Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern - Das „Ele-Phone“ klärt auf

(v.l.) Heiner Jansen, Barara Kusch, Daniel Wahle, Helmut Klammer und Eberhard Uhl wollen mit der Spende die Arbeit des Elefons unterstützen.
  • (v.l.) Heiner Jansen, Barara Kusch, Daniel Wahle, Helmut Klammer und Eberhard Uhl wollen mit der Spende die Arbeit des Elefons unterstützen.
  • Foto: PR-Fotografie Köhring/SM
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Bundesweit sind laut des AWO Kreisverbandes Mülheim knapp eine Million Kinder von sexuellen Übergriffen betroffen. Im Schnitt sind das ein bis zwei Kinder pro Klasse. Bei sexuellem Kindesmissbrauch handelt es sich um jede sexuelle Handlung, die an oder vor Mädchen oder Jungen gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können. Dabei können die Arten des Missbrauchs unterschiedlich sein: mit oder ohne Berührung am Körper, mit Berührung am Geschlechtsteil, versuchte Penetration und erfolgte Penetration.

Seit 25 Jahren führen geschulte Fachleute der AWO-Beratungsstelle im Rahmen ihrer Konzeption Klassenprojekte zum Schutz und zur Prävention vor sexueller Gewalt an Kindern durch. Gemeinsam mit dem Verein „Wir für die Mülheimer Kinder“ wurde im Jahr 2000 das eigenständige Projekt „Elefon“ gegründet. Das Sorgentelefon war ein Telefonanschluss, der zu bestimmten Zeiten mit einer geschulten Mitarbeiterin der Beratungsstelle besetzt war und den Betroffenen kostenlos anonyme Hilfe und Rat angeboten hat.

Zusätzlich zum Telefonhilfeservice gehörten von Anfang an Schulprojekte und Elternabende in Grundschulen. Dabei erhielten Eltern und Kinder Informationen, Tipps und Hilfen durch vertrauensvolles und geschultes Personal. Der persönliche Kontakt hat zusätzlich Schwellenängste zu den zuständigen Anlaufstellen in Mülheim abgebaut und das Problembewusstsein bei Erwachsenen und der Gesellschaft erschaffen. „Das persönliche Gespräch mit den Kindern über ihre Gefühle, Nöte und Sorgen ist das beste Mittel zur Prävention. Sie lernen auch nein zu sagen und dass solche Handlungen nicht typisch sind, wie die Täter es gerne hinstellen“, erklärt Diplom Heilpädagogin und Leiterin der Beratungsstelle Barbara Kusch.

Gefahren der neuen Medien

Neue Medien spielen im Kommunikationsverhalten von Kindern eine immer größere Rolle, auch zunehmend bei Kindern jüngeren Alters. Smart-Phones ermöglichen eine leichtere Informationsbeschaffung über das Internet. Zudem bieten sie eine größere Anonymität für Betroffene. Daher hat die AWO das Hilfetelefon 2015 eingestellt. Zeitgleich löste sich auch der Verein „Wir für die Mülheimer Kinder“ auf, der das Projekt mit großem finanziellem Engagement unterstützt hat.

Durch den freien Zugang zum Internet und der flächendeckenden Benutzung der neue sozialen Netzwerke und Foren ergab sich für die Präventionsarbeit aber ein neuer Schwerpunkt für die Schutzkonzepte. Denn auch auf der Seite der Täter haben sich neue Möglichkeiten ergeben, mit denen sie mit Kindern in Kontakt kommen, sie ansprechen und treffen zu können. In sozialen Medien und Spieleportalen suchen sie gezielt nach Kindern, die alleine im Netz unterwegs sind, und erschleichen sich mithilfe von falschen Identitäten ihr Vertrauen. So haben sie die Gelegenheit ein paradiesisches Umfeld für die Vorbereitung und Durchführung von sexuellen Übergriffen bis hin zum Missbrauch zu erschaffen.

