Volkstrauertag
Erinnerung und Mahnung für die Zukunft

Superintendent Gerald Hildebrand am Mahnmal des Unbekannten Soldaten an der Kettwiger Straße.
  • Superintendent Gerald Hildebrand am Mahnmal des Unbekannten Soldaten an der Kettwiger Straße.
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Bei der Volkstrauertags-Kundgebung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge konnte des Vorsitzender Markus Püll heute deutlich mehr Teilnehmer als in den Vorjahren begrüßen. Püll, Superintendent Gerald Hillebrand und Bürgermeisterin Margarete Wietelmann machten in ihren Gedenkansprachen deutsch, dass der nach dem Ersten Weltkrieg eingeführte Volkstrauertag nichts an seiner Aktualität verloren habe. "Der Tag führt uns allen vor Augen, dass wir alle uns fragen müssen, was wir persönlich dafür tun können und tun müssen, um Frieden und Demokratie zu bewahren", sagte Wietelmann. Püll bedankte sich ausdrücklich bei den Mülheimer Schülern, die auf Initiative des Jugendstadtrates ein Zeichen für Frieden und Toleranz gesetzt hätten, in dem sie die Gräber von gefallenen Soldaten und Zwangsarbeitern gesäubert haben.

Der Superintendent erinnerte an das Leitwort des Volkstrauertages: "Den Toten zum Gedenken. Den Lebenden zur Mahnung!" Dieses Wort aufgreifend kritisierte er "das in unseren Tagen wieder neu aufkommenden Wort- und Waffengerassel." Pfarrer Hillebrand warnte mit Blick in die Zukunft vor einer "fatalen Vergesslichkeit", wenn es "in unserem Alltag darum geht Frieden und Freiheit zu bewahren und Krieg und Gewalt zu verhindern." Angesichts der geschätzt rund 80 Millionen Menschenleben, die die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts gefordert haben und den 68 Millionen Menschen, die derzeit weltweit vor Krieg und Gewalt in ihrer Heimat fliehen müssen, erhielten die von Hillebrand vorgetragenen Gedicht-Verse Kurt Tucholskys aus dem Jahr 1926 eine berührende und bedrückende Aktualität.

Der Graben

Mutter, wozu hast du deinen Sohn aufgezogen?
Hast dich zwanzig' Jahr mit ihm gequält?
Wozu ist er dir in deinen Arm geflogen,
und du hast ihm leise was erzählt?
Bis sie ihn dir weggenommen haben.
Für den Graben, Mutter, für den Graben.

Junge, kannst du noch an Vater denken?
Vater nahm dich oft auf seinen Arm.
Und er wollt dir einen Groschen schenken,
und er spielte mit dir Räuber und Gendarm.
Bis sie ihn dir weggenommen haben.
Für den Graben, Junge, für den Graben.

Drüben die französischen Genossen
lagen dicht bei Englands Arbeitsmann.
Alle haben sie ihr Blut vergossen,
und zerschossen ruht heut Mann bei Mann.
Alte Leute, Männer, mancher Knabe
in dem einen großen Massengrabe.

Seid nicht stolz auf Orden und Geklunker!
Seid nicht stolz auf Narben und die Zeit!
In die Gräben schickten euch die Junker,
Staatswahn und der Fabrikantenneid.
Ihr wart gut genug zum Fraß für Raben,
für das Grab, Kameraden, für den Graben!

Werft die Fahnen fort!
Die Militärkapellen spielen auf zu euerm Todestanz.
Seid ihr hin: ein Kranz von Immortellen -
das ist dann der Dank des Vaterlands.

Denkt an Todesröcheln und Gestöhne.
Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne,
schuften schwer, wie ihr, ums bißchen Leben.
Wollt ihr denen nicht die Hände geben?
Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben
übern Graben, Leute, übern Graben -!

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