Schule und Geschichte
"Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer"

Zeitzeuge Sally Perel bei seinem Vortrag in der Aula des Broicher Schulzentrums.
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  • Zeitzeuge Sally Perel bei seinem Vortrag in der Aula des Broicher Schulzentrums.
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"Sally Perel kann die Schüler sehr viel emotionaler und nachhaltiger erreichen, als wir das könnten", sind sich Florian Sauer und Seydi Güngör einig, nachdem sie miterlebt haben wie 400 Teenager dem 93-jährigen Sally Perel zwei Stunden lang gebannt, gespannt und konzentriert zugehört haben. Florian Sauer und Seydi Güngör unterrichten am Gymnasium Broich Geschichte. Das Zeitzeugengespräch, das auf ausdrücklichen Wunsch der Schüler zustande gekommen ist, haben sie mit ihren Schülern gut vorbereitet. Das Interview, dass die Schülervertreter Luisa Schleinitz, Tom Herzberg, Till Herrmann und Xenia Schetter mit dem Holocaust-Überlebenden führen, zeigt es berührend und beeindruckend.

"Ich bin ein Zeitzeuge. Und Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer. Aber meine Generation wird bald nicht mehr da sein. Und deshalb gebe ich euch den Auftrag, als Zeitzeugen meinen Lebensbericht und meine Lebenserfahrungen an euere Kinder und Kindeskinder weiterzugeben, damit sich eine Katastrophe wie sie meine Generation erleben musste, niemals wiederholen kann", sagt der Mann, der als Hitlerjunge und Wehrmachtssoldat Jupp den Holocaust überlebt hat, anders als dessen 6 Millionen Opfer. 

Das Vermächtnis der Holocaust-Opfer an die nächste Generation weiterzugeben, um sie gegen politischen und religiösen Fanatismus, wie er sagt "zu impfen", ist für den 1925 in Peine geborenen und seit 70 Jahren in Israel lebenden Sally Perel zur Lebensaufgabe geworden. Das spürt man bei jedem Satz, den er spricht, auch wenn er seine 10 Kinderjahre in Peine als "schönen und fernen Traum" beschreibt, von dem er bis heute zehre.

"Gerade weil es nur noch wenige Zeitzeugen aus der Generation von Sally Perel gibt, sind sie für unsere Generation, die keinen Krieg und keine Diktatur erleben musste, so wertvoll", sind sich die Schülervertreterinnen Xenia Schetter und Luisa Schleinitz nach dem Gespräch mit Sally Perel einig. Und ihre Mitschüler Tom Herzberg und Till Herrmann fassen ihren Eindruck von der Begegnung mit dem Holocaust-Überlebenden so zusammen: "Die Fakten des Holocaust, der NS-Diktatur und des 2. Weltkrieges kannten wir auch vorher. Aber Sally Perel hat uns eine tiefe Vorstellung davon gegeben, was das für die Menschen bedeutet hat, die in dieser Zeit leben mussten."

Was die Begegnung mit Perel nicht nur für die Schüler beeindruckend macht, ist die Tatsache, dass der Zeitzeuge, der zwischen Israel und Deutschland pendelt, nicht in der Vergangenheit stehen bleibt, sondern mit der Lebensweisheit eines alten und furchtlosen Mannes spricht, wenn er zum Beispiel sagt: "Ich habe der deutschen Jugend nichts zu verzeihen. Sie ist unschuldig und ich mag sie sehr, weil sie für mich die wichtigste Verbündete gegen das Vergessen ist." Und mit Blick auf seine zweite Heimat Israel sagt der Friedensaktivist auch das: "Wer den Frieden will, muss ihm nachlaufen und darf nicht vor ihm weglaufen. Der Frieden wird nur dann funktionieren, wenn er gerecht ist. Und das bedeutet: Die israelischen Siedler müssen die besetzten palästinensischen Gebiete räumen und es muss neben dem Staat Israel auch einen Staat Palästina mit der Hauptstadt Ost-Jerusalem geben."

Mehr über das Leben des Sally Perel

Autor:

Thomas Emons aus Mülheim an der Ruhr

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