SATIRE
Offener Brief

Betreff: Ghost Town

Immense Projekte bedürfen einer langjährigen Planung, vieler Befürworter und eines langen Atems. Es begann alles vor einigen Jahrzenten, als wir den geheimen Beschluss fassten eine bedeutende Stadt zu werden, koste es was es wolle!

Zunächst musste mal so etwas wie eine Dauerbaustelle her, die Aufmerksamkeit und Beschäftigung bringen. So kam es zu dem genialen Cityring. Der wurde so ausgelegt, dass er nie fertig werden kann und beide Voraussetzungen perfekt erfüllt. Als äußeres Zeichen und für alle sichtbar wurde von uns der Hans-Böckler-Platz geschaffen. Die dort errichteten, äußerst ästhetischen Hochhäuser springen jedem Besucher geradezu als monumentales Erkennungszeichen der Stadt und der City ungewollt ins Auge. Nun noch einen Park. Die MüGa mit Aquarius, Camera Obscura und Haus Ruhrnatur, ein echter Husarenstreich in Sachen Entertainment. Die zwischenzeitig entstandene Finanzierungslücke konnten wir durch konsequente Privatisierung auch nicht schließen. Das Schloss Broich ließen wir noch ein bisschen verfallen und die Innenstadt brachten wir, mit dem Jahrhundertprojekt Ruhrbania, auf Kosten der ansässigen Gewerbetreibenden an die Ruhr, obwohl sie schon dort war, und zusätzlich noch an den Rand des Ruins. Die Marina planten wir so, dass niemals ein Schiff dort anlegen wird und so bekamen wir ein Becken für die noch zu installierenden Wasserrutschen. Last but not least, muss jetzt nur noch eine attraktive Geisterbahn her. Ohne viel Kosten, aber auf Kosten der Bürger, legen wir kurzerhand große Teile des ÖPNV lahm. Insbesondere die extra dafür, vor vielen Jahren äußerst vorausschauend geplante U-Bahn-Station „Schloss Broich“ bauen wir jetzt zum Geisterbahnhof um. Nur die gut ausgeklügelte Methode aus der Volkshochschule eine Horrorattraktion zu machen, konnten wir noch nicht vollenden aber wir arbeiten noch daran.

Nach all den Mühen und der perfekten Umsetzung unserer detaillierten Zukunftsplanung stehen wir kurz vor dem lang ersehnten Ziel:

Ghost Town Mülheim – der schrecklichste Freizeitpark an der Ruhr

Nur noch einen Zaun drum und Kassen errichten, dann kann’s losgehen. Das Geld dafür treiben wir kurzerhand über die Grundsteuer ein.

Wenn das alles halb fertig ist und garantiert nicht funktioniert, dann werdet ihr uns endlich verstehen und uns unendlich dankbar sein.

Euer Geisterkabinett

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