Der Nächste, bitte! Aus der Praxis des EKM. Heute: Schilddrüsenüberfunktion

Foto: PR-Foto Köhring/SH
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Jonas M. steht kurz vor einer wichtigen Prüfung an der Uni. Er lernt ganze Tage und Nächte durch – und hat trotzdem das Gefühl, er kommt nicht voran. Er ist müde und nervös, er nimmt zu und leidet an Verstopfung. Als er seine Symptome googelt, glaubt er zu wissen, woran das liegt: Er denkt, er hat eine Unterfunktion der Schilddrüse.

„Das Problem bei Schilddrüsenerkrankungen ist, dass die Symptome sehr unspezifisch sind“, sagt Prof. Heinz-Jochen Gassel, Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM). Bei einer Unterfunktion, einer Hypothyreose, können neben den Beschwerden, die Jonas beschreibt, auch Kälteempfindlichkeit, geschwollene Gesichter, verlangsamte Herzfrequenz und Reflexe sowie psychische Probleme zu den Symptomen zählen. „Jeder Student, der wie Jonas M. gerade in einer Prüfungsphase ist, hat diese Symptome schon einmal bei sich erlebt“, sagt Prof. Gassel.

Ähnlich ist es bei einer Überfunktion, einer Hyperthyreose. Auch hier sind die Symptome unspezifisch: Herzrasen, Durchfall, Nervosität, Gereiztheit, Gewichtsverlust trotz Heißhunger oder Wärmempfindlichkeit. Auch diese Symptome – ob alle gleichzeitig oder nur einige von ihnen – sind vielen unbekannt. Menschen, die gerade unter Stress leiden zum Beispiel oder Frauen in den Wechseljahren.
Jonas M. hat keine Zeit zum Arzt zu gehen, das denkt er jedenfalls. Im Internet hat er gelesen, dass Jodmangel eine Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion sein kann. Also geht er auf die Suche nach Nahrungsergänzungsmitteln.

Von solchen Selbst-Diagnosen und Selbst-Therapien rät Prof. Gassel aber dringend ab. „Wenn der Patient an einer Unterfunktion der Schilddrüse leidet, muss sein Hausarzt oder ein niedergelassener Spezialist für die passende Einstellung mit Medikamenten sorgen.“ Es sei wichtig, hier die richtige Balance zu finden.

Dr. Google ist kein Arzt

„Das kann nur ein Spezialist, der neben den Laborwerten auch die Symptome begutachtet.“ Die Schilddrüse sitzt vorne im Hals in der Höhe des Kehlkopfes. Sie ist etwa walnussgroß und produziert Hormone, die für die Muskulatur, das Herz, das Hirn, das Nervensystem, für Haut und Haare sowie für den Leberstoffwechsel sehr wichtig sind. Ob Jonas M. eine Erkrankung der Schilddrüse hat, kann der Hausarzt mit verschiedenen Untersuchungen und Tests feststellen.

Unbehandelt kann eine Schilddrüsenunterfunktion schwerwiegende Auswirkungen haben und zu Halluzinationen oder Herzmuskelschwäche führen. Wer länger als vier Wochen an den Symptomen leidet, sollte sicherheitshalber zum Arzt gehen. Auch Jonas M. tut das nach ein paar Tagen. Bei ihm gibt der Arzt Entwarnung. Jonas M. leidet tatsächlich an Prüfungsstress, nicht an einer Schilddrüsenerkrankung. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann Müdigkeit und Abgeschlagenheit verursachen.

Foto: PR-Foto Köhring/SH
Foto: PR-Foto Köhring/AK
Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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