Aus der Praxis des Evangelischen Krankenhauses Mülheim. Heute: Grippaler Infekt
Der Nächste, bitte!

Nicht jeder kleine Infekt ist eine Grippe.
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  • Nicht jeder kleine Infekt ist eine Grippe.
  • Foto: Evangelisches Krankenhaus Mülheim
  • hochgeladen von Heike Marie Westhofen

Willi H. hustet bereits seit Tagen. Er hat Gliederschmerzen und einen leicht gelblichen Auswurf. Außerdem klagt er über Schmerzen im Brustkorb. Als es besonders schlimm wird, geht er zu seinem Arzt. „Ich habe die Grippe“, sagt er. Und möchte ein Antibiotikum.

„Viele Menschen bezeichnen einen grippalen Infekt oder eine Erkältung als Grippe“, sagt Ernst Georg Holstein, Leitender Arzt des Departments Pneumologie der Kardiologischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Mülheim (EKM). Die Krankheitserreger (Viren) und die Ausprägung der Erkrankungen sind jedoch unterschiedlich.
Die Grippe ist ein Infekt, der schwerwiegende Folgen haben kann. Verursacht wird sie von Influenzaviren. Eine echte Grippe tritt meist plötzlich auf und wird oft von Husten, Fieber und Kopf- und Gliederschmerzen begleitet. Die Betroffenen können Kreislaufprobleme haben und sich kaum aus dem Bett bewegen.

Keine echte Grippe 

Willi H. zeigt diese typischen Symptome nicht. Er hat keine erhöhte Temperatur. Bei ihm ging die Erkrankung auch nicht plötzlich los, sondern schleichend. Der Arzt untersucht Willi H. gründlich. Beim Abhören der Lunge und des Herzens erkennt er keine Auffälligkeiten. Die Laborwerte zeigen bei ihm keine Erhöhung der weißen Blutkörperchen und nur leicht erhöhte sonstige sogenannte Entzündungswerte. „Die Klinik weist darauf hin, dass es sich nicht um eine echte Grippe handelt“, sagt Ernst Georg Holstein, „und auch eine bakterielle Bronchitis oder gar Lungenentzündung sind unwahrscheinlich, da die Werte nicht erhöht sind. Bei einer bakteriellen Infektion verspürt der Patient auch eher Luftnot, hat seltener Schmerzen und produziert mehr eitrigen Auswurf. Willi H. ist erkältet.

Den Hausarzt aufsuchen

Die Unterscheidung zwischen einer Erkältung oder einem grippalen Infekt und einer Grippe ist allerdings nicht immer eindeutig. „Nicht alle Menschen zeigen die typischen Symptome“, sagt Holstein. Auch die Testung sei nicht einfach, da die Labortests nicht immer ein eindeutiges Ergebnis zeigten. Daher sollten die Betroffenen auf jeden Fall ihren Hausarzt aufsuchen, wenn sie sich krank fühlen – besonders, wenn in den Monaten November, Dezember, Januar und Februar die Grippewelle übers Land geht.
Der Arzt verschreibt Willi H. kein Antibiotikum, da nichts auf eine bakterielle Infektion hinweist. „Ein Antibiotikum wirkt nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren, die für die Erkältung verantwortlich sind“, erklärt Ernst Georg Holstein. Das Beste für Willi H. ist viel Ruhe. Er soll viel trinken und der Arzt verschreibt ihm ein Mittel, um die Symptome wie seine verstopfte Nase, Husten oder Schmerzen zu lindern. Die Unterscheidung zwischen einem grippalen Infekt und einer Grippe ist nicht immer einfach.
Foto: Drubig Photo Hintergrund  Grippeimpfungen empfiehlt die Ständige Impfkommission unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten. Die Impfung sollte jedes Jahr im Herbst erneuert werden. Ernst Georg Holstein.
Foto: EKM

Nicht jeder kleine Infekt ist eine Grippe.
Ernst Georg Holstein, Leitender Arzt des Departments Pneumologie der Kardiologischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Mülheim (EKM).
Autor:

Heike Marie Westhofen aus Mülheim an der Ruhr

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