Das neue „Ele-Phone“

Um gegen diese neuen Gefahren vorgehen zu können, hat sich das „Elefon“ in „Ele-Phone“, angelegt an die neue Smart-Phone Generation, umbenannt und auch das Logo neu entworfen. Die Arbeit wird gezielt auf die Klassenworkshops gelegt, da so der Kontakt zwischen Beratungsstelle und Betroffenen am niederschwelligsten Erfolgen kann. So haben die Kinder die Möglichkeit, ohne selber aktiv werden zu müssen, Vertrauen zu den Helfern aufzubauen. Laut Barbara Kusch lernen sie die Leute kennen, die etwas von ihren Problemen verstehen und sich in ihrer Welt der Scham und Geheimnisse, die bei sexueller Gewalt vorliegen, auskennen. Die Fachkräfte strahlen dabei Ruhe und Sicherheit aus und ermöglichen den Kindern über die verbotenen Dinge zu reden. Dies könne den Kindern die erste Kraft verschaffen den Lügen und Drohungen der Täter zu misstrauen und eine Idee für einen Ausweg bieten.

Doch auch die Elternabende sind im Zuge der neuen Medien wichtig. Dort erfahren die Eltern von den Gefahren die im Internet lauern. „Wir haben bei diesen Abenden oft gemerkt, dass sich die Eltern darüber nicht bewusst waren“, erklärt Barbara Kusch. „Bei der Aufklärungsarbeit ist es besonders wichtig den Kindern beizubringen, dass dieses Verhalten nicht in Ordnung ist. Zusätzlich machen wir den Kindern bewusst, dass die Täter Angst haben aus ihrer Anonymität zu kommen“.

Hohe Nachfrage

Laut Barbara Kusch kommen viele Lehrer auf die AWO zu und bitten um Workshops an ihrer Schule. Leider übersteigen die Kosten in vielen Fällen die Möglichkeiten der Schulen und der Eltern und für die Beratungsstelle sind sie nur in einem kleinen Ausmaß ohne zusätzliches Personal kostendeckend durchführbar. „Die notwendige Anzahl der Workshops sind nur mit zusätzlichem Personal und finanzieller Unterstützung möglich“.

Mit dem „Forum“ hat die AWO nun einen guten Partner gefunden um Spenden zu sammeln. „Wir betreiben jedes Jahr einige Aktionen gemeinsam mit caritativen Einrichtungen und helfen nun auch gerne der AWO“, so Eberhard Uhl vom Forum Management. Mit „Unsere Verpackungsstation“ haben wir im Dezember 1900 Geschenke verpackt und dabei um Spenden für die AWO gebeten. Mit einer zusätzlichen Spende des Forums wurden dabei insgesamt 1.000 Euro gesammelt. Für Daniel Wahle, Center Manager des Forums, war diese erste Aktion ein guter Start. „Wir werden in Zukunft noch weitere Projekte gemeinsam mit der AWO planen und hoffen so, das Projekt in noch größerem Ausmaß unterstützen zu können“.

Auch Heiner Jansen, bis letztes Jahr Präsident des Mülheimer Karnevals, hat sich dem Projekt angeschlossen. „Ich habe durch meine ehemalige Tätigkeit als Präsident des Karnevals aber auch in meinem großen Sportverein in Oberhausen bis zu 1.000 Kinder kennengelernt und fände den Gedanken schrecklich, dass einen von ihnen sowas widerfahren könnte. Daher habe ich mich nun dem Projekt der AWO verschrieben und hoffe auf viel Unterstützung für die Arbeit des neuen Ele-Phones“.

Derzeit finden in Kooperation mit der Tanzschule Ritter Workshops im Forum statt. „Wir als Forum begleiten diese Workshops und spenden pro Teilnehmer 5 Euro an das Ele-Phone“, erklärt Eberhard Uhl. Wer sich abseits der Workshops und Aktionen an der Unterstützung beteiligen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0208 450 03 225 melden oder per Mail an schw.konf@awo-mh.de wenden.

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