"Verschissmuss" auf Kranzschleife sorgt bundesweit für Spott
SPD hat einen Anwalt eingeschaltet

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Diese Erfahrung macht gerade wieder die SPD Mülheim an der Ruhr. Ein überaus peinlicher Vorfall bei der Gedenkfeier des Dümptener Bürgervereines zum Volkstrauertag sorgte für einen Shitstorm im Netz, bundesweit nahmen überregionale Medien wie Spiegel, Welt oder Bild das Thema auf. Auf der Schleife des Trauerkranzes, den die SPD wie jedes Jahr bestellt hatte, stand zu lesen: "Den Opfern von Krieg und Verschissmuss".

Am Samstagnachmittag versammelten sich Vertreter des Bürgervereines, verschiedener Parteien und Fraktionen am Mahnmal am Schildberg, um am Volkstrauertag der Kriegstoten zu gedenken. Anne Lüllau, Vorstandsmitglied im Bürgerverein, beschreibt auf Facebook die Situation: " Ich war mit meinem Mann zeitgleich mit Herrn Hartmann als erste an der Gedenkstätte. Vor dem Mahnmal lag unser Kranz des Dümptener Bürgervereins, an den dafür vorgesehenen Haken hingen die Kränze von CDU und SPD. Für unsere Vereinszeitung hielt ich dies im Bild fest. Fast zeitgleich kamen die Vertreter der Vereine mit Fahne und weitere Gäste. Die Vertreter der SPD haben den fraglichen Kranz erst im Beisein aller gesehen." Als der peinliche Fehler auffiel, wurde mit einer Nagelschere die Schleife gekappt, später auch der Kranz wieder abgehängt. Zu spät. Kurz nach der Veranstaltung postete Jochen Hartmann das Foto mit der falschen Beschriftung, der Post ging viral.

SPD drückt Bedauern aus

Die SPD versuchte noch am Sonntag, die Wogen zu glätten. In einer Stellungnahme gab es auf der Facebookseite der Kreispartei ein erste Erklärung: "Die Mülheimer Gärtnerei, bei der wir seit Jahren zuverlässig bestellen, arbeitet seit fast einem Jahr mit einer Essener Schleifendruckerei zusammen, so dass diese in diesem Jahr erstmalig für unseren Kranz geliefert hat. Der Auftrag zum Schleifendrucken erfolgte schriftlich per Fax. Die Essener Firma erklärte gegenüber der Gärtnerei-Mitarbeiterin, man habe aus dem "F" ein "V" herausgelesen und "sich nichts weiter gedacht". Dies erklärt jedoch für uns nicht die falsche doppelte Verwendung von "SS" im Neologismus "Verschissmuss". Eine Fehlereinsicht und plausible Erklärung können wir leider nicht wahrnehmen. Der Glaube an die bloße Naivität einer professionellen Druckerei reicht uns nicht."

Die SPD drückt ihr Bedauern aus, dass die Bedeutung des Volkstrauertages durch die einfältigen Reaktionen auf "diese Sabotage" in den Hintergrund gerät. Es bleibt, so stellt SPD-Vorsitzender Rodion Bakum im Gespräch fest, ein ungutes Gefühl. "Wir wissen nicht, was wir glauben sollen, ob es nur ein böser menschlicher Fehler oder womöglich Absicht war". Deshalb habe die Partei einen Anwalt eingeschaltet. Dieser wird in den nächsten Tagen alle Beteiligten in der Gärtnerei und der Druckerei anschreiben und um Stellungnahme bitten, die dann bewertet werden. "Bis wir den Beweis des Gegenteils haben, gehen wir erst einmal davon aus, dass es ein menschlicher Fehler war". Die Polizei habe von sich aus eigene Ermittlungen aufgenommen.

"Das passiert uns kein zweites Mal"

Auf jeden Fall, so Bakum, werde man aus dem Vorfall lernen und in Zukunft besser kontrollieren. "Das passiert uns kein zweites Mal, auch wenn die Gärtnerei seit Jahren zuverlässig geliefert hat."
Auf Facebook kursiert zudem ein Foto eines Kranzes mit derselben falschen Aufschrift, das angeblich schon im vergangenen Jahr aufgenommen worden sei. Ob dieses Foto echt ist und den Fehler nur niemand bemerkt hatte, kann weder die SPD noch der Bürgerverein Dümpten bestätigen oder dementieren. "Wir suchen noch nach Bildern der Veranstaltung im Vorjahr, auf der die Kranzaufschrift zu lesen ist", erklärt Vereinsvorsitzender Bernd Lüllau. Bisher sei man noch nicht fündig geworden.

Wie schnell eine solche Panne passieren kann, weiß auch Jochen Hartmann selber, der den medialen Stein mit seinem Post ins Rollen gebracht hat. So gibt er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu, dass vor zwei Jahren auf einer Schleife der BAMH-Fraktion zu einer Gedenkveranstaltung ein Tippfehler war, den er kurz vorher erst bemerkte und handschriftlich korrigierte. Damals fiel es niemandem auf. Seitdem schaut Hartmann inzwischen genauer hin - offenbar auch bei der politischen Konkurrenz.

Ablauf der Gedenkfeier

Die Gedenkfeier am Volkstrauertag am Dümptener Mahnmal verlief wie jedes Jahr. Der Bürgerverein Dümpten hatte eingeladen, und wie in jedem Jahr fanden sich am Gedenktag Vertreter aus Bezirksfraktion, Rat und Partei von SPD, CDU und Jochen Hartmann von der BAMH ein.

Als Anne Lüllau um 15.35 Uhr mit ihrem Mann am Mahnmal eintraf, war es noch leer. Kurz darauf sah sie Jochen Hartmann, der die drei Kränze von Bürgerverein, SPD und CDU fotografierte, und nutzte die Gelegenheit, das Mahnmal noch ohne Gäste abzulichten. Jochen Hartmann machte dann einige Anwesende auf den Fehler aufmerksam, SPD-Ratsherr André Kasberger schnitt den unteren Teil mit dem Wort "Verschissmuss" mit einer Nagelschere ab. Um 15.45 Uhr eröffnete Bernd Lüllau die Veranstaltung, die mit einer Predigt und stillen Momenten gestaltet wurde. Es hätten nicht mal mehr alle Anwesenden etwas von der falschen Beschriftung mitbekommen, ist sich Anne Lüllau sicher. Man habe vorgehabt, den Vorfall im Nachgang intern zu klären.

Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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