Schloß Broich wird saniert

2009 bröckelten die ersten Steine aus der Ringmauer des Schloß Broich. Den Alarmzeichen folgten eingehende Untersuchungen, die zu einem erschreckenden Ergebnis kamen: die alten Gemäuer sind dringend renovierungsbedürftig. In diesem Jahr soll nun die Sanierung der ältesten Karolingerfestung jenseits der Alpen beginnen.

Manch Bürger wird meinen, dass in den vergangenen Jahren nicht viel passiert ist. Dem kann Heike Blaeser-Metzger, Prokuristin der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST), die Eigentümer des Schlosses ist, nur widersprechen: „In den drei Jahren sind umfangreiche Untersuchungen durchgeführt worden. Denn wir wollen kein Flickwerk machen. Wenn das Schloss saniert wird, dann so, dass es die nächsten Jahrzehnte hält.“

Vor 20 Jahren erst wurde einiges am Schloß repariert. Doch wegen des fehlenden Wissens um die Zusammensetzung der einzelnen Schichten wurde Baumaterial verwendet, das unter Einfluss der Autoabgase instabil wurde. Jetzt will man es besser machen.

Tiefe Löcher weist das Mauerwerk des Schloß Broich auf. Bereits 2010 wurde der stark genutzte Torbogen saniert, seit vergangenem Jahr stützt ein Holzkorsett die marode Ringmauer und ein Gerüst die Straßenseite des Schlosses.

Seit 2009 wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Keine einfache Aufgabe für die Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH, die als städtische Tochter für den Erhalt der Immobilie zuständig ist. Denn sowohl Untersuchungen als auch Sanierungskosten viel Geld - das die MST nicht hat.
Unterstützung erhielt die MST von der Wissenschaft - „sonst wäre das gar nicht zu bezahlen gewesen“, erklärt Heike Blaeser-Metzger von der MST.

So untersuchten Studenten der Uni Köln in akribischer Arbeit exemplarische Teile der Ringmauer. Dr. Ägidius Strack, Experte für Baumaßnahmen an historischen Gebäuden, stand der MST als Planer und Koordinator zur Seite. Der Landschaftsverband Rheinland übernahm die photogrammetrische Bestandsaufnahme, die Uni Dortmund analysierte den Mörtel und den Einfluss der Autoabgase auf das Baumaterial. Kernbohrungen ermöglichten Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Mauer. Nicht zuletzt wurden Mengen von Archivmaterial von Dr. Strack ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt: Das Schloss muss rundum saniert werden - von der Ringmauer, die am meisten geschädigt ist, über die Fragmente im Innenraum, die Fassade zur Straße und zum Innenhof hin bis zu den Mauern zur Volkshochschule und MüGa. Immerhin: Die geschätzten Kosten von 4,28 Millionen Euro sind rund 1,2 Millionen Euro günstiger als die erste Kostenschätzung aus dem Jahr 2010.

Die Anstrengungen, städtebauliche Mittel von Bund und Länder für die Sanierung zu bekommen, waren jedoch erfolglos. Auch Fördermittel aus der Denkmalpflege zu bekommen, ist fast aussichtslos. „Ehe die genehmigt werden, zerfällt uns die Mauer“, erklärt MST-Geschäftsführerin Inge Kammerichs. Denn die Genehmigungsverfahren seien sehr zeitaufwändig. Bleiben noch Stiftungsgelder. Aussichten: unsicher. Und so wird die Beteiligungsholding Mülheim (BHM), unter deren Dach die städtischen Gesellschaften inklusive MST angesiedelt sind, wohl den größten Teil der Kosten selber aufbringen müssen.

„Wir sind nicht nur gesetzlich verpflichtet, dieses Denkmal zu erhalten. Man könnte es den Bürgern auch nicht vermitteln, wenn wir am Schloss nichts unternehmen“, weiß Geschäftsführer Dr. Hendrik Dönnebrink. Mehr Geld vom Kämmerer werde er nicht fordern, man müsse schauen, wie man das innerhalb der BHM auffange.

Um möglichst flexibel bei der Auftragsvergabe zu sein, der Finanzierung und dem Bemühen um Zuschüsse, hat man die Sanierungsarbeiten in fünf separate Bauabschnitte eingeteilt, die bis 2017 fertig sein sollen. Es geht aber nicht mit der Ringmauer los, die es am nötigsten hätte, sondern mit der Fassade zur Straßenseite hin. „Wir wollen, dass das Gerüst, das Fußgänger und Radfahrer stört, möglichst schnell weg ist“, so Blaeser-Metzger. Start der Baumaßnahme soll noch dieses Jahr sein. Dafür muss die Politik aber am 6. Juli einen entsprechenden Beschluss fassen.

Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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