Die Mitte schweigt
Und aus ist es mit Ruhe und Frieden

Sechszehn Jahre Helmut Kohl, 7 Jahre Gerhard Schröder und vierzehn Jahre Angela Merkel., haben die Bundesrepublik Deutschland sowie die Gesellschaft geprägt. Die Wiedervereinigung, die Neuordnung der Machtverhältnisse auf dem Globus, die Europäisierung sowie die letzte Finanzkrise, der anhaltende Klimastreit und auch viele andere Unruhen, haben die letzten Jahrzehnte bestimmt. Die eingleisige Umverteilung von Einkommen und Vermögen in die Hände bzw. auf die Konten einiger weniger Privilegierter schreitet unaufhaltsam fort. Die Bevölkerung, mehr oder weniger politisch aktiv oder auch nur interessiert, hat sich ihre Meinung gebildet und positioniert.

Da gibt es die Radikalen, die die Entwicklung grundsätzlich sowie das Bestehende lautstark kritisieren und ihren Standpunkt unbeirrt vertreten. Sie sind der Meinung, dass es generell an Gerechtigkeit mangelt, der Staat nicht genügend durchgreift, neue und schärfere Gesetze hermüssen, die Politiker korrupt sind, Fremde für die gefühlt schlechte Lage verantwortlich sind und auch sonst alles renovierungsbedürftig ist. Für Argumente kaum offen, verteidigen sie beharrlich ihre dogmatischen Positionen.

Dem gegenüber positionieren sich die Romantiker, die mit ihrer überspannten Empathie alle zu guten Menschen und potentiellen Freunden erklären. Selbst Kriminelle und erklärte Staatsfeinde verdienen aus ihrer Sicht Respekt und Anerkennung oder zumindest Sympathie und Nachsicht. Kritik halten sie generell für überflüssig und unangebracht sowie unnötig, weil soweit ja alles in Ordnung ist.

Die große Masse, die so gerne als die Mitte der Gesellschaft bezeichnet wird, hört, sieht und schweigt meistens. Die Gruppe lebt ihr Leben und baut auf die Institutionen und Mechanismen der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Allerdings sind sie auf der einen Seite latent unzufrieden und auf der anderen Seite trösten sie sich mit dem Gefühl auf hohem Niveau zu stöhnen. Sie halten sich zurück und raus, weil sie ja eh nichts machen können oder gar Angst vor Repressalien haben. Sie wollen oder können sich nicht mit den Radikalen anlegen und den Romantikern nicht ihre Illusionen nehmen. Sie wollen nur ihre Ruhe und ihren Frieden. Die Ruhe und der Frieden, die so schnell in Gefahr geraten und unter die Räder kommen, wenn sie nicht gepflegt, gehegt und verteidigt werden und zwar von denen, die so großen Wert auf sie legen.

Drei von unendlich vorstellbaren Klassifizierungen, die schon völlig ausreichen um zahllose Konflikte zu produzieren. Der immer wieder beschworene Konsens der Gesellschaft ist reine Utopie und romantisches Wunschdenken sowie gleichermaßen Unsinn. Erstrebenswert ist er ebenso wenig, derweil Gleichmacherei niemandem recht ist, geschweige denn hilft.

Die Individualität des oder der Einzelnen sind zugleich Realität und Vorzug einer liberalen Gesellschaft. Nur ein freier toleranter sowie respektvoller Umgang und die Anerkennung verschiedener Weltbilder und unterschiedlicher Lebensentwürfe führen zu einem friedlichen und entspannten Umgang, die die beste Basis für eine in sich funktionierende Gesellschaft sind.

Ebenso sind Ruhe und Frieden sowie Demokratie keine Bringschuld des viel beschworenen Staates, dessen originäre Mitglieder und damit oberstes Organ, wir alle sind. Demokratie erwächst aus Beteiligung und der Beschaffung von Mehrheiten unter Anerkennung der Rechte von Minderheiten. Wenn die passive und schweigende Mehrheit den aktiven und lautstarken Minderheiten das Feld überlässt, dann wird Minorität zur Majorität und aus ist es mit Ruhe und Frieden.

Nur wer sich zu Wort meldet, der wird auch gehört.

Übrigens, alle dürfen mitmachen, das ist das Gute an der Demokratie.

Nicht weil es schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwierig. (Lucius Annaeus Seneca)

Foto: Paul Brennan PIXABAY

Autor:

Friedhelm Tillmanns aus Mülheim an der Ruhr

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