Bildungsdezernent Marc Buchholz und Kämmerer Frank Mendack stellten das Gutachten über die VHS vor
Nicht in der Situation für „Wünsch Dir was“

Kämmerer Frank Mendack, die Gutachter Arne Sangerhausen, Frank Kaldewei und Manfred Heine sowie Bildungsdezernent Marc Buchholz.
Foto: PR-Fotografie Köhring
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Aus wirtschaftlicher Sicht wird die weitere Anmietung des ehemaligen AEG-Gebäudes an der Aktienstraße empfohlen. Das ist die Quintessenz des Gutachtens zur Volkshochschule, welches nun den Mitgliedern des Rates vorgelegt wurde.

Am 9. Juli ist ein weiterer Termin zur Beratung und Information durch die Gutachter vorgesehen. Die entscheidende Sondersitzung über die Zukunft der Heinrich-Thöne-Volkshochschule wird am 12. Juli stattfinden. Das teilten die beiden zuständigen Dezernenten Marc Buchholz und Frank Mendack der Presse mit. Der Rat hatte die Verwaltung beauftragt, unter Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit verschiedene Varianten zu prüfen. Eine Sanierung des Gebäudes an der Bergstraße, ein Neubau auf städtischem oder fremdem Grundstück oder die vorhandene Mietvariante.

Kein Spielraum für Investitionen

Mit dem Gutachten beauftragt waren die Berliner Firma PSP-Consultants in Zusammenarbeit mit der Dortmunder Assmann-Gruppe. Deren Gutachter Frank Heiner Kaldewei erklärte das Vorgehen: „Wir gucken uns die Gebäude an von der Gründung bis zum Dach: Was ist da los? Welche Mängel gibt es? Was ist zu tun? Die Begehung erfolgte durch ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Ingenieuren verschiedener Fachrichtungen. Da werden auch Bauteile geöffnet, um genau hinzuschauen. In den 70er Jahren sind regelmäßig noch Baustoffe verwendet worden, die man heute nicht mehr nehmen würde. Da gibt es Durchbruchsituationen, die schon für den Laien gefährlich aussehen.“ Die Kosten für potenzielle Neubauten würden mit Baupreisentwicklung eingepreist: „Wir bauen ja nicht heute.“ Auch müssten je nach Grundstück zunächst Bestandsbauten abgerissen werden. Als städtische Gelände wurden Ruhrufer, Ernst-Tommes-Weg und Bruchstraße betrachtet. Dazu wurde noch für ein fiktives Grundstück berechnet, welches die Stadt erst noch erwerben müsse. Für PSPC erläuterte Arne Sangershausen die Berechnungsgrundlagen für die Wirtschaftlichkeit in einem Zeitraum von 30 Jahren und nannte die Ergebnisse. So wurden die Ausgaben einschließlich Tilgung nach Sanierung mit rund 30,3 Millionen Euro beziffert, die Neubauvarianten lagen um die 24,5 Millionen, während die weitere Anmietung mit 12,2 Millionen zu Buche schlägt. Es gäbe auch den Blickwinkel, die Restbuchwerte der Objekte mit einzubeziehen. Ein angemietetes Gebäude würde da völlig rausfallen und ein Neubau auf fremdem Grundstück wäre zu favorisieren. Doch die Stadt habe nun mal nicht den Spielraum solcher weitgehender Investitionen. Einen Betrieb an der Bergstraße nach Sanierung sehen die Gutachter in allen Varianten als die teuerste Lösung.

Ein emotionales Thema

Ein emotionales Thema, welches die Stadt bewegt. Die Verfechter des Standortes Bergstraße scheuen nicht die schweren Geschütze, die Initiative „Erhalt der VHS“ untermauerte immer wieder ihre Position. Gerade Kämmerer Mendack hatte da einige Vorwürfe einstecken müssen. Doch er bleibt dabei: „Eine sehr wichtige Angelegenheit für unsere Stadt. Ich verstehe die Emotionen. Aber wir wollen über das Gutachten zur Sachlichen Betrachtung zurück finden. In finanziell angespannter Situation ist eine wirtschaftliche Betrachtung unumgänglich.“ Auch habe die Bezirksregierung mitgeteilt, dass es das Recht und die Pflicht der Stadt sei, wirtschaftliche Auswirkungen in dem Entscheidungsprozess zu berücksichtigen. Bildungsdezernent Marc Buchholz stellte zwar klar, dass er ohne Finanzdruck wohl anderes empfehlen würde: „Nach 89 Tagen im Amt muss ich unter besonderem Finanzdruck eine Entscheidung vorbereiten, die nicht einfach ist. Es sind zwei völlig unterschiedliche Gebäude. Ich habe beide besichtigt und muss feststellen, die Aktienstraße ist ein Funktionsgebäude.“ Aber man sei nun mal nicht in der Situation für „Wünsch Dir was“. Da müsse er als Dezernent ganz nüchtern feststellen: „Die Empfehlung scheint alternativlos.“ Er wolle bestimmt nicht derjenige sein, der Investitionen bei Kitas, Schulen oder Sport nach hinten schieben müsse wegen der VHS. Das sei allen denen gesagt, die das Gebäude an der Bergstraße liebgewonnen hätten. Ein Blick rüber zum Kämmerer: „Wir beiden sind uns da einig.“ Frank Mendack nickt: „Wir haben eine Nettoverschuldungslinie von Null. Wir dürfen also höchstens so viel investieren, wie wir an Schulden tilgen. Das sind etwa 10 bis 15 Millionen Euro, je nach Jahr.“ Aber die Nachfrage für dringende Maßnahmen bei Schulbau, Sport, Kitas oder Straßenbau liege bei rund 250 Millionen Euro. Da müsse der Rat dann sagen, welche Entscheidungen er deutlich nach hinten schieben möchte.

Es bedarf guten Willens und Zeit

Nach diesen Aussagen gaben die beiden Verwaltungsspitzen eine durchaus positive Einschätzung des Standortes Aktienstraße ab. Marc Buchholz konnte berichten, dass sich die Zahl der VHS-Kurse auf 300 stabilisiert habe mit leichtem Anstieg: „Irgendwann kann dieser Standort auch die inhaltliche Arbeit der Bergstraße erreichen. Dafür bedarf es aber guten Willens und Zeit.“ Frank Buchwald als Leiter des städtischen Immobilienservices betonte, an der Aktienstraße sei alles auf neuestem Stand und auch behördlich abgenommen: „Die Qualitätsstandards sind teilweise höher als die, nach denen wir als Stadt bauen würden. Der Vermieter kommt uns bei dem Gebäude entgegen und repariert etwaige Schäden zügig. Wir haben ganz wenige Vermieter, mit denen es so gut funktioniert.“
Sollte der Rat sich für die empfohlene Variante entscheiden, stünde die Bergstraße weiter leer. Dazu sagte Frank Mendack: „Da sind wir aktuell noch nicht aktiv. Sobald die Entscheidung getroffen ist, werden wir uns um eine Nachnutzung kümmern. Diese Fläche soll immer öffentlich genutzt werden, da ist man sich im Rat einig.“ Die dann natürlich entstehenden Kosten seien kein Teil der bisherigen finanziellen Betrachtungen. Denn es werde auf jeden Fall dort etwas umgesetzt, für dass der Stadt sonst an anderer Stelle Kosten entstanden wären.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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