Coronavirus jetzt auch in NRW
Mülheim bereitet sich auf den Ernstfall vor

Die besonders lange haltbare H-Milch war am heutigen Morgen in einigen Mülheimer Supermärkten fast ausverkauft.
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  • Die besonders lange haltbare H-Milch war am heutigen Morgen in einigen Mülheimer Supermärkten fast ausverkauft.
  • Foto: Regina Tempel
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Im Kreis Heinsberg sind in dieser Woche die ersten Fälle des neuartigen Coronavirus in NRW nachgewiesen worden. Damit ist klar: Das Virus ist nicht mehr weit von Mülheim entfernt. Um die Bevölkerung zu informieren tagte gestern der Krisenstab. Mit dabei waren neben der Stadtspitze auch Ärzte der Krankenhäuser, die Feuerwehr sowie Mitarbeiter des Gesundheitsamts.

"Mir ist wichtig zu sagen, dass es sich dabei nicht um eine Krisensitzung handelte. Es hat lediglich der Krisenstab getagt, da es noch keine Krise gibt", beruhigt Stadtsprecher Volker Wiebels zu Beginn einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Mülheimer Rathaus. Dabei besprachen die Experten, wie man im Notfall reagieren würde. "Wenn eine Person Fieber hat und sich nicht erklären kann woher das kommt, sollte telefonisch umgehend der Hausarzt informiert werden", sagt Stadtdirektor Dr. Frank Steinfort. Wichtig ist dabei, nicht den Weg in die Praxis oder ins Krankenhaus zu wählen. "Da wäre die Ansteckungsgefahr viel zu hoch", warnt Steinfort. Im Extremfall kann auch der Notruf unter 112 gewählt werden. "Das sollte aber nur der letzte Weg sein und der sollte auch nur gewählt werden, wenn es einem richtig schlecht geht", sensibilisiert Sven Werner, Leiter der Mülheimer Berufsfeuerwehr.
Bei Fragen oder Bedenken rund ums Coronavirus kann ansonsten auch das Gesundheitsamt unter Tel. 0208/4550 kontaktiert werden. 

Bei Infektion wird das Gesundheitsamt informiert

Sollte sich der Verdacht einer Infektion jedoch tatsächlich bestätigen, wird vom Arzt das Gesundheitsamt informiert. "Wir versuchen dann alle Kontaktpersonen ausfindig zu machen, um sie unter eine 14-tägige Quarantäne zu setzen", erklärt Dr. Frank Pisani vom Gesundheitsamt. Doch wie geht das normale Leben dann weiter? "Es erfolgt eine Dokumentation durch das Gesundheitsamt", so Pisani. Dadurch sind Arbeitnehmer rechtlich abgesichert. "Einkäufe sollten dann von Bekannten erledigt werden", sagt Steinfort. Wichtig: Die Bekannten dürfen nicht mit dem unter Quarantäne stehenden Patienten in Kontakt kommen. Daher gilt: Die Einkaufstasche sollte vor der Haustür abgestellt werden. Erst wenn der Bekannte wieder weg ist, sollten die Einkäufe vom Patienten ins Haus geholt werden. An die Quarantäne ist sich ausdrücklich zu halten. "Wir prüfen stichprobenartig, ob die Menschen zu Hause sind", so Thomas Hecker, Amtsarzt und kommissarischer Leiter des Gesundheitsamts.

40 Betten für Corona-Patienten in Mülheim

Muss ein Betroffener stationär im Krankenhaus behandelt werden, stehen derzeit 40 Betten in Mülheim zur Verfügung. Die Stadt fühlt sich gut gerüstet und sieht dem Virus relativ entspannt entgegen. "Es bringt nichts für alle Szenarien etwas zu planen", erklärt Steinfort. Daher ist aktuell auch eine Ausdehnung der Arbeitszeit der niedergelassenen Ärzte derzeit kein Thema. "Sollte das zu einem späteren Zeitpunkt in Betracht kommen, müssten wir das mit der Kassenärztlichen Vereinigung besprechen", so Pisani.
Die nächste Tagung des Krisenstabs ist für kommenden Dienstag geplant. "Sollte ein Notfall eintreffen, würde die Sitzung aber sofort stattfinden", macht Wiebels deutlich. 
Auch wenn es in Mülheim noch keinen Fall gibt, wurde die Yones German Open, eines der renommiertesten Badminton-Turniere überhaupt, vorsorglich abgesagt. „Auf Grund der aktuellen Lage hat das Gesundheitsamt Mülheims die Empfehlung  ausgesprochen, die Veranstaltung abzusagen und auf einen späteren  Zeitpunkt zu verschieben. Der Empfehlung sind wir gefolgt“, sagt Dezernent Marc Buchholz.  

