Nach der „Corona-Zwangspause“ nimmt das Heinzelwerk seine Arbeit wieder auf
Herzblut und handwerkliches Geschick

Das Foto wurde beim zehnjährigen Bestehen des Heinzelwerks aufgenommen, als man sich über eine Spende zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit freute. Ein halbes Jahr später sorgte Corona für eine erste Zwangspause. Die gab es jetzt auch wieder. Nun aber legen die Heinzelwerker wieder los.
Foto: PR-Foto Köhring/SC
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  • Das Foto wurde beim zehnjährigen Bestehen des Heinzelwerks aufgenommen, als man sich über eine Spende zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit freute. Ein halbes Jahr später sorgte Corona für eine erste Zwangspause. Die gab es jetzt auch wieder. Nun aber legen die Heinzelwerker wieder los.
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Die Heinzelmännchen waren der Sage nach Kölner Hausgeister, die nachts, wenn die Bürger schliefen, deren Arbeit verrichteten. Wer wünscht sich so etwas nicht? Aber es ist halt nur eine Sage. Realität allerdings sind die Mülheimer „Heinzelwerker“, die seit gut zwölf Jahren in der Stadt helfen, wo sie gebraucht werden. Und sie werden oft gebraucht.

Als Erich Reichertz das Projekt ins Leben, hätte er sich sicher nicht träumen lassen, das aus der Idee eine Erfolgsgeschichte würde, die bundesweit „Nachahmer“ gefunden hat. „Zu Beginn waren wir eine überschaubare Hilfsgemeinschaft von fünf Leuten“, erinnert er sich. Inzwischen ist man eine gut 20-köpfige, auch unter- und miteinander bestens harmonierende „Truppe mit Herzblut und handwerklichem Geschick.“ Die Zielgruppe ist klar. Man hilf alleinstehenden, älteren Menschen, eine Glühbirne zu wechseln, eine Lampe anzuschließen, ein Stuhlbein anzuleimen oder bei technischen Geräten zur Hand zu gehen. Bedürftigen Familien wird ebenfalls geholfen.

Von Beginn an wurde das Heinzelwerk vorbildlich und tatkräftigt vom Diakonischen Werk Mülheim und dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) unterstützt. Gut 5.000 Mal sind die Ehrenamtler in den zwölf Jahren in Aktion getreten. Durch die Corona-Pandemie war man zuletzt mit „gebremstem Schaum“ an Deck, und es gab zudem unfreiwillige Zwangspausen.

Geprüft und für gut befunden

„Corona hat auch beim Heinzelwerk tiefe Spuren hinterlassen“, sagt Erich Reichertz, denn in dem Projekt engagieren sich größtenteils Menschen, die 70 Jahre und älter sind. Bei vielen der Hilfesuchenden ist das nicht anders. Mit Blick auf Covid-19 gelten beide als Risikogruppe, so dass die ehrenamtliche Hilfe ab Februar 2020 zunächst ausgesetzt wurde. „Aber der Wille zu helfen, war weiterhin ungebrochen“, betont er und berichtet vom Sicherheits- und Hygienekonzept, das entwickelt, von ärztlicher Seite geprüft und für gut befunden wurde, so dass Heinzelwerker, die dies freiwillig wollten, Anfang Juni 2020 wieder Aufträge übernahmen.

„So konnte bis Mitte November 2020 trotz aller Schwierigkeiten noch in etwa 270 Fällen geholfen werden“, ergänzt der Heinzelwerk-Gründer. Als dann jedoch die zweite Welle mit sehr hohen Infektionszahlen auch in Mülheim aufkam, erschien allen das Risiko zu hoch, selbst unter Beachtung sämtlicher Sicherheitsmaßnahmen. Das hatte zur Folge, dass die Arbeiten ein zweites Mal gestoppt wurden.

Zwischenzeitlich sinken die Infektionszahlen kontinuierlich. Zudem stellt das Diakonische Werk den Heinzelwerkern Schutzmaterialen wie Masken und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Reichartz' Stoßseufzer und Herzenswunsch „Wir wollen endlich wieder arbeiten“ geht in Erfüllung. „Das dürfen und müssen Sie auch, denn die Anfragen stapeln sich bei uns“, gibt Birgit Hirsch-Palepu, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, schmunzelnd und motivierend zugleich den „Startschuss zum Wieder-Loslegen“.

Engagiert und
hoch motiviert

Sie verbindet das mit Dank und lobenden Worten: „Wir wissen, wie engagiert und motiviert die Heinzelwerker sind. Zugleich kennen wir den Bedarf sehr genau, da die Anrufe von Hilfesuchenden von unserer Telefonzentrale angenommen und an das Heinzelwerk weitergeleitet werden. Auch während der Pause sind kontinuierlich Anfragen bei uns eingegangen.“ Allein im April waren es 25, und jetzt werden es von Tag zu Tag mehr.

Neben den herkömmlichen Wünschen sind auch verstärkt neue hinzugekommen. „Computerprobleme oder Ratlosigkeit beim Nutzen eines von den Enkeln geschenkten Smartphones vervielfachen bei manchen Senioren die grauen Haare“, weiß Detlev Berghof, einer der engagierten Heinzelwerker. Ab sofort muss niemand man mehr vertröstet werden. Allerdings, das betonen die Verantwortlichen, werden nach wie vor keine Arbeiten durchgeführt, die zum Leistungsumfang von professionellen Handwerkern gehören.

Erich Reichertz stellt zudem fest, dass man sich über weitere helfende Hände freue, denn man würde ja auch nicht jünger. Eva Winkler vom CBE sorgt für ein Lächeln in seinem Gesicht: „Da sind inzwischen ein paar Anfragen von engagierten Mülheimern bei uns eingegangen.“

INFO

> Weitere Informationen zur Arbeit des Heinzelwerks Mülheim gibt es auf der Homepage www.heinzelwerk-mh.de.

> Hilfesuchende wenden sich an das Diakonische Werk unter Tel. 0208 / 3003-277.

> Wer sich im Heinzelwerk engagieren möchte, kann sich beim CBE melden. Tel. 0208 / 97068-13

Das Foto wurde beim zehnjährigen Bestehen des Heinzelwerks aufgenommen, als man sich über eine Spende zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit freute. Ein halbes Jahr später sorgte Corona für eine erste Zwangspause. Die gab es jetzt auch wieder. Nun aber legen die Heinzelwerker wieder los.
Foto: PR-Foto Köhring/SC
Birgit Hirsch-Palepu, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Mülheim, ist den Heinzelwerkern für deren vorbildliche und ehrenamtliche Arbeit dankbar.
Foto: Diakonisches Werk
Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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