Pflege
Fachtag im Altenhof diskutiert über Personalmangel und die Situation der pflegenden Angehörigen

Jörg Marx

Schon heute fehlen nach Angaben der Bundesregierung in Deutschland 25.000 Pflegefachkräfte. Gleichzeitig werden 68 Prozent der derzeit 3 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland in ihrer Familie von Angehörigen gepflegt. Der Pflegebedarf wächst mit der Alterung unserer Gesellschaft. In Mülheim an der Ruhr sind fast 30 % der Menschen älter als 60 Jahre. Dass viele Menschen bis ins hohe Alter aktiv und sehr oft bürgerschaftlich engagiert sind, ist für unsere Stadt ein Glücksfall. Gleichzeitig stellt die Versorgung hochaltriger Menschen durch eine gute Altenpflege alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Das Wort vom Pflegenotstand macht die Runde. Es fehlen überall im Land Fachkräfte, die diese Versorgung übernehmen. Die Aktiven der Dialog-Offensive Pflege, das Mülheimer Bündnis der Menschen, die sich für die Würde und Lebensqualität Pflegebedürftiger und der sie Pflegenden einsetzt, lädt am 12. Dezember in der Zeit von 10 bis 16 Uhr in den Altenhof an der Kaiserstraße ein, sich gemeinsam zu diesem Thema zu beraten. Was an diesem Tag stattfinden wird, erläutert Jörg Marx, Sozialplaner und Projektentwickler im Sozialamt der Stadt, der die Dialog-Offensive Pflege von Beginn an begleitet.
 
Herr Marx, wen wollen Sie mit Ihrem Fachtag zum Thema Fachkräftemangel in der Pflege ansprechen?
Eingeladen sind pflegebedürftige Menschen und Menschen die hauptberuflich oder als Angehörige pflegen, aber auch alle, die an dem Thema interessiert sind.

Warum sollte man zu Ihrem Fachtag kommen?
Wir möchten mit den Teilnehmenden Ideen sammeln und nach Lösungen suchen, was sich in Sachen Pflege verändern muss, damit es allen Beteiligten besser geht. Wir fragen uns: „Wie werden wir in Mülheim dem enormen Pflegebedarf gerecht?“ Das Ziel besteht darin, gemeinsam tragfähige Lösungen für unsere Stadt zu finden und noch mehr Menschen in unsere Dialog-Offensive Pflege einzuladen.

Wer steht hinter der Dialog-Offensive Pflege und was ist ihr Ziel?
Die 2010 gegründete Dialog-Offensive Pflege ist eine Initiative von Mülheimer Bürgerinnen und Bürgern sowie Pflege-Profis. Unser Ziel ist der menschenwürdige Umgang mit Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen, ehrenamtlich Tätigen und professionell Pflegenden. Die Dialog-Offensive Pflege ist aus der Kommunalen Konferenz für Alter und Pflege hervorgegangen und agiert eigenständig. Sie möchte dafür sorgen, dass die Menschenwürde und die Lebensqualität von Pflegenden und Pflegebedürftigen gewahrt bleibt.

Wer ist der Kooperationspartner und Ko-Gastgeber der Dialog-Offensive beim Pflegefachtag?
Der Verein Wir pflegen NRW e.V. ist eine Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für pflegende Angehörige in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam wollen die Mitglieder des Vereins die Anliegen der pflegenden Angehörigen in die Pflegegremien und an die Politik tragen, um ihre Rechte zur Unterstützung in der Familienpflege zu stärken. Der Verein sagt zurecht: Pflegende Angehörige haben ein Recht auf mehr Anerkennung ihrer Leistungen in allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen.

Was macht Sie und ihre Mitstreiter so sicher, dass man auf kommunaler Ebene dem Fachkräfteproblem begegnen kann?
Viele Menschen weichen aus verständlichen Gründen diesem schwierigen Thema aus oder haben Angst davor, sich damit zu befassen. Die Menschen, die sich mit uns für eine menschenwürdige Pflege einsetzen sind mutig und zuversichtlich und sehen die Chancen die wir haben, wenn wir uns gemeinsam für ein selbstbestimmtes Leben im Alter einsetzen. Sie verschließen nicht die Augen und ducken sich nicht weg. Das, was wir selbst tun können, um die Attraktivität und Anerkennung der Pflegeberufe zu stärken, wollen wir gemeinsam tun und nicht tatenlos darauf warten, bis sich diejenigen bewegen, die hierzu von Amts- oder Berufswegen verpflichtet sind. Unser Ziel ist es ja auch, dass wir uns an diesem Fachtag gegenseitig stärken und ermutigen, in dem wir uns persönlich kennenlernen und damit erfahren, wie es den jeweils anderen geht. Ich wünsche mir, dass am 12.12. viele kommen und wir lebhaft und voller Zuversicht ins Gespräch kommen. Frei nach dem Motto „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“.

Die Fragen stellte Thomas Emons

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