"Ich traue unserer Kirche noch eine Menge zu": Ein Gespräch mit Pastor Michael Clemens

Anzeige
Pastor Michael Clemens bei seinem Jubiläums-Gottesdienst am 8. Juli in St. Engelbert (Foto Martin Auge)
 
Pfarrerin Dagmar Tietsch-Lipski von der benachbarten und befreundeten evangelischen Lukaskirchengemeinde beglückwünscht ihren katholischen Amtsbruder. (Foto Martin Auge)

Am 1. und 2. September feiert die Gemeinde St. Engelbert ihr Gemeindefest. Es beginnt am 1. September um 18 Uhr mit einem Gottesdienst. Weiter geht es am 2. September zwischen 11 und 15 Uhr. Pastor Michael Clemens, der im Juli sein Silbernes Ortsjubiläum feiern konnte, stellte sich jetzt den Fragen der Mülheimer Woche.

Mit welchem Gefühl kamen Sie 1993 nach Eppinghofen?
Mit dem Gefühl: Das kannst du und das machst du. Ich hatte ja vorher schon etliche Jahre als Kaplan Erfahrung in Gelsenkirchen und in Duisburg gesammelt.

Auf welchen Menschenschlag sind Sie hier getroffen?
Auf bodenständige Menschen, die geradeaus sind und sagen, was ihnen gefällt und was nicht. Damit kann ich gut umgehen. 

Sehen Sie die multikulturelle Einwohnerschaft Eppinghofens als Vorteil oder als NachteiI?
Überall, wo Menschen zusammen leben und zusammenarbeiten, knirscht es auch mal im Gebälk. Aber wir sind hier eine kreative Mischung aus Menschen, die mit ihren unterschiedlichen Talenten und Traditionen bereit sind mit anzufassen und Gemeinde zu leben. Ich bin wirklich froh, hier in St. Engelbert auf einen harten Kern von etwa 200 aktiven Menschen bauen zu können.

Kann Kirche im multikulturellen Eppinghofen Integration fördern?
Auf jeden Fall. Der christliche Glaube verbindet uns in unserem Stadtteil auch über konfessionelle Grenzen mit unseren evangelischen und freikirchlichen Geschwistern, mit denen wir heute Gottesdienste feiern und zu gemeinsamen Veranstaltungen einladen. Gerade erst hat mir ein aus Italien stammendes Gemeindemitglied gessagt: „Ich fühle mich hier angenommen.“ Besser geht es nicht. So sollte es sein. Katholisch bedeutet weltumfassend. Das kann man in Eppinghofen erleben.

Viele Menschen haben Angst um die Zukunft der Gemeinde.
Natürlich lassen der demografische Wandel und Kirchenaustritte auch unsere Gemeinde kleiner werden. Ich sage meinen Gemeindemitgliedern immer: Ob die Kirche bei euch im Dorf bleibt, hängt von euch selbst ab. Natürlich versuche ich als Priester meinen Teil dazu beizutragen. Aber es kommt auf den Einsatz unserer Gemeindemitglieder an. Da sind wir Gott sei Dank gut aufgestellt, auch beim Gottesdienstbesuch.

Aber Ihre Kirche steht auf der Kippe.
Sie steht nicht auf der Kippe, sondern nur vor einer neuen Nutzung, die wir in 3 bis 5 Jahren mit einem Investor realisieren wollen. Die Pläne der Gemeinde hat der Bischof abgesegnet.

Wie sehen diese Pläne aus?
Der Kirchenturm soll als Landmarke und der Chorraum als Gottesdienstraum erhalten bleiben. Das übrige Kirchenschiff könnte als Gemeindezentrum und als Wohnraum genutzt werden.

Was passiert, wenn sie in 6 Jahren mit 75 in Rente gehen müssen?
So lange ich das kann, werde ich der Gemeinde als Priester vor- und beistehen. Doch der akute Priestermangel zwingt uns, mehr Laien theologisch auszubilden und etwa als Wortgottesdienstleiter oder als Begräbnisleiter einzusetzen. Das kann der Gemeinde gut tun, weil es ihr mehr Lebenserfahrung verschafft. Für mich ist angesichts des Priestermangels auch klar, dass der Zölibat keine Erfolgsgeschichte ist und es keine theologischen Gründe gibt, die dagegen sprächen, Frauen und verheiratete Männer zum Priesteramt zuzulassen. (T.E.)
1
Einem Mitglied gefällt das:
1 Kommentar
333
Klaus Wolf aus Essen-West | 12.07.2018 | 15:18  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.