Corona darf unsere Erinnerungskultur nicht sabotieren
Reichspogromnacht 1938 - Gedenken in Mülheim an der Ruhr - Püll: Historische Verpflichtung

Corona behindert augenscheinlich die in Deutschland bis dahin recht lebendige Erinnerungskultur. Viele traditionelle Veranstaltungen entfallen. Bedauerlich, birgt diese Tatsache doch die Gefahr des Vergessens oder der Verdrängung in sich.

Deshalb dokumentiere ich hier eine Veröffentlichung der Stadt Mülheim an der Ruhr zur heutigen Gedenkstunde anlässlich der Reichspogromnacht vor 83 Jahren:

"Gedenkfeier zur Erinnerung an die Reichspogromnacht
Kranzniederlegung am 9. November auf dem Synagogenplatz

Anlässlich der schändlichen Reichspogromnacht vom 9. November 1938 haben die Stadt Mülheim an der Ruhr und die Jüdische Gemeinde Duisburg–Mülheim/Ruhr-Oberhausen am Dienstag, 9. November 2021, um 11 Uhr, auf dem Synagogenplatz in der Innenstadt den Opfern des Nationalsozialismus gedacht und an der Gedenktafel vor dem MedienHaus Kränze niedergelegt. Zahlreiche Vertreter*innen aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft nahmen an der Gedenkfeier teil.
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In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. In wenigen Stunden waren 1400 jüdische Gotteshäuser zerstört worden. Auch die Synagoge in Mülheim an der Ruhr gehörte dazu.

Bürgermeister Markus Püll machte, in Vertretung des erkrankten Oberbürgermeisters, in seiner Gedenkrede deutlich: "Menschen jüdischen Glaubens wurden rund um die Pogromnacht 1938 überall in Deutschland gedemütigt und verprügelt, ihre Wohnungen und Geschäfte verwüstet und ausgeraubt. Auch in Mülheim. Und die Bürgerschaft sah zu."
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Es sei das gemeinsame Gedenken an diese schändlichen Gewalttaten vor 83 Jahren und die dahinterstehende menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten, das uns heute zusammenführt. "Deshalb treffen wir uns hier auf dem Platz, auf dem einst unsere Synagoge stand...", so Püll. "Wir sind hier als Zeichen dafür, dass wir bedingungslos zu unserer geschichtlichen Verantwortung stehen. Wir tun dies zur Mahnung, aus Verpflichtung gegenüber den Toten und den Lebenden und zum Gedenken an die Opfer. Denn leider können wir auch so viele Jahrzehnte später nicht sagen, dass wir alle aus der Geschichte gelernt haben..."
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"Wir gedenken heute aller von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 ermordeten sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens. Uns ist dabei bewusst, dass auch unsere Stadt Ort der Ausgrenzung, Demütigung, Misshandlung, Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger*innen war.", so der Bürgermeister weiter. "Und wir müssen bekennen, dass Demokratie, Zivilcourage, Humanität und Mitmenschlichkeit in unserer Stadt nicht stark genug waren, um das zu verhindern. Von Deutschland aus wurde die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden ideologisch vorgedacht und ausgeführt. Sie wurde begleitet von einer Propagandaschlacht, die beispiellos war. Das darf nie wieder passieren! Der Holocaust belegt uns Deutsche mit einer besonderen historischen Verpflichtung: Menschen jüdischen Glaubens müssen sich in Deutschland sicher fühlen können. Hier darf es für uns keine Kompromisse geben – und auch keine Toleranz bei Fehlverhalten… Dafür treten wir ein. Dafür stehen wir heute hier!
Wir verneigen uns nun vor den Toten und gedenken der jüdischen Mitbürger*innen, die durch das Terrorregime der Nazis ermordet wurden.""

Autor:

Helmut Feldhaus aus Rheinberg

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