ebenso wie die Tatsache, dass der Standort des Lifts über keinerlei Schatten verfügt. Bei einer Innentemperatur von 40 Grad schaltet sich der Aufzug automatisch ab. Ein Wert der in dieser Kabine bei prallem Sonnenschein schnell erreicht wird, da die beauftragte und verbaute Lüftung für das zuletzt herrschende Wetter nicht ausreicht. Höhere Temperaturen im Sommer, der Klimawandel sollte auch im Rathaus bekannt sein. Eine Betonverschalung hätte zweifelsfrei die Aufheizung der Kabine mindern können. Der Planungsausschuss stellte jedoch offensichtlich eine subjektiv ansprechendere Gestaltung vor Funktion.

Die Kosten trägt allein die Stadt

Rainer Verhufen (Amt für Verkehrswesen, Projektleiter RS1) redet nicht lange um den buchstäblich heißen Brei herum: "Die Temperaturproblematik dieses Standorts wurde sicherlich nicht zu 100 Prozent berücksichtigt. Die aktuelle Lüftung reicht nicht aus. Es sind Optimierungen der Technik notwendig." Damit nicht genug sind Türen und Antriebstechnik nach einer kürzlichen Notrettung zweier Personen massiv beschädigt. Über die jetzt anfallenden Kosten - sie gehen allein auf das Konto der Stadt, da der Hersteller dem Lastenheft vollständig entsprochen hat und nicht haftbar ist - kann Verhufen noch keine Aussage machen. Er sagt zum Ablauf: "Nach Anfertigung der nun notwendigen Teile wird der Aufzug repariert und die Lüftung angepasst. Ich gehe von insgesamt rund sechs Wochen aus. Am Ende der Ferien sollte der Aufzug wieder funktionieren."
Eine klare Aussage trifft er zum alternativen Bau einer Rampe oder Spindel: "Bei maximal sechs Prozent möglicher Steigung ist eine Länge von 150 Metern notwendig. Als Rampe ausgeführt, wäre man da bereits am Fluss. Was die Kosten angeht: Bei diesen Varianten sprechen wir von einem siebenstelligen Betrag."
Immer wieder Ausfälle - inzwischen weist auch ein Schild eine Umleitung aus. Das Schild ist nicht improvisiert, es wirkt eher so, als seien dauerhafte Aussetzer der Technik schon fix einkalkuliert. „Wir brauchen“, fordert Grünen-Fraktionsmitglied Carsten Voß abschließend, „eine dauerhafte und kostengünstige Lösung. Ein Weiter so schadet der Nutzbarkeit und dem Renommée des Radschnellweges.“ Der gläserne Aufzug steht ganztägig in der gleißenden Sonne - entsprechendes Wetter vorausgesetzt.

Autor:

Marc Keiterling aus Mülheim an der Ruhr

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