Erregte Diskussionen im Rat der Stadt um die Schuldfrage beim Neubau der Thyssenbrücke

In den Osterferien wurden die Träger auf den Unterbau montiert - kurz danach stand fest: Das passt nicht richtig.
  • In den Osterferien wurden die Träger auf den Unterbau montiert - kurz danach stand fest: Das passt nicht richtig.
  • Foto: PR-Foto Köhring
  • hochgeladen von Regina Tempel

Der Stadtrat beschäftigte sich mit den Problemen beim Neubau der Thyssenbrücke zwischen Innenstadt und Styrum. Bis zu den Herbstferien soll die neue Brücke mit Fahrbahnbelag und Gleisen der Straßenbahn fertiggestellt sein. Dann soll die direkt nebenan befindliche und marode alte Brücke zurückgebaut werden. Doch nun droht Verzögerung.

Die Träger schweben in der Luft

Zwar wurden wie geplant Stahlträger über Bahnstrecke und Mannesmanngleise gelegt und miteinander verschraubt. Doch dann fiel auf, dass Bauteile nicht zueinander passen. Die Träger liegen am letzten Betonpfeiler nicht auf, sondern schweben fünf bis sieben Zentimeter darüber in der Luft. Es wurde also augenscheinlich entweder fehlerhaft geplant oder falsch gebaut. Neben der Stadt Mülheim in Bauherrenfunktion sitzen die Planer-Arbeitsgemeinschaft Schüssler-Plan und Grassl sowie die bauausführende Firma Heinrich Walter Bau / Eiffage im Boot.
Johannes Terkatz war empört: „Seit vier Wochen scheint sich da nichts mehr zu tun. Warum erfuhren die Ratsfraktionen davon erst zum Beginn dieser Woche?“ Der zuständige Beigeordnete Peter Vermeulen nahm Stellung. Geprüft wurde bisher, ob die Brücke trotz des Fehlers weitergebaut werden kann. Ergebnis: „Es scheint möglich zu sein, den Mangel zu beheben, aber es sind Änderungen gegenüber der Ursprungsplanung erforderlich. Da müssen wir die Schlagzahl erhöhen, das bedeutet Mehrkosten. Deren Höhe kennen wir noch nicht.“ Noch keine Klärung gebe es in der Frage, wer diese Mehrkosten zu verantworten habe. Auch gebe es keinen Baustopp, gewisse Arbeiten liefen weiter, nur eben nicht die im betroffenen Gebiet: „Bis zur Klärungen der Verantwortung achtet die Stadt darauf, dass keine Beweise verbaut werden.“ Die bauausführende Firma wollte sich nicht auf einen gemeinsamen Gutachter einigen und habe sofort einen eigenen bestellt. Vermeulen: „Wir werden uns nicht dem Sachverständigen der ausführenden Firma anheim geben. Die Planer werden genauso kritisch befragt.“ Man komme wohl nicht um ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren herum. Das Verfahren könne beschleunigt werden, wenn sich alle drei Parteien auf einen gemeinsamen Sachverständigen einigen könnten.

Die Kuh vom Eis bekommen

Jochen Hartmann unkte, ihm sei gesteckt worden, die betreffende Firma habe eine größere Rechtsabteilung als Arbeiter auf der Baustelle. Das könne dann ja dauern. Peter Vermeulen betonte: „Wir wollen so schnell wie möglich die Kuh vom Eis bekommen.“ Doch wenn nicht? Lothar Reinhard fragte nach dem Worst-Case-Szenario: „Was, wenn die Zeit für die neue Brücke nicht reicht und wir abgekoppelt werden? Darf dann überhaupt im Juli mit der an der Eppinghofer Straße geplanten Großbaustelle begonnen werden?“ Vermeulen möchte ruhig bleiben: „Momentan steuern wir weiterhin die Herbstsperrpause an. Wenn wir allerdings die alte Brücke vom Verkehr nehmen müssen ohne Ersatz, dann haben wir ein Problem.“ Gerne wolle er die Stadtverordneten auf dem Laufenden halten. Das reichte Dieter Spliethoff so nicht: „Wir erwarten, dass wir unverzüglich informiert werden über solche Maßnahmen, die die ganze Stadt bewegen.“ Heinz Borchardt hakte nach: „Ich gehe davon aus, dass unsere Rechtsansprüche rechtzeitig ermittelt und auch gestellt werden.“ Frank Wagner fragte, wann denn mit Ergebnissen zu rechnen sei. Dazu stellte Stadtdirektor Dr. Frank Steinfort klar: „Wir können noch nichts sagen. Zurzeit weiß keiner, wer schuld ist. Wer behauptet, er weiß was, der lügt. Sobald es uns möglich ist, werden wir ihnen Ergebnisse mitteilen.“

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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