Stellungnahme und offener Brief von Lukas Aster, verkehrspolitischer Sprecher der GRÜNEN Kreistagsfraktion
Planung der Bahn nach Neukirchen-Vluyn

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lenßen,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Fleischhauer,
sehr geehrte Damen und Herren in den Räten der Städte Neukirchen-Vluyn und Moers,

der Presse (Rheinische Post vom 14.2.2020) war zu entnehmen, dass der beauftragte TÜV-Gutachter für den Bahnanschluss nach Neukirchen-Vluyn 50 Mio. € Kosten erwartet und angesichts der hohen Kostenbezifferung eine Realisierung als letztlich nicht darstellbar erscheinen muss.

Diese Darstellung, so wie sie der Presse zu entnehmen war, ist verkürzt.

Die Öffentlichkeit hat es aber verdient, die ganze Geschichte zu erzählen und nicht nur die halbe.
Daher erlaube ich mir, auf einige wesentliche Einzelheiten hinzuweisen, die der Pressebericht nicht nennt.

In wenigen Jahren wird der Campus in Moers seinen Betrieb aufnehmen. Dann werden Hundertschaften von umsteigenden Schülern jeden Morgen am Moerser Bahnhof zu erwarten sein. (Es sei denn, man setzt weiter auf die morgendlichen Blechlawinen, die aus dem wilden Norden anrollen.) Niemand kann heute die Frage beantworten, woher morgens um halb acht die geplanten zusätzlichen Shuttlebusse herkommen sollen, um die Jugendlichen zum Campus zu bringen - alle verfügbaren Busse werden ja für den übrigen Schülerverkehr gebraucht. Von daher ist der Schienenweg Richtung Vluyn aus kreisweiter Sicht dringend erforderlich.
Die 15 Mio. € für den Anschluss an die Hauptbahn kann man sich erst mal getrost sparen. Denn der Zeitvorteil gegenüber der verspätungsanfälligen Schnellbusverbindung nach Duisburg bleibt auf jeden Fall bestehen, solange wir die Rheinbrückenproblematik haben, und die wird uns noch über die Fertigstellung der A40-Brücke hinaus jahrzehntelang beschäftigen. Außerdem birgt die Durchbindung zur RB 31 ein großes Verspätungsrisiko: Der Xantener Pendelverkehr fährt weiterhin auch in den kommenden Jahren auf veralteter Infrastruktur und die Rheinhausener Eisenbahnbrücke entwickelt sich immer mehr zum Nadelöhr. Wer einen zuverlässigen Betrieb zwischen Moers und Vluyn will, bleibt auf Ebene 0 am NIAG-Gleis - das im Übrigen für Moers immer barrierefrei und kurzläufig erreichbar sein wird, ganz anders als die Hochbahnsteige mit ihren defekten Aufzügen oder dem weit entfernten Busbahnhof.
Es ist nämlich nicht die Bahn an sich, die teuer ist. Wäre das Gleis all die Jahre seit den '60ern für den Personenverkehr gepflegt worden, anstatt die Städte für teuer Geld mit Straßen zuzuknallen, hätten wir die Reaktiviserungskosten heute nicht. Es sind die verkehrspolitischen Sünden der letzten 50 Jahre, die wir im Zuge der Massenmotorisierung auf uns geladen haben, und die ihren stetigen Beitrag zur Erderwärmung geleistet haben und noch leisten. Diese politischen Sünden sind es, die so viele unserer Plätze verunstaltet haben, Plätze, auf denen sich nur noch Autos begegnen und nicht mehr Menschen, auf denen der Gemeinsinn gegen die individuelle Bewegungsfreiheit ausgespielt worden ist. Es ist ein hohes Buß-Geld, das wir zu zahlen haben, wenngleich in Raten.
Vor diesem schwierigen Hintergrund schlage ich vor, dass eine Machbarkeitsstudie zu dem Thema auch einen zeitlich gestreckten Entwicklungsplan enthalten muss, etwa:

Stufe 1: Aufnahme des Schienenverkehrs zwischen Campus und Moers Bahnhof mit Akku-Triebwagen.
Stufe 2: Schrittweise Aufarbeitung und Inbetriebnahme des Gleises bis nach Vluyn.
Stufe 3: Ausbau und Modernisierung der RB 31 (Abschnitte Rheinkamp-Xanten sowie Rheinbrücke)
Stufe 4: Anschluss an die Hauptbahn
Da können schon 40-50 Jahre ins Land gehen, aber: Jeder noch so lange Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Und damit müssten Sie jetzt anfangen, wenn Sie in Zukunft von „Fridays for Future“ noch ernst genommen werden wollen.

Darauf zu warten, dass es billiger wird, macht keinen Sinn.

Autor:

Grüne Kreistagsfraktion Wesel (Manfred Schramm) aus Wesel

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