Integrationsratswahl
Grün-Bunte-Liste stellt sich am 13. September den Wählern

Kandidieren für den Integrationsrat: Viktoria Meier, Saadia Ibaoune, Gilberte Raymonde Driesen, Luigino Autieri, Diana Zaza und Omar Mohamad (v.l.).
  • Kandidieren für den Integrationsrat: Viktoria Meier, Saadia Ibaoune, Gilberte Raymonde Driesen, Luigino Autieri, Diana Zaza und Omar Mohamad (v.l.).
  • Foto: Andreas Köhring / PR-Fotografie Köhring
  • hochgeladen von Marcel Dronia

Parallel zur Kommunalwahl wird in Mülheim am 13. September auch der neue Integrationsrat gewählt. 16 Plätze werden von den Wählern direkt bestimmt, acht zudem durch den Stadtrat. Sechs Kandidaten haben sich zu einer „Grün-bunten-Liste“ zusammengetan.

Der Name ist freilich kein Zufall. „Wir bilden den organisatorischen Rahmen“, sagt Fabian Jaskolla, Vorstandssprecher der Grünen. Schließlich sei allein das Aufstellen als Kandidat ein bürokratischer Kraftakt gewesen. Hier griffen die Kommunalpolitiker unter die Arme. Die Liste sei zwar parteinah, aber unabhängig.

Über den Integrationsrat, der das politische Gewicht eines Ausschusses hat, können sich Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an der Kommunalpolitik beteiligen. Einige von ihnen würden sich am liebsten direkt an der Kommunalwahl beteiligen – ob als Wähler oder Kandidat. „Alle, die hier gemeldet sind, sollten das Recht haben, zumindest regional zu wählen“, findet Luigino Autieri. Der 41-jährige Italiener geht noch weiter: „Wenn die Zahl der Migranten fehlt, ist es fast schon ein verfälschtes Ergebnis.“

Mehr Dialog mit Minderheiten gefordert

Gilberte Raymonde Driesen versteht das als fehlende Wertschätzung. „Unsere Mitmenschen sind in wichtigen Bereichen tätig. Würden sie eine Woche nicht arbeiten, geht Mülheim kaputt“, sagt sie. Die 47-Jährige aus dem Senegal ist die Spitzenkandidatin der „Grün-bunten-Liste“. In ihrer Heimat war sie Gymnasiallehrerin. Heute arbeitet sie beim CBE als Projektleiterin, macht entwicklungspolitische Bildungsarbeit und berät Familien mit Fluchterfahrungen. Dass ihre beiden Kinder keine Deutschen sind, „tut weh“.

„Wir wollen, dass ein Dialog mit Minderheiten stattfindet“, sagt Driesen. Demokratie zu gestalten, aber einige Minderheiten auszuschließen, funktioniere nicht. Dies passiere leider immer noch zu häufig, zum Beispiel bei der Wohnungssuche. „Da werden manche gar nicht ernst genommen, das ist eine subtile Diskriminierung“, klagt Driesen an. „Wir sind nicht nur Nehmer, sondern auch Geber“, betont sie.

Marokkanerin will sich vor allem
für die Frauen einsetzen

Saadia Ibaoune aus Marokko lebt seit 1991 in Deutschland und seit 2010 in Mülheim. Sie möchte sich vor allem für die ausländischen Frauen einsetzen. „Ich möchte, dass sie mehr aus dem Haus kommen und ihre Isolation durchbrechen“, sagt die 33-Jährige. Angst vor Vorurteilen, Zurückweisung und die Sprachhürde seien Gründe dafür. „Wir müssen Integration auch zulassen und nicht nur davon reden“, fordert sie.

Luigino Autieri wurde vor allem über den Sport integriert. „Da ist man immer eine Einheit“, weiß er. Mit 30 begann der Italiener noch ein Studium und ist damit ein Beispiel, dass man sich immer noch beruflich weiterentwickeln kann. Über den Integrationsrat möchte er eine große Gruppe der Bevölkerung erreichen.

Noch keine echte Erfahrung
mit der Demokratie

Diana Zaza hatte in ihrer syrischen Heimat noch keine echte Erfahrung mit der Demokratie. Diese möchte die 50-Jährige in Deutschland sammeln. Zu ihrem Bruder hat sie seit zwölf Jahren keinen Kontakt. „Und das nur, weil er in Syrien seine Meinung gesagt hat“, berichtet die Mutter eines 17-jährigen Sohnes. Die Englisch-Lehrerin möchte vor allem die Mehrsprachigkeit fördern.

Um die Sprache geht es auch Viktoria Meier, deren Eltern aus Kroatien stammen. Sie möchte die Frauen stärken, damit sie ihre Stimme erheben. „Aber dazu brauchen sie die Sprache“, sagt das 59-jährige Grünen-Mitglied. „Wir müssen aber auch die Möglichkeiten für Sprachkurse herstellen“, ergänzt Vorstandssprecher Fabian Jaskolla. Allerdings – fügt Gilberte Raymonde Driesen an – dürfe es nicht immer nur um das Deutsche gehen. „Es ist eine Kompetenz, wenn jemand mehrsprachig ist“, sagt die Spitzenkandidatin.

Gruppe will auf jeden Fall zusammenbleiben

Letzter im Bunde der sechs Kandidaten ist Omar Mohamad, ebenfalls aus Syrien. Der 30-Jährige hat soeben seine Ausbildung als Veranstaltungskaufmann im Ringlokschuppen bestanden. Er ist vor allem interessiert an interkulturellen Projekten. „Da ziehen wir ein gemischtes Publikum an“, betont er. Viele müssten sich erst die Demokratie und die Teilhabe daran wirklich bewusst machen. „Viele kennen es gar nicht, deswegen bin ich froh, das machen zu dürfen.“

Wie auch immer die Wahl ausgeht, das Sixtett möchte als Gruppe auf jeden Fall zusammenbleiben. Die Kandidaten können sich eine regelmäßige Sprechstunde vorstellen. Wie viele es bei nur 16 Plätzen in den Integrationsrat schaffen? „Zwei gewählte Kandidaten wären schon gut“, gibt Fabian Jaskolla das Ziel für die Wahl im September aus.

Autor:

Marcel Dronia aus Mülheim an der Ruhr

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