Beratungsstelle von „Hilfe für Frauen e.V.“ in Corona-Zeiten mehr gefragt
„Die häusliche Gewalt nimmt zu“

Gerade in Corona-Zeiten ist die Mülheimer Beratungsstelle von Hilfe für Frauen e.V. ein richtiger "Schutzschirm". Ein solchen kann man übrigens auch am Tag der weltweiten "Ächtung von Gewalt an Frauen und Mädchen" erwerben und somit ein "oranges Zeichen" setzen.
Foto: PR-Foto Köhring
  • Gerade in Corona-Zeiten ist die Mülheimer Beratungsstelle von Hilfe für Frauen e.V. ein richtiger "Schutzschirm". Ein solchen kann man übrigens auch am Tag der weltweiten "Ächtung von Gewalt an Frauen und Mädchen" erwerben und somit ein "oranges Zeichen" setzen.
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„Für Frauen hat Corona noch einmal eine zusätzliche Belastung mit sich gebracht. Das merken wir an an den gestiegenen Anfragen und dem erhöhten konkreten Beratungsbedarf.“ Karoline Marks, die Leiterin der Beratungsstelle von Hilfe für Frauen e.V. ist überzeugt, dass sich der Trend noch fortsetzen wird. 
Der Lockdown und die auch danach eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten zu Menschen ihres Vertrauens hätten die Situation für Frauen nicht gerade einfacher gemacht. Zusätzlich gebe es deutliche Anzeichen, dass auch in unserer Stadt die häusliche Gewalt zunimmt. Bei dem allgemeinen Frust sei der häusliche Frieden brüchiger denn je, stellt Marks für sich und ihre Kollegin Anna Kannenberg fest.

Zudem sei es seit Beginn der Pandemie zu häufigeren Polizeieinsätzen bei Eskalationen in der Familie gekommen. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit der Polizei, so dass wir auf möglichen Beratungsbedarf gut vorbereitet sind“, sagt Karoline Marks im Gespräch mit der Mülheimer Woche. Allerdings geht sie von einer erhöhten Dunkelziffer von Fällen von häuslicher Gewalt aus, die noch nicht in der Beratungsstelle angekommen sind. „Da die Pandemie und die Alltagsbeschränkungen uns auch in den nächsten Monaten noch beschäftigen werden, erwarten wir zudem im nächsten Jahr einen erhöhten Aufarbeitungsbedarf der zurzeit oft konfliktreichen häuslichen Situation“, ist sie überzeugt.

Zunehmend überfordert

Und wenn es dann letztendlich zur Trennung vom Ehemann oder Partner komme, häuften sich die Probleme und Belastungen, vor allem dann, wenn Kinder da sind. Die hätten kaum Möglichkeiten, sich sinnvoll zu beschäftigen. Der Vereinssport sei weitgehend lahmgelegt, Betreuungsangebote und Gruppenkontakte stagnieren. Ein konkretes Beispiel hat Karoline Marks auch parat: „Eine Alleinerziehende musste mit einem kranken Kind zum Arzt. Aufgrund der Pandemie durfte sie die Geschwisterkinder nicht mitbringen. Sie hatte keine Möglichkeit, diese dann aufgrund der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten betreuen zu lassen. Die Frau war richtig verzweifelt.“

Deshalb und aus etlichen anderen Gründen seien Frauen gerade jetzt zunehmend überfordert und geraten in persönliche Krisen. Diese betreffen auch die Finanzen. Sei man vom Partner getrennt und zahle der zum Teil auch Corona-bedingt keinen Unterhalt, stünden Wege zu Behörden an. Das sei in dieser Zeit auch nicht ganz einfach. Umso dankbarer würde die Hilfe der Beratungsstelle in Anspruch genommen. Von Montag bis Freitag ist diese unter Tel. 0208 / 3056823 zu erreichen. Da kann man einen zeitnahen Beratungstermin vereinbaren. „Wir beraten bei Bedarf natürlich auch am Nachmittag und abends“, so Marks, „denn in unseren Räumen am Hans-Böckler-Platz 9 gibt es Möglichkeiten, wo das unter Einhaltung der Hygienevorschriften möglich ist.“ Zusätzlich hat man eine Außenstelle an der Kämpchenstraße 9. Durch diese räumliche Entzerrung könne man auch Paralleltermine wahrnehmen.

Walk and Talk-Angebot

Zudem gibt es Outdoor-Beratungen. „Wir treffen uns dann mit der Ratsuchenden draußen, gehen etwa durch das MüGa-Gelände und hören uns dann an, was für plötzliche Probleme aufgetreten sind und wie wir helfen können“, berichtet die Leiterin der Mülheimer Frauenberatungsstelle. Dieses „Walk and Talk-Angebot“ erfreut sich großer Beliebtheit, denn „Luft machen an der freien Luft“ trage schon zu einer zusätzlichen Erleichterung bei.

Neben der telefonischen Kontaktausnahme mit der Beratungsstelle oder per Mail an beratungsstelle@hilfe-fuer-frauen-ev.de gibt es noch ein das ganze Jahr über 24 Stunden täglich besetztes bundesweites Hilfstelefon unter der kostenfreien Rufnummer 08000 116016. Der Zeitaufwand und die Beratungsintensität habe sich zu Corona-Zeiten auch in Mülheim gesteigert. „Wir sind aber gut vernetzt und haben die Lage im Griff“, betont Karoline Marks. An Mitte Dezember wird es auch die Möglichkeit zu Beratungen per Videochat geben. Zurzeit werden die technischen Vorausssetzungen geschaffen.

„Schutzschirm“ als Zeichen

In unserem Gespräch weist Marks aber ausdrücklich darauf hin, dass Gewalt gegen Frauen ja kein Mülheimer, sondern ein weltweites Problem sei. So gebe es ja immer am 25. November einen weltweiten „Tag zur Ächtung von Gewalt an Frauen und Mädchen“. Diesmal gibt es unter dem Titel „Orange your City“ in über 70 Ländern entsprechende Aktionen, an denen man sich hier vor Ort beteiligt. Ziel ist es, mit der Signalfarbe Orange auf diese Gewaltexzesse hinzuweisen.

„Wir setzen ebenfalls ein oranges Zeichen, Mit dem Kauf unseres orangenen 'Schutzschirms' zum Preis von zehn Euro unterstützt man zugleich unseren Verein Hilfe für Frauen e.V., erläutert Karoline Marks. Den „Schutzschirm“ bekommt man im Secondhandladen am Hans-Böckler-Platz 9. Der ist montags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr geöffnet, mittwochs sogar bis 17 Uhr geöffnet.

Frauenhaus weiter erreichbar

Das Frauenhaus, das auch dem Verein Hilfe für Frauen Mülheim angehört, steht Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, natürlich auch in Zeiten von Corona zur Seite Es ist erreichbar unter Telefon 0208 / 997086. Das Frauenhaus versteht sich als Zufluchtsort von Frauen, die von ihrem Partner seelisch oder körperlich bedroht werden. Nicht nur Frauen, sondern auch Kinder – Jungen bis 12 Jahre – können dort Schutz und Unterkunft finden. Weitere Informationen und eine Checkliste für Frauen, die dieses Hilfeangebot nutzen möchten, finden Betroffene ebenfalls auf der Internetseite www.hilfe-fuer-frauen-ev.de.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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