Kriminalstatistik: Mülheimer werden nicht beraubt

Die Arbeit mit der Jugend soll weitere Festnahmen verhindern.Foto: Rike/pixelio
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„Die statistische Chance, in Mülheim ausgeraubt zu werden, ist sehr gering“, liest die Kriminalabteilung der Polizei Mülheim/Essen zufrieden aus den jüngst vorliegenden Zahlen des vergangenen Jahres. Dafür hat sich die Stadt das Schwarzfahren zum neuen Trendsport erkoren.

Um fast 600 Prozent angestiegen sind die Fälle, in denen Fahrgäste ohne Fahrschein erwischt wurden, von 298 sogenannten „Beförderungserschleichern“ auf 2070.
Dabei sei aber nicht davon auszugehen, dass hier eine tatsächliche Zunahme zu verzeichnen ist, jedenfalls nicht in diesem Maße, weiß Kriminaloberrat Manfred Joch. Es sei schlicht bisher unzureichend kontrolliert worden. Doch damit ist es vorbei, nun werden die Schwarzfahrer gestellt und es wird entsprechend abkassiert. Vorsicht hier also vor falschem sportlichen Ehrgeiz: Er wird mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit bestraft.
Auswirkungen hat der hohe Wert natürlich auf die Gesamtstatistik der Mülheimer Kriminalfälle in 2011. So stiegen in Mülheim die Fallzahlen von 2010 nach 2011 um 11,3 Prozent, konkret von 12.260 auf 13.647. Rechnet man die Beförderungserschleichung komplett heraus, relativiert sich das Ergebnis, es ist sogar ein Rückgang um 3,1 Prozent (von 12.260 auf 11.875) zu verzeichnen. Und auch die Aufklärungsquote nimmt eine positive Entwicklung, entgegen des NRW-Trendes stieg sie in Mülheim auf 48,99 Prozent (+6,5). Doch auch hier entsprechen die Werte nicht der Realität. Denn: „Der Schwarzfahrer wird ja mitgeliefert“, so Joch. Eine Aufklärung durch die Kriminalpolizei ist dann also nicht mehr vonnöten.
Erfreulich sind für die Polizisten die rückläufigen Raubdelikte in der Stadt. So fielen die Fallzahlen insgesamt um 26, 28 Prozent, im Falle des Straßenraubes (beziehungsweise auf öffentlichen Wegen und Plätzen) sogar um 37,5 Prozent. Abgenommen haben auch Körperverletzungen (-4,74 Prozent), einfache (-7,14 Prozent) wie schwere (-1,85 Prozent) Diebstähle sowie die Wohnungseinbrüche. Während diese bis 2009 kontinuierlich anstiegen, ist seit 2010 ein Rückgang zu verzeichnen, der im vergangenen Jahr 10,75 Prozent betrug. Mit auch ein Verdienst der Bürger, die Unregelmäßigkeiten, verdächtige Personen und Geräusche immer häufiger der Polizei melden - die NRW-Kampagne „Riegel vor“ macht sich hier bemerkbar.
Interessant ist die Entwicklung im Falle der Fortbewegungsmittel. Während Diebe immer häufiger die Finger von den Kraftfahrzeugen lassen (-18,07 Prozent), rücken Fahrräder zunehmend in ihren Fokus (+36 Prozent). Die Polizei hat eine mögliche Erklärung:„Das Kfz-Geschäft hat an Attraktivität verloren“, weiß Joch. Moderne Autoradios und Navigationsgeräte seien fest integriert. Lediglich professionelle Diebe interessierten sich für Fahrzeuge, für Airbags etwa oder auch Scheinwerfer. Zum Glück für die Beamten, da sich besonders im Auto-Geschäft eine Aufklärung der Taten immer schwierig gestaltet. Demgegenüber nimmt der Fahrraddiebstahl zu, womöglich, weil hochwertige Modelle nun die einstmals klappernden Drahtesel ohne viel Schnickschnack ersetzen. „Fahrräder sind heut echte Wertgegenstände“, so Heinz Jüschke, Leitender Kriminaldirektor der Polizei Essen/Mülheim.
Probleme bereiten der Kriminaldirektion in Mülheim weiterhin die Rauschgiftdelikte. Hier stiegen die Fallzahlen um 14,08 Prozent. Drogentote gab es in 2011 drei. Noch drei zu viel. Und dennoch eine Zahl im üblichen Rahmen, der Spitzenwert betrug in den vergangenen Jahren sechs Fälle. Von zwei auf vier Fälle verdoppelt haben sich die Mord- und Totschlagdelikte, die jedoch alle aufgeklärt sind. Immerhin sanken die Sexualdelikte um über 40 Prozent.
Doch neben all den Zahlen, erinnert die Polizei auch an die Spuren, die eine Kriminaltat hinterlasse. Nicht nur Opfer von Sexualübergriffen oder Gewalttaten, auch solche, in deren Wohnungen eingebrochen, wo Schlüpfer und Familienschmuck durchwühlt worden seien, hätten lang an den Folgen zu knabbern. Dies bilde keine Statistik ab. Ebensowenig wie die Dunkelziffern. „Die Statistik umfasst nur die angezeigten Fälle; Die Realität ist zwei bis drei Mal so hoch“, will Heinz Jüschke nichts beschönigen.

Autor:

Sara Drees aus Dortmund

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