Plätze im Ganztag werden für Grundschüler knapp

Auch die Lierbergschule hat eine weitere Betreuungsgruppe für den Ganztag beantragt.
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  • Foto: Nicole Trucksess
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Bisher konnte sich Mülheim rühmen, dass es in der Qualität des offenen Ganztages eine Vorbildfunktion in NRW hat - die erste Ganztagsgruppe einer Schule wird durch zwei Erzieherinnen betreut, für alle folgenden Gruppen sind 1,5 Planstellen vorgesehen. Nachdem der Rat im Dezember aber beschlossen hat, den Etat für den Ganztag einzufrieren, werden nun die Plätze knapp.

Vier Grundschulen haben den Bedarf für weitere Ganztagsgruppen angemeldet, nur zwei Gruppen können durch Personaleinsparungen an anderer Stelle neu eingerichtet werden.Wenn am Montag der Bildungsausschuss tagt, muss man sich entscheiden: Welche Schule bekommt eine weitere Ganztagsgruppe, welche Eltern haben das Nachsehen?

Die Verwaltung hat in ihrer Vorlage schon Prioritäten gesetzt. Sie spricht sich dafür aus, an der Pestalozzi- und am Hauptstandort der Lierbergschule je eine neue Gruppe einzurichten. Bei beiden Schulen sind die nötigen Räume vorhanden. Das Nachsehen hätten dann die Schildbergschule und die Oembergschule. Die Schildbergschule ist seit dem Auslaufen der Grundschule an der Gathestraße auf über 300 Kinder angewachsen, hat aber nur drei OGS-Gruppen. Die Oembergschule, die einen Ganztagszug hat, möchte einen zweiten einrichten.

Anja Seidler macht sich Sorgen. Die Mutter eines künftigen I-Dötzchen ist wie ihr Mann berufstätig. Ob sie das im Sommer noch sein kann, weiß sie nicht. Denn wenn ihr Kind vom Kindergarten mit Ganztagsbetreuung in die Oemberg-Grundschule wechselt, dann ist nicht sicher, ob es auch einen Platz im Ganztag bekommt. Denn es ist fraglich, ob die Oembergschule den zweiten Ganztagszug genehmigt bekommt.

Bedarf für zwei Ganztagsklassen

48 Anmeldungen für den Ganztagszug hat die Schule in diesem Jahr, maximal 28 Kinder können in einer Klasse aufgenommen werden. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Schulen in Mülheim hat die Saarner Grundschule keine offene Ganztagsbetreuung, sondern bildet Eingangsklassen, die im Ganztag unterrichtet werden. Es gibt also in jeder Klassenstufe der fünfzügigen Schule eine Ganztagsklasse. Das bedeutet aber auch: Kommt das Kind nicht in der ersten Klasse in den Ganztag, dann ist die Ganztagsbetreuung auch in den kommenden Klassenstufen nicht möglich. Aufgrund der großen Nachfrage auch im Bereich Betreuung von 8 bis 13.30 können hier auch nur Erst- und Zweitklässler betreut werden.

Anja Seidler steht nicht alleine da mit ihren Sorgen. Auch an der Schildbergschule soll nach Vorlage der Verwaltung die vierte OGS-Gruppe nicht gebildet werden können. Die Schule wächst wegen der Aufgabe der Schule an der Gathestraße, inzwischen hat sie rund 320 Schüler und bietet bisher drei offene Ganztagsgruppen an, die 85 Kindern Platz bieten. Für 106 ist jedoch Bedarf angemeldet. Für 21 Kinder wäre kein Platz, wenn nicht aufgestockt wird.

Schildbergschule wächst rasant

Dass die Verwaltung überhaupt zwei neue Gruppen einrichten kann, liegt an Einsparmaßnahmen an anderen Stellen. Durch die Zusammenlegung der katholischen und evangelischen Grundschule in Styrum wird eine halbe Stelle eingespart. An der Meißelstraße wird die dritte Gruppe im kommenden Schuljahr nicht mehr gebraucht, dadurch werden 1,5 Stellen frei. Auch durch die Auflösung der Gatheschule konnte an der Erich-Kästner-Schule, die die Klassen aufgenommen hat, eine Stelle gespart werden.

Neue Gruppen für Pestalozzi- und Lierbergschule

Uwe Alex, Leiter des Schulamtes, erklärt, warum die Verwaltung sich dafür ausspricht, die beiden neuen Gruppen an der Pestalozzi- und der Lierbergschule einzurichten: „Das sind die beiden Schulen, in denen der Bedarf am höchsten ist und die beide auch inklusiv arbeiten.“ Inklusion, also Unterricht mit Nichtbehinderten und behinderten Kindern gemeinsam, ist ein schulischer Schwerpunkt in den kommenden Jahren.

Es gab auch in den letzten Jahren immer wieder Kinder, die keinen Platz in der offenen Ganztagsbetreuung gefunden haben, aber das waren „Einzelüberhänge“, wie Alex es formuliert. Es sei aber das erste Mal, dass von den Schulen beantragte Gruppen nicht genehmigt werden können.

Mülheim hat inzwischen 90 OGS-Gruppen mit insgesamt 2.120 Kindern, das sind 37 Prozent aller Grundschüler. Tendenz steigend. Deshalb wird eine Lösung diskutiert werden müssen. Das kann einerseits die Senkung des hohen Qaulitätsstandards sein, oder aber die Erhöhung der Elternbeiträge. Beides will man in der Politik eigentlich nicht.

Bildungsausschuss tagt am Montag

„Wir hatten uns eigentlich schon für eine Priorität entscheiden“, erklärt FDP-Ratsfrau Meike Ostermann, Vorsitzende des Bildungsausschusses, der am Montag über die Anträge beraten muss.
„Aber wir nehmen die Sorgen der Eltern ernst, von daher schätze ich, dass die Diskussion am Montag eher ergebnisoffen verlaufen wird.“ Man müsse überlegen, ob es nicht andere Einsparmöglichkeiten gebe, um den Etat für die OGS dem Bedarf anzupassen. Auch die Verwaltung sei gefragt, weiter nach Lösungen zu suchen. „Wir sind ja nicht gezwungen, bereits am Montag eine Entscheidung zu treffen“, betont Ostermann. Letztlich muss der Rat am 20. Februar den Beschluss fassen.

Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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