"Niemand schaft es alleine!" Eine Begegnung mit dem Künstler Peter Torsten Schulz

Petoschu mit schwergewichtigen EGOs, die er in seinem Artelier zum Kauf anbietet.
  • Petoschu mit schwergewichtigen EGOs, die er in seinem Artelier zum Kauf anbietet.
  • Foto: PR-Foto Köhring/SH
  • hochgeladen von Heike Marie Westhofen

Der Mülheimer Künstler Peter-Torsten Schulz ist ein Springbrunnen. Ein Multitalent. Die Mülheimer Woche wollte wissen: Was treibt ihn heute noch an,  40 Jahre, nachdem er den „Ollen Hansen“ geschaffen hat? 

Pit Schulz gehört zu den Neugierigen mit dem unstillbaren Hunger auf Leben. Der „Olle Hansen“, der ihn berühmt machte, ist nur ein winziger Teil seiner Arbeit. Er experimentiert mit der Sprache genauso, wie mit verschiedenen Materialien. Baut Skulpturen und Installationen, gestaltet Krankenhäuser und beseelt Verwaltungen. Er malt, sammelt, fotografiert.

„Damit erobere ich die Nation.“

Sein Lebenswerk ist beachtlich, doch: „Niemand schafft es allein. Das musst du schreiben“, sagt er im Interview, als er vom Beginn seines Erfolges mit Hansens kleinem Haus erzählt. Im Jahr 1977 stand er mit dem Rücken zur Wand: Ein teurer Rechtsstreit wegen seines Comics „Schindelschwinger“ brachte ihn finanziell in große Bedrängnis. Er brauchte einen Befreiungsschlag, eine zündende Idee. Sie kam in Form eines kleinen Hauses mit rauchendem Schornstein, das plötzlich vom Horizont auf die Tülle eines Kaffeekessels sprang - und in derselben Sekunde zu einem Lebewesen wurde. 
„In diesem Moment wusste ich: Das ist es! In dieses Haus kann jedes Gefühl einziehen. Damit erobere ich die Nation.“ Überzeugt von seiner Idee und seinen ersten zwölf Bildern und Liedern, die er dazu geschrieben hatte, wandte sich Schulz an den Kölner Kunstbuchverleger Ernst Brücher. 

Liebe auf den ersten Blick: Verleger Ernst Brücher

„Die Türe ging auf, wir sahen uns an. Liebe auf den ersten Blick - der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“ Pit hatte seinen Mentor gefunden und „Der Olle Hansen“ (so hieß das Haus nach einem Kinderreim) wurde im Dumont Verlag Köln mit riesigem Publikumserfolg verlegt. Schulz wird Deutschlands meistgelesener Lyriker der 70er und 80er Jahre. Der Erfolg war zurück.
Schulz ist begeisterter Sammler und Anhänger naiver Kunst. So, wie dort das Herz über die Vernunft siegt, verdichtet er sein Alltagsleben in Bildern, Skulpturen und Sprache: kraft- und gefühlvoll. Aber auch durchgängig selbstironisch. 
„Ich habe mich wegen meiner Vielseitigkeit, sprich Stillosigkeit, früher einmal Universalbemüh genannt und kann das Wort heute kaum noch hören. Ich weiß nicht, was ich bin. Produktiv? Vielleicht trifft das am ehesten zu. Ich muss immer etwas entstehen lassen. Mein Skizzenbuch begleitet mich seit 50 Jahren, Tag und Nacht. Ich habe Angst, eine Idee zu verlieren. Ständig schreibe oder kritzele ich“, sagt er und er zeigt einen Folianten, in dem er vor 40 Jahren zeichnerisch den Ollen Hansen geboren hat: Seine feinen Tuschezeichnungen über einige Seiten zeigen, dass jedes einzelne Monatsblatt seiner über 150 Kalender das Ergebnis eines langen kreativen Wegs ist.

Fixsterne auf seiner kreativen Milchstraße

Unmöglich ist es, sein gesamtes schöpferisches Spektrum zu beschreiben. Es scheint, als wären „Der Olle Hansen“ und die Störche „Georch und Georgine“ die zwei Fixsterne auf seiner kreativen Milchstraße, die übersät ist mit hunderten kreativen Wandelsternen.
Und sein Antrieb?
„Vielleicht will ich das Glück meiner Kindheit teilen, der Welt in ihrer Ernsthaftigkeit einen positiven Gegenentwurf anbieten. Lebenskunst halt.“  Schulz ist im Dorf seines Großvaters in der Lüneburger Heide aufgewachsen und zehrt noch heute von dieser Zeit. Sich selbst sieht er als eine Mischung aus Familienmensch, Cliquenanführer und Einsiedler. 
Humor, Poesie, Phantasie und Natürlichkeit sind zusammen sein „Hansensches Lebensgefühl“. Sinnlichkeit und Erotik gehören für ihn zu einem glücklichen, erfüllten Leben ebenso wie Komik und Ironie. Er zeigt mir, wie in jedem Bild, jeder Zeichnung Erotik sichtbar wird. Plakativ in seinen Aktzeichnungen und Malereien oder subtil kodiert in einer Blüte oder Gräsern.

Das Glück der Kindheit teilen

Pit bezeichnet sich als manischen Menschen mit unzähligen Ticks. Er kommt nicht los von seinem großen Thema „Zwei sind ein schönes Problem“. 600 Gedichte und Lieder (unter anderem vertont von Salvatore Adamo) hat er hierzu inzwischen getextet und ebenso viele Bilder gemalt für seine über 30 Bücher. „Kein Bild ohne Wort“, das ist seine Maxime. Dafür lieben ihn seine drei Millionen Leser. Das macht seine Kunst in der Vielfalt unverwechselbar.
Pit Schulz arbeitet auch mit 73 Jahren noch täglich mit großer Lust und freut sich auf neue Herausforderungen. Seit 2015 schreibt er Mini-Kurzgeschichten: Es sind schräge Kunststückchen über den Mut, dem Gewöhnlichen die Stirn zu bieten. Wie das alles überhaupt geht? „Niemand schafft es alleine.“ Seine Frau nennt er die Heldin seines Lebens und seine Familie (zwei Kinder, vier Enkelkinder) ist sein Ansporn, erfolgreich zu sein.

60 Praktikanten, 10 Mitarbeiter

Und: Er hatte immer eine tolle Crew. 60 Jahrespraktikantinnen und 10 Mitarbeiter in 30 Jahren Atelier. All das darf noch einmal 40 Jahre so weitergehen, für den ungewöhnlichen Künstlermenschen Peter-Torsten Schulz.

Atelier Öffnungzeiten:

Das Olle Hansen Atelier, Klostermarkt, Saarn, ist am 1. Samstag im Monat, (außer im Januar und August) und an allen Advenstssamstagen von 11 bis 16 Uhr für das Publikum geöffnet. 
Außerdem jeden Montag bis Mittwoch zwischen 10 und 17 Uhr nach Vereinbarung!
Infomationen gibt es auf der Website:www.petertschulz.de

Wer mehr über die Kalender 2018 wissen möchte, kann das hier nachlesen!

Von Heike Marie Westhofen

Autor:

Heike Marie Westhofen aus Mülheim an der Ruhr

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