Der Nächste, bitte! Aus der Praxis des Evangelischen Krankenhauses Mülheim. Heute: Reanimation.

Schnelle Erste Hilfe erhöht die Überlebenschancen bei Notfall-Patienten. | Foto: Foto: Andreas Köhring
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  • Schnelle Erste Hilfe erhöht die Überlebenschancen bei Notfall-Patienten.
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Vor dieser Situation haben viele Angst: Mitten auf der Straße bricht neben Susanne R. ein Mann zusammen. Er ist blass und schweißgebadet – und er atmet nicht mehr. Susanne R. weiß nicht, was sie tun soll.

Der Erste-Hilfe-Kurs liegt schon zehn Jahre zurück und sie kann sich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wie das war… Wie oft muss ich drücken? Und wo? Und wann muss ich beatmen? Sie wählt den Notruf – und tut weiter nichts, aus Angst, etwas falsch zu machen.

„Dabei gibt es gar nichts, was sie falsch machen kann“, sagt Dr. Ingmar Gröning, Chefarzt der Zentralambulanz am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM). Nur Nichtstun sei falsch, denn dann sei es sicher, dass beim Patienten unumkehrbare Hirnschäden eintreten. „Das Wichtigste ist drücken und zwar in der Mitte des Brustkorbes, etwa 100 Mal in der Minute!“

Bei einem Herzstillstand zählen vor allem die ersten Minuten. „Der Erste in der Rettungskette ist nicht der Sanitäter oder der Notarzt, sondern derjenige, der vor Ort ist“, sagt Dr. Gröning. Denn schon nach drei bis fünf Minuten Herzstillstand treten Hirnschäden ein. In der Regel trifft der Rettungsdienst nach durchschnittlich acht Minuten ein.

Ersthelfer sollten drei Schlagworte im Kopf haben: Prüfen. Rufen. Drücken. Sie sollten prüfen, ob die Person noch normal atmet und dann die Notrufnummer 112 wählen, so wie Susanne R. es getan hat. Und dann gilt: drücken, drücken, drücken.

Ersthelfer sind enorm wichtig

Im optimalen Fall drückt der Ersthelfer im Rhythmus von „Stayin‘ Alive“ mit seinem Handballen auf einen Punkt mitten auf dem Brustbein. Dr. Gröning betont: „Auch bei schlagendem Herzen treten praktisch keine langfristigen Schäden auf. Falsch gemacht werden kann also nichts!“ Diese Herzdruckmassage ist auch wichtiger als die Beatmung, vor der viele zurückschrecken. Denn durch den Druck kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren und das Gehirn mit Sauerstoff versorgen.

So kann der Ersthelfer die Überlebenschancen des Patienten verdoppeln bis vervierfachen. Wenn der Ersthelfer auch beatmet, dann sollte er nach 30 Mal drücken zweimal beatmen. „Die Helfer sollten sich, wenn möglich, Unterstützung suchen, damit sie die Wiederbelebung nicht allein vornehmen müssen“, sagt Dr. Gröning. Eine Reanimation ist anstrengend und nach zwei Minuten Herzdruckmassage sollten die Helfer sich abwechseln.

Ist ein Defibrillator in der Nähe, kann jeder Ersthelfer diesen auch nutzen. Auch hier gilt: Sie können nichts falsch machen. Die Geräte, Automatisierte externe Defibrillatoren (AED), führen mit Sprachanweisungen durch die Defibrillation und sagen den Ersthelfern genau, was zu tun ist. Sie lösen nur dann einen Elektroschock aus, wenn ein Herzkammerflimmern festgestellt wird.
Ersthelfer sollten sich eines bewusst machen: Sie sind die Einzigen, die den Kreislauf aufrechterhalten können, bis die Mediziner eintreffen. Und zwar denkbar einfach: durch drücken.

Schnelle Erste Hilfe erhöht die Überlebenschancen bei Notfall-Patienten. | Foto: Foto: Andreas Köhring
Dr. Ingmar Gröning. | Foto: Foto: Andreas Köhring
Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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