U-Bahn der Ruhrbahn: Ein Oldie vor der Ausmusterung

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Am 28. Mai 1977 wurde der U-Bahnbetrieb auf der Linie 18 aufgenommen. Fotos: Ruhrbahn
 
31 Stadtbahnwagen vom Typ B wurden ab 1976 gekauft.

Autos werden im Alter von mindestens 30 Jahren mit dem H (istorischen)-Kennzeichen geadelt. Bei der U-Bahn sind 40 Jahre alte Züge im Regelbetrieb längst ein Fall für die Ausmusterung. Diese wird die Ruhrbahn, knapp 41 Jahre nach Inbetriebnahme am 28. Mai 1977, jetzt angehen.

Seither verbindet die U18 die beiden Städte Mülheim und Essen. Sie wurde als moderne und vom Individualverkehr unabhängige Stadtbahn in Betrieb genommen. Die Züge gehen dabei längst als Oldtimer durch - obwohl sie nicht bei historischen Vergnügungsfahrten, sondern noch immer im Regelbetrieb eingesetzt werden.

31 Wagen vom Typ B wurden ab 1976 angeschafft, 25 davon sind aktuell unterwegs. Später kamen 20 gebrauchte Fahrzeuge vom Typ 86/89 hinzu, die aus London importiert wurden. Seit Jahrzehnten schieben die bis September 2017 eigenständigen Unternehmen MVG und EVAG, aus denen die Ruhrbahn hervorging, einen Sanierungsstau vor sich her. Uralte Stellwerkstechnik, vernachlässigte Infrastruktur (siehe die stillgelegte Strecke zwischen Hauptfriedhof und Flughafen), reparatur-anfällige Oldies auf den Gleisen. Aufgeschoben auch aufgrund zurückgehender Zuschüsse von Bund und Land. Schossen die in den 1970-er Jahren noch bis zu 90 Prozent der Kosten zu, werden diese Zuwendungen seit vielen Jahren mehr und mehr zurückgefahren.
Jetzt geht die Ruhrbahn einen kreditfinanzierten Kraftakt in der Größenordnung von bis zu 245 Millionen an. Sämtliche U-Bahnen, sowie 26 "hochflurige" Straßenbahnen vom Typ M, die ausschließlich auf Essener Stadtgebiet - auf dem sogenannten "Südast" - unterwegs sind, sollen aufs Abstellgleis. Insgesamt 77 Fahrzeuge stehen zur Neuanschaffung an. Die Beschaffung der 51 U-Bahnen stellt dabei derzeit, wie das Unternehmen betont, "eine interne Vorüberlegung dar. Es wird beabsichtigt, diese Thematik in den Wirtschaftsplan 2019 aufzunehmen. Ob und wie dies realisiert wird, ergibt sich im Laufe dieses Jahres". Das Kostenvolumen für die Straßenbahnen beläuft sich auf 77 Millionen Euro, diese Summe ist im Wirtschaftsplan 2018 enthalten.


Die U-Bahnen wieder als Straßenbahnen?

Die Kompatibilität im Netz der Ruhrbahn würde sich deutlich erhöhen, wenn die drei U-Bahnlinien 11, 17 und 18 auf die Notwendigkeiten des dort ursprünglich durchgeführten Straßenbahnbetriebs zurückgebaut würden. Dann müssten ausschließlich Straßenbahnen bestellt werden, die Fahrzeuge wären auf sämtlichen Linien einsetzbar. Diese Forderung wurde bereits in der jüngeren Vergangenheit aus Teilen der Essener Lokalpolitik laut. Zu diesem Zweck müssten allerdings mindestens Bahnsteige abgeflacht und die Spurweiten der Gleise abgeändert werden. Ruhrbahn-Sprecherin Simone Klose erteilt diesen Überlegungen eine klare Absage: "Ein solcher Umbau ist aufgrund der hohen erforderlichen Investitionen unwirtschaftlich. Ein solcher Umbau könnte nicht nur auf das Bedienungsgebiet der Ruhrbahn beschränkt werden, sondern müsste zudem auch in den benachbarten Bedienungsgebieten erfolgen."
Die U18 fuhr ab dem 28. Mai 1977 zunächst zwischen den Haltestellen Mülheim-Heißen Kirche und Essen-Wiener Platz. Ab dem 4. November 1979 ging die Fahrt von Heißen weiter bis zum Hauptbahnhof. Auf Essener Seite endet die Linie heute am Berliner Platz.

Kommentar zum Thema: Irrfahrt beenden
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