Der Nächste, bitte!

Das Team der Intensivstation kümmert sich um die Patienten und um deren Angehörige.
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  • Das Team der Intensivstation kümmert sich um die Patienten und um deren Angehörige.
  • Foto: Matthias Duschner
  • hochgeladen von Sibylle Brockschmidt

Aus der Praxis des Evangelischen Krankenhauses. Heute: Intensivstation.

Ansgar Z. steht vor der geschlossenen Tür der Intensivstation. Seine Frau hatte einen schweren Unfall. Zwar sind ihre Verletzungen nicht lebensgefährlich, aber Ansgar Z. macht sich große Sorgen. Er weiß nicht, was ihn auf der Intensivstation erwartet und wie er sich dort verhalten soll.

Ansgar Z. hat Angst, zu klingeln. Vielleicht stört er das Personal oder andere Patienten, denkt er. Prof. Dr. Eva Kottenberg, Chefärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM) kennt diese Ängste. Die Angehörigen sind in einer belastenden Situation, sie haben Angst um ihre Lieben und möchten nichts falsch machen. „Wir haben keine starren Besuchszeiten auf der Intensivstation“, sagt die Chefärztin. „Manchmal müssen wir die Angehörigen tatsächlich einige Minuten vor der Türe warten lassen, wenn wir gerade einen anderen Patienten notfall- oder intensivmedizinisch versorgen, aber sie stören nicht. Im Gegenteil: Sie sind sehr wichtig für unsere Patienten.“

Das sagt auch der Intensivpfleger, als er Ansgar Z. die Tür öffnet. Er zeigt ihm als erstes die korrekte Händedesinfektion und begleitet ihn dann zu seiner Frau – und hilft ihm dabei, den ersten Eindruck zu verarbeiten. „Die vielen medizinische Geräte wirken oft verstörend, aber sie sind wichtig, um alle Körperfunktionen der Patienten zu überwachen und so im Notfall schnell eingreifen zu können“, sagt Prof. Dr. Kottenberg. Die Mitarbeitenden erklären Ansgar Z. die einzelnen Apparate und ihre Funktionen. „So bauen wir Furcht und Unsicherheit ab.“

Ansgar Z. setzt sich ans Bett seiner Frau. Er hält ihre Hand und liest ihr aus ihrem Lieblingsbuch vor. „Das ist genau richtig“, sagt Prof. Dr. Kottenberg. „Die Anwesenheit der Angehörigen trägt viel zum Wohlbefinden des Patienten bei.“ Da das Sprechen durch den Beatmungsschlauch nicht möglich ist, beschränkt sich Ansgar Z. auf Fragen, die seine Frau mit „Ja“ oder „Nein“ über Nicken oder Kopfschütteln beantworten kann. „Wir stellen den Angehörigen auch Schreibtafeln zur Verfügung, um die Kommunikation ohne gesprochene Worte möglich zu machen.“

Ansgar Z. verbringt viel Zeit bei seiner Frau. Er hat ihr Hochzeitsbild neben das Bett gestellt und ihre Lieblings-CDs mitgebracht. Mit den Abläufen und dem Team der Intensivstation ist er inzwischen vertraut – und nimmt sich deren Rat zu Herzen und bleibt an manchen Tagen auch mal zuhause. Dann geht seine Schwägerin seine Frau besuchen. „Auch für die Angehörigen ist die Situation sehr belastend und sie sollten auf sich achten. Gespräche mit unserer Krankenhausseelsorge können ihnen beispielsweise bei der Verarbeitung helfen“, sagt Prof. Dr. Kottenberg.

Ansgar Z.s Frau wird nach einigen Tagen von der Intensivstation auf die Allgemeinstation verlegt. Ihre Verletzungen heilen gut und sie kann das Krankenhaus bald verlassen.

Das Team der Intensivstation kümmert sich um die Patienten und um deren Angehörige.
Prof. Dr. Eva Kottenberg.

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