medl Nacht der Sieger soll wie geplant stattfinden

Andere Veranstaltungen, wie Fußballspiele oder Konzerte sollen dagegen regulär stattfinden. "Auch die 'medl Nacht der Sieger' findet, Stand jetzt, statt", erklärt Wiebels. Das kann sich allerdings jederzeit ändern.
Wichtig ist den Betroffenen, dass niemand in Hysterie verfällt. Stadtdirektor Frank Steinfort nimmt die Bürger in die Pflicht, sich hinreichend über das Virus zu informieren. "Wir stellen in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium und dem Robert-Koch-Institut die Informationen. Dann liegt es an den Menschen, sich darüber zu informieren." Das Wichtigste ist dabei die Hygiene. Regelmäßiges Händewaschen von mindestens 20 bis 30 Sekunden schützt ebenso vor Infektionen, wie Geschirr auf mindestens 60 Grad spülen oder in den Ärmel, anstatt in die Hand husten.

Stadtspitze warnt vor Fake-News

"Bei der Beschaffung von Informationen rund um das Coronavirus sollen nur seriöse Quellen genutzt werden", warnt Steinfort und bringt das Thema "Fake-News" ins Spiel. In Oberhausen kursierte gestern eine Sprachnachricht, in der behauptet wurde, dass im Sterkrader St. Clemens-Krankenhaus ein Corona-Patient eingeliefert wurde. Das war jedoch schlicht falsch und entsprach nicht der Wahrheit. "Wer sich über Facebook informiert, sollte nur die offiziellen Kanäle der Institutionen wählen. Wir verifizieren alles", sagt Sven Werner von der Feuerwehr.
Zum Wochenende wird auf der städtischen Homepage zusätzlich eine extra Corona-Seite online gehen, die über das Virus informiert. "Diese bieten wir auch in englischer Sprache an", so Dr. Frank Pisani.
Auch auf den Fall das jemand aus dem Krisenstab oder dem Gesundheitsamt an Corona erkrankt, sind alle Beteiligten vorbereitet. "Das Gesundheitsamt arbeitet definitiv weiter, da es auch in unterschiedliche Abteilungen unterteilt ist. Bei einer bestätigen Infektion würden also nur die direkten Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt, so Pisani. 

Hamsterkäufe in Supermärkten

Trotzdem scheinen einige Mülheimer verunsichert zu sein. Konserven, Fertiggerichte und Nudeln waren in Supermärkten am heutigen Morgen deutlich dezimiert. Bei Aldi gab es keine Einweghandschuhe mehr, in den Regalen waren die Reihen bei Brühen, Tomaten in Dosen, Reis und anderen Fertiggerichte schon sehr licht. Desinfektionsmittel bei Rossmann in der Stadt gab es auch schon nicht mehr.

Mehr zum Coronavirus:

  • Aus Angst vor Corona hat die Stadt bereits das international renommierte Badminton-Turnier Yonex-German-Open abgesagt. Alles dazu lesen Sie hier.
  • Mehr zu den Symptomen des Coronavirus lesen Sie hier.
  • Die Mülheimer Krankenhäuser sehen sich vorbereitet. Was der Geschäftsführer des EKM, Nils B. Krog, sagt, lesen Sie hier.
  • Für Informationen der bundesdeutschen Bevölkerung ist das Robert-Koch-Institut zuständig (RKI), das regelmäßig und zuverlässig auf der Instituts-Website unter www.rki.de über die Ausbreitung und Vorsorge-Maßnahmen berichtet.
Die besonders lange haltbare H-Milch war am heutigen Morgen in einigen Mülheimer Supermärkten fast ausverkauft.
Erstes Treffen des Krisenstabs unter Leitung von Stadtdirektor Dr. Frank Steinfort. Teilnehmer: Vertreter der Fachämter der Stadtverwaltung, Feuerwehr, Polizei, Verkehrsbetriebe, Krankenhäuser.
Autor:

Christian Schaffeld aus Oberhausen

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