Heinrich Thöne
Mensch, Malocher und Macher

Erst als Deutschland 1918 eine Republik wird, gewinnen die Sozialdemokraten, zu denen jetzt auch der Metallarbeiter und Gewerkschafter Heinrich Thöne gehört, politisch an Gewicht. 1929 wird der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnete Heinrich Thöne erstmals für seine Partei ins Stadtparlament gewählt. Doch seine kommunalpolitische Karriere währt nur kurz. Denn nach der Kommunalwahl vom 12. März 1933 geben auch in Mülheim die Nationalsozialisten und ihr Oberbürgermeister Wilhelm Maerz den Ton an. Sie machen den greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und den Führer der NSDAP Adolf Hitler, den von Hindenburg am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt hatte, zum Ehrenbürger Mülheims.

Der Sozialdemokrat Thöne stimmt dagegen und muss seine Haltung in den kommenden Jahren mit existenzieller Not und Bedrängnis bezahlen. Doch das 1000-Jährige Reich ist nach 12 Jahren zu Ende und hinterlässt auch in Mülheim Trümmerschutt, Not und Elend. Thöne gehört zu den Sozialdemokraten, die die SPD 1945 in Mülheimer wieder gründen. Der inzwischen hauptamtlich für die Allgemeine Ortskrankenkasse tätige Thöne wird nach der ersten Nachkriegs-Kommunalwahl Partei- und Fraktionsvorsitzender der SPD, die ihn schließlich auch zum Bürgermeister wählt.

Bei der Kommunalwahl 1948 wird die SPD erstmals stärkste Partei in Mülheim. Damit ist der Weg frei für einen Oberbürgermeister Heinrich Thöne, der damals nicht von den Bürgern, sondern vom Rat gewählt wird. Obwohl Thöne damals kein hauptamtlicher Oberbürgermeister und Verwaltungschef, sondern ehrenamtliches Stadtoberhaupt und Vorsitzender des Stadtparlaments ist, wird er schnell als bürgernaher OB, dessen Türen für Ratsuchende immer offen stehen, schnell zur populären Gallionsfigur des Mülheimer Wiederaufbaus. An seinem 70. Geburtstag würdigen seine Ratskollegen Thönes Lebensleistung mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. Zwei Jahre später, schließen die Mülheimer 1962 Freundschaft mit ihrer Partnerstadt Tours und füllen die von Konrad Adenauer und Charles de Gaulles begründete Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner mit Leben.

Thönes Bürgernähe und Popularität beschert seiner Partei bei Wahlen mehrfach absolute Mehrheiten, von denen sie heute nur noch träumen kann. Als er sich 1969 aus seinem Amt verabschiedet und Platz für seinen 32 Jahre jüngeren Nachfolger Heinz Hager macht, beschreibt er die wichtigste Einsicht seines Lebens mit dem Satz: "Politische Gegner dürfen nicht zu Feinden werden!"

Zwei Jahre nach seinem Amtsverzicht stirbt Heinrich Thöne. Die Heinrich-Thöne-Stiftung, die Heinrich-Thöne-Volkshochschule und ein nach ihm benanntes Schiff der Weißen Flotte halten seinen Namen im öffentlichen Bewusstsein.